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31. Oktober 2019

Chancen, Entscheidungen, Gefühlschaos

Im Interview erklärt der Regensburger Rapper Mosaik, warum sein neues Album „Bon Voyage“ für ihn ein ganz besonderes ist.

Der November bringt für Mosaik und seine Regensburger Fans viel Gutes: Erst kommt sein neues Album „Bon Voyage“ raus und dann tritt der beliebte Rapper am 28. November in der Mälze auf. Foto: Klaus Kuhn

Regensburg. „Okay“, die erste Singleauskopplung aus Mosaiks drittem Studioalbum erreichte in ein paar Wochen knapp 50 000 Streams – schon am zweiten Tag nach dem Release wurde der Song zum meistgestreamten des Regensburger Rappers. Grund genug, sich mit ihm über seine Musik, das nächste Woche erscheinende „Bon Voyage“ und über aufwühlende Entscheidungen zu unterhalten.

Am 1. November erscheint dein neues Album „Bon Voyage“. Wie wir dich kennen, steckt dahinter bestimmt wieder ein Konzept. Wovon handelt das Tape?

Mosaik: Ursprünglich wollte ich an einem ganz anderen Projekt arbeiten, habe damit auch schon begonnen und hatte geplant, es bis Anfang 2020 fertig zu stellen. Dann kam aber viel dazwischen und ich legte das vorerst auf Eis, um die neuen Inspirationen zu vertonen. „Bon Voyage“ ist wie ein Rückblick auf meine musikalische Reise, bei der ich immer wieder nach einem Ziel gesucht habe.

Und wie klingt dieser Rückblick?

Seit ein paar Jahren schleicht sich in mein Soundbild immer mehr Indie-Einfluss rein und auf diesem Album hat es sich angeboten, gerade im ersten Drittel auch rockigere Elemente zu verarbeiten. Konkret bedeutet das, dass es viele Gitarren und Synthies zu hören gibt, auch mit den Drums haben mein Produzent AREAH und ich immer wieder herumexperimentiert. Im Vergleich zu den anderen Alben sind die meisten Aussagen auf jeden Fall direkter und nicht mehr so verschnörkelt und versteckt.

Einen kleinen Vorgeschmack hast du ja mit der ersten Single-Auskopplung „Okay“ gegeben. Darin beschreibst du eine große Chance, die du ablehnst, um hier zu bleiben. Ist der Text denn autobiografisch zu begreifen?

Auf jeden Fall! Tatsächlich ist „Okay“ der letzte Song, den ich für das Tape geschrieben habe und dadurch fasst er das ganze Album thematisch zusammen. Ich studiere gerade und hatte die Bemühungen, Musik zum Hauptberuf zu machen, eigentlich deutlich heruntergeschraubt und war sehr glücklich mit der Entscheidung. Dann gab es überraschenderweise tatsächlich die Chance, dies zu verwirklichen. Da musste ich mir natürlich die Frage stellen, ob ich mich jetzt ins Risiko stürze und es versuche, oder ob ich weiterhin zweigleisig fahre. Zum Zeitpunkt, als ich „Okay“ geschrieben habe, hatte ich schon reinen Tisch mit mir selbst gemacht und wusste, dass ich hier bleibe, mein Studium beende und weiterhin in meinen alten Strukturen Musik machen werde. Dementsprechend konnte ich auf „Okay“ nochmal alles reflektieren.

Jetzt aber Butter bei die Fische: Wohin wolltest du denn und warum bist du doch in Regensburg geblieben?

Konkret war es Berlin, einfach, weil dort die Zusammenarbeit sinnvoller gewesen wäre. Es ging aber weniger um den Ortswechsel, sondern vielmehr um einen Strukturwechsel - anderes Plattenlabel, anderer Vertrieb, anderes Management. Alles viel größer, die Erwartungen dementsprechend höher und damit verbunden auch viel mehr am Stück on the road zu Festivals und Tourneen. Der wichtigste Grund, warum ich hier blieb, waren wahrscheinlich die Menschen, mit denen ich hier meine Zeit verbringe und die Personen, die mit mir zusammenarbeiten und mich erst in die Position gebracht haben, so eine Chance zu bekommen. Ich habe hier schon alles, was mich glücklich macht.

Du selbst hast gesagt, dass du mit „Bon Voyage“ dein Gefühlschaos ordnen und schließlich archivieren willst. Ist dir das gelungen?

Für einen Musiker ist es vermutlich eines der größten Dinge, mit den Personen zusammenzuarbeiten, die man selbst in der eigenen Playlist hört. Allein die Tatsache, dass die deine eigene Musik feiern und mit dir zusammenarbeiten wollen, war schon echt ein riesen Kompliment. Da fielen so nette Worte und ich bekam selber nochmal einen viel gefestigteren Zugang zu meiner eigenen Musik. Wenn es mit den aktuellen Strukturen dann doch nicht klappt und ich in paar Jahrzehnten nicht mehr aktiv und regelmäßig Musik mache, kann ich deswegen auf jeden Fall zufrieden zurückblicken. Auch, wenn ich an manchen Tagen meine eigene Entscheidung bereue: Aber aktuell – nachdem ich das alles vertont habe – bin ich mir sicher, dass es genau so richtig war.

Wie geht es nach dem Album-Release für dich weiter?

Die ersten zwei Wochen nach dem Release sind meistens noch relativ stressig, weil für gewöhnlich Anfragen reintrudeln und es noch paar Dinge zu erledigen gibt. Danach werde ich mich mit Jhange und 1eighty im Proberaum verschanzen und spiele mit ihnen zusammen zwei Releaseshows: Am 12. November in der Glockenbachwerkstatt in München und am 28. November in der Alten Mälzerei hier in Regensburg. Vor allem auf den Regensburg-Gig freue ich mich, weil ich, seitdem ich hierher gezogen bin, schon immer in der Mälze eine eigene Show spielen wollte. Dass es jetzt mit dem ganzen Hintergrund soweit ist, gibt dem Ganzen nochmal eine besondere Note. Anschließend werde ich weiter an meinem Buch schreiben und auf jeden Fall ein bisschen Zeit für Urlaub freiblocken.