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Martin Heller teleschau – der mediendienst
05. Dezember 2018

Das Erbe des Grafen

In Extremo trifft Niemann trifft Unheilig: Es gibt eine neue deutsche Supergroup. Und sie klingt weder nach Niemann noch nach In Extremo.

Deutsche Supergroup aus Goth-Rock-Gefilden: Faelder dürften am ehesten Unheilig-Fans froh machen. Foto: Robert Eikelpoth

Regensburg. Von Crosby, Stills, Nash & Young über Emerson, Lake & Palmer bis Chickenfoot: Supergroups tauchen seit Jahrzehnten in der Musiklandschaft auf. Sie sind Formationen, die sich zusammensetzen aus Musikern bereits kommerziell erfolgreicher Bands. Nur selten bleiben sie dauerhaft (ABBA), öfter sind sie Nebenprojekte und musikalische Spielwiesen sowie musikalische Projekte für den guten Zweck. Mit Faelder existiert nun eine neue deutsche Supergroup, die mit dem Album „Unheilbar“ debütiert. Wer meint, das klinge (vom Wortlaut wie musikalisch) etwas nach Unheilig, liegt vollkommen richtig.

Denn das musikalische Mastermind hinter Faelder ist niemand geringeres als der einstige Produzent und Keyboarder des Grafen, Henning Verlage, der zuletzt auch als Produzent von „Sotiria“ in Erscheinung trat. Seine Handschrift prägt das Album. Das Fundament aus Schlagzeug und verzerrten Gitarren leihen Drummer Florian „Specki T.D.“ Speckardt und Gitarrist Sebastian Lange von In Extremo. Adrian Kehlbacher steuert den Bass bei. Eine kleine Überraschung ist der Gesang: Wer sich noch an den Hit „Im Osten“ von Niemann im Jahre 2001 erinnert, wird überrascht feststellen, dass der namensgebende Kai Niemann jetzt mit tiefer, kehliger Stimme diesem düsteren Album Stimme und Stimmung verleiht.

Wie also klingt Faelder nun? In Bands gesprochen sind die Unheilig-Anleihen am deutlichsten - die gesamte Stimmung und die schmachtenden Texte wie in den Balladen „Weinendes Herz“ und „Alles vergeht“ erinnern an den Grafen ab dem Album Große Freiheit. Wird es etwas rockiger, wie etwa in „Halt die Welt fest“, sind Vergleiche zu Oopmh! und Eisbrecher nicht unangebracht. Der langsame, treibende Rhythmus des eröffnenden Titels „Wo ist das Meer“ erlaubt es mit der tiefen Stimme Niemanns sogar, Parallelen zu Rammstein zu ziehen - zumindest entfernt. Aus all diesen Elementen kreieren Faelder aber einen eigenständigen Stil. Letztendlich überwiegen dabei die balladigen, poppigen Titel. Heißt: Die Zielgruppe dürfte am ehesten die späten Unheilig-Fans sein.

Die Special Edition sowie die digitale Version bieten zwei Tracks mehr als die Standard Disc und Vinyl. Wem das nicht genug ist, der sollte sich die offiziellen Videos zu den Tracks „Halt die Welt fest“, „Unheilbar“ und „Licht von dir“ ansehen. Die Band hat reichlich Mühe investiert und eine dreiteilige Geschichte in Form eines VR-Minikrimis gedreht. Das wirkt zwar erzwungen modern, ist aber hübsch anzusehen und unterhaltsam.

Martin Heller teleschau – der mediendienst