Die fantastische Reise

Im Oscar-Favorit „Hugo Cabret“ schickt uns Martin Scorsese zurück in die glanzvolle Frühzeit des Kinos.

Hugo Cabret, ist für elf Oscars nominiert. Zurecht, findet der kult-Kinomann Stefan Jung.

Altmeister Martin Scorsese („Taxi Driver“) erzählt die Geschichte des jungen Waisenkinds Hugo Cabret (Asa Butterfield), der von seinem alkoholsüchtigen Onkel die Aufgabe übernimmt, die großen Uhrwerke eines Pariser Bahnhofs in Gang zu halten. Eines Tages wird er vom alten Spielzeugverkäufer Papa George (Sir Ben Kingsley) beim Klauen ertappt. Dieser konfisziert daraufhin all sein Eigentum, unter anderem ein kleines Notizbuch, welches Hugo von seinem Vater geerbt hat. In seinen verzweifelten Versuchen, den wertvollen Besitz zurückzuerlangen, bietet ihm Papa George die Möglichkeit, es sich ehrlich zu verdienen und für ihn zu arbeiten. Begeistert von Hugos Geschick, feinmechanische Sachen zu reparieren, wird der kleine Junge seit Langem der erste Freund des alten Mannes.

Es beginnt eine abenteuerliche Reise in die Vergangenheit des alten Ladenbesitzers Papa George, der in Wirklichkeit ein Pionier des frühen Kinos ist. Mit seinen Filmen hat George Méliès (1861-1938) die Menschen zum Träumen gebracht. Die Bekanntschaft mit Hugo holt den einstigen Magier des Lichts aus seinem selbst gewählten Exil.

Scorsese präsentiert uns in seinem neuesten, für elf Oscars nominierten Werk die Geburtsstunde der Filmkunst. „Hugo Cabret“ ist eine Liebeserklärung in prächtigen Bildern. Die Kamera zieht uns dabei beständig in eine Welt der Faszination und jener filmischen Augenblicke, die man niemals vergessen sollte. Der überlegte Einsatz von 3D leistet hierzu seinen Beitrag, denn bereits bei der virtuosen Eröffnungssequenz nutzt der Film beispielhaft die Möglichkeit, technisch-räumliche Qualitäten mit denen der erzählten Geschichte in Einklang zu bringen. „Hugo Cabret“ ist der schönste Kinderfilm seit Langem. Den ganz jungen Zuschauern dürfte sich sein kulturhistorischer, cineastischer Wert zwar kaum erschließen, macht aber nichts; trotzdem sehr sehenswert.

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