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02. Oktober 2018

Ein Fest für Horrorfans

Mal ironisch, mal nachdenklich: Die Filmauswahl beim Hardline-Festival zeigte viele Facetten des Horrorgenres. Belohnt wurden die Organisatoren mit einem neuen Besucherrekord.

Unsere Horror-Expertin Christina (re.) hat sich mit dem Regisseur-Trio von „Summer of 84“, Yoann-Karl Whissell, Anouk Whissell und François Simard (v. li.) über die 80er-Jahre und Serienkiller unterhalten. Foto: Karin Prechtner

Vier Tage Gruseln im Kinosessel, vier Tage feinste Genreperlen, vier Tage coole Gäste: Am Sonntag ging das Hardline-Filmfestival mit dem sehr intensiven Film „Mandy“ zu Ende. „Es ist das beste Programm, das wir je hatten“, hatte Organisator Florian Scheuerer im Vorfeld versprochen und die Zuschauer gaben ihm Recht. Mit rund 1800 Besuchern stellte das Festival in seiner sechsten Ausgabe einen Besucherrekord auf. Und auch die Filme wurden noch nie so gut bewertet wie dieses Mal. Absoluter Liebling: „Dave Made a Maze“, ein zugegeben nicht allzu horrormäßiger Film, dafür umso fantasievoller. Dicht dahinter schlossen sich „Tigers Are Not Afraid“, „Bajo la Rosa“, „Summer of 84“ und „Pimped“ an. Die Mischung auf der Leinwand war bunt: Kannibalen, Wildschweine, Serienkiller, Sektenmitglieder oder mexikanische Drogengangs – das Hardline-Festival zeigte sämtliche Gesichter des Horrors und mal ironische, mal nachdenkliche Seiten eines Genres, das so viel mehr als plumpe Schocker zu bieten hat.

Auf ein Wort mit den Regisseuren

Neben der Filmauswahl glänzte das Hardline in diesem Jahr auch mit interessanten Gästen, darunter die Regisseure von „Summer of 84“, die Geschwister Anouk und Yoann-Karl Whissell sowie François Simard. Die drei Kanadier kennen manche vielleicht als Schöpfer von „Turbo Kid“, bei „Summer of 84“ haben sie nach Drehbuchvorlage gearbeitet. Auf den ersten Blick erinnert der Film an den Stil der Netflix-Serie „Stranger Things“: 80ies-Style, neugierige Jugendliche, düstere Vorstadtatmosphäre. Doch die Idee dazu entwickelten die drei ganz unabhängig davon. „Der Film musste in den 80ern spielen“, erklärt Yoann-Karl. Und zwar nicht, weil die gerade Trend sind, sondern weil es eine Zeit war, in der die Menschen immer mehr aus ihrem Traum des Vorstadt-Idylls gerissen wurden, in der Kinder verschwanden und Serienkiller plötzlich auch in der Nachbarschaft zu finden waren. Und genau darum geht es in dem Film. Etwa drei Viertel des Films sind absolut harmlos, die letzten Szenen haben es aber in sich. Warum warten die drei so lange mit den Grausamkeiten? „Man wägt sich lange in Sicherheit und am Ende kommt der Schock. Das passt zu unserem Konzept mit dem 80er-Jahre-Vorstadtleben.“ Das Trio arbeitet schon seit dem Jahr 2000 zusammen, angefangen hat es mit Kurzfilmen. Das Horrorgenre interessiert sie aber schon immer: „Als Kinder haben Yoann-Karl und ich im Big Book of Mystery gelesen“, erinnert sich Anouk. Nur weil man Horror mag, heißt das aber noch längst nicht, furchtlos zu sein. So gibt François zu, Angst vor Würmern zu haben. Wird es also demnächst einen Horrorfilm mit Würmern geben? Eher nicht. Gerade arbeitet das Trio an einer Fortsetzung von „Turbo Kid“. Ähnlich wie bei „Summer of 84“ haben auch bei „Turbo Kid“ junge Charaktere die Hauptrollen. „Wir können mit Kindern einfach gut arbeiten“, sagt Yoann-Karl. „Außerdem sind wir irgendwie selbst noch Kinder und werden es hoffentlich immer bleiben. Darauf bin ich stolz.“

„Not for the money“

Um Geld geht es beim Horrorgenre nicht, das betonen die anwesenden Regisseure und Produzenten gerne. „Man macht es nicht für das Geld. Es geht um Leidenschaft“, sagt auch Simeon Halligan, der Regisseur, der in diesem Festival im Directors Spotlight genauer unter die Lupe genommen wurde und zusammen mit seiner Produzentin Rachel Richardson-Jones aus Manchester anreiste. Von ihm haben die Besucher die beiden älteren Filme „White Settlers“ und „Splintered“ sowie seinen neuen Film „Habit“, einen ästhetischen Kannibalenfilm im Untergrund Manchesters, gesehen. „Bei vielen Filmen, auch bei meinen vorherigen, gehen die Leute raus aufs Land, ins Unbekannte und begegnen da dem Unheimlichen. In Habit ist die Gefahr ganz nah und in der Stadt. Das ist eigentlich viel realistischer“, sagt er zu seinem Film. Halligan war nicht nur wegen seiner Arbeit als Regisseur ein spannender Gast, sondern auch, weil er selbst ein Horrorfilmfestival organisiert: das Grimmfest in Manchester, das diese Woche stattfindet. Trotz Vorbereitungsstress hat er gerne Florian Scheuerers Einladung zum Hardline Filmfestival angenommen: „Er macht wirklich einen guten Job. Die Filmauswahl ist fantastisch, viele davon laufen auch auf meinem Festival“, lobte er seinen Regensburger Kollegen.

Hardline legt nach

Wer jetzt traurig ist, weil es noch so lange bis zum nächsten Hardline-Festival dauert, der bekommt ein kleines Trostpflaster: Im nächsten Jahr wird das Festival einen Tag länger, nämlich ganze fünf Tage dauern. Bis dahin also die Nerven schonen und immer schön furchtlos in den dunklen Keller gehen. Wer es gar nicht aushält, der besucht einfach die Hardline-Filmreihe, die jeden letzten Donnerstag im Monat einen Genre-Hit präsentiert. Schönes Gruseln!