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05. Juli 2019

Einblicke, Rückblicke, Augenblicke

Die Ausstellung „3x junge Kunst“ im Kunst- und Gewerbeverein zeigt noch bis 28. Juli, was der Regensburger Nachwuchs so zu bieten hat. Im Gespräch mit kult erzählt Künstler Nico Sawatzki, wie seine Arbeiten entstehen.

Neben Nico Sawatzki stellen außerdem Alexander Rosol und Erika Wakayama ihre Werke aus. Foto: Maria Stich

Regensburg. Ungefähr 70 Schichten Sprühlack hat Nico Sawatzki auf die Leinwand aufgetragen, teilweise wieder abgekratzt und abgezogen, bis sein Bild „werden nicht entdeckt“ fertig war. Was übrig bleibt, sind graue und schwarze Muster – an manchen Stellen mit Acrylfarbe nachgezogen –, durch die die Struktur des Leinwandstoffs schimmert. Auf den ersten Blick ein völlig abstraktes Bild, entdeckt man darin nach und nach das angedeutete Dickicht aus Bäumen, von dem Nico erzählt – eine Erinnerung an ein Versteck aus seiner Kindheit.

Das Gemälde ist Teil der Ausstellung „3x junge Kunst“, die derzeit im Kunst- und Gewerbeverein (Ludwigstraße 6) zu sehen ist. Wie der Titel verrät, stellen neben Nico noch zwei weitere Künstler ihre Arbeiten aus: Zum einen Erika Wakayama mit hauptsächlich großflächigen, aber gleichzeitig sehr filigranen Zeichnungen im japanischen Stil. Zum anderen Alexander Rosol mit seinen digitalen Bildmontagen, die er übermalt hat. Die Ausstellungsreihe, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert wird, bietet alle zwei Jahre ausgewählten Künstlern unter 40 Jahren eine Bühne.

Als „Nachwuchs“ kann man Nico allerdings nicht mehr wirklich bezeichnen: Der Regensburger tobt sich schon seit Mitte der 90er künstlerisch aus; anfangs hauptsächlich in der Graffiti-Szene, wo er Alexander Rosol kennengelernt hat, seit 2012 ist er freischaffender Künstler. Alexander und Nico arbeiten bis heute hin und wieder zusammen an Projekten – zum Beispiel gestalteten sie die große Wand neben dem IT-Speicher, die man von der Nibelungenbrücke aus sieht – und haben sich auch gemeinsam für die Ausstellung beworben. Erika wurde ihnen von der Jury zugelost. „Wir hatten unglaubliches Glück mit ihr“, findet Nico. Die Arbeiten der drei würden sich gut ergänzen, ohne dabei zu dominant zu sein.

Wie wäre es in der nächsten Mittagspause mal mit einem Abstecher in den Kunst- und Gewerbeverein? Foto: Stefan Hanke

Was bedeutet junge Kunst – mit Blick auf den Ausstellungstitel – für Nico? „Ich denke, es gibt keine strikte Trennung zwischen alter und junger Kunst. Junge Kunst bricht Normen, geht neue Wege mit alten und neuen Mitteln. Streetart und Graffiti sind wohl das beste Beispiel – beides ist erst seit kurzer Zeit als Kunstrichtung anerkannt.“ Seine Techniken hat er sich selbst beigebracht und erarbeitet. Über die Jahre hat er sie zwar immer weiter verfeinert, sie sind aber im Grunde die Gleichen geblieben.

Erika Wakayama (2. v. li.), Nico Sawatzki (Mitte) und Alexander Rosol (2. v. re.) erklären euch vor Ort persönlich ihre Arbeiten. Foto: Stefan Hanke

Was sich hingegen drastisch geändert hat, sind seine Motive und die ganze Ästhetik der Bilder. Noch vor einem Jahr waren seine Bilder viel bunter, charakteristisch die Kombination von Landschaften und Architektur. Nach dem Tod seines Vaters konnte er allerdings nicht mehr arbeiten wie vorher, grau und schwarz sind jetzt die dominierenden Farben. „Ich habe erst sehr spät verstanden, wie viele Emotionen eigentlich in meinen Arbeiten stecken. Ich denke viel nach beim Malen. Die Bilder sind Momentaufnahmen aus meiner Kindheit, die ich damit aufarbeite“, erzählt Nico. Neben den reinen Landschaftsbildern gibt es jetzt einen Teil mit rein architektonischen, geometrischen Motiven (die sogenannten Future parts) und Holzcollagen, entstanden aus Material aus dem Nachlass seines Vaters, der Drechsler gewesen ist.

Wer mehr über die Arbeiten der jungen Künstler erfahren will, sollte unbedingt bis zum 28. Juli in der Ludwigstraße 6 vorbeischauen – einer der Drei ist während der Öffnungszeiten immer vor Ort und kann direkt und ungefiltert Infos zu den jeweils eigenen Bildern geben. Am 10. Juli um 19 Uhr gibt’s außerdem ein gemeinsames Künstlergespräch.

Die Ausstellung hat Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr geöffnet.