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18. April 2019

Endlich wieder süße Sünden!

Dank Willenskraft, Käsekuchen-Tee und Nuss-Nougat-Creme überstand unsere Autorin 40 Tage ohne Süßigkeiten – fast.

Süßigkeit oder nicht? Hat man die richtige Definition parat, fällt die Entscheidung leicht: Süßigkeiten sind in bunte Folie verpackt. Sie liegen weder beim Konditor in der Auslage, noch befinden sie sich im Glas – denn dann ist es eindeutig ein Brotaufstrich! Foto: Stark

Regensburg. Ein großer Schritt für mich, ein kleiner Schritt für die Menschheit – unter diesem Arbeitstitel hätte das Experiment laufen können, das ich 40 Tage vor Ostern gestartet habe. Ich hatte beschlossen, während der Fastenzeit auf Süßigkeiten zu verzichten. Das Vorhaben war weder religiös motiviert, noch war das Ziel, Gewicht zu verlieren. Der Grund war viel simpler: Ich wollte mir beweisen, dass ich es kann.

Ja, ich gestehe: Ich bin ein Süßigkeitenjunkie. Wenn keine Schokolade, keine Gummibärchen oder zumindest Reiswaffeln auf dem Schreibtisch liegen, fange ich an, in meiner Schublade hektisch nach einem Bonbon zu suchen. Die Fastenzeit bot eine gute Gelegenheit, zu testen, ob beziehungsweise wie lange ich ohne durchhalte. Letztlich fiel die Entscheidung recht spontan. Den Aschermittwoch überstand ich trotz Süßigkeiten-Abstinenz wider Erwarten recht gut. Also machte ich einfach weiter. Kennen Sie „Forrest Gump“ und die Stelle im Film, in der Forrest einfach losläuft? Und läuft. Und läuft. Ähnlich war es bei mir. Ist erst einmal der Anfang gemacht, kommt der Rest von ganz alleine. Fast.

Bonbon des Grauens

Nach einer Woche ohne Süßkram war ich selbst erstaunt. Ich hatte damit gerechnet, ständig an Süßes zu denken. Fehlanzeige. Ich fühlte mich plötzlich freier, leichter (wenn auch nicht auf der Waage, aber zumindest im Kopf) und auch ein bisschen stolz. Dann, bezeichnenderweise an Tag 13 der Fastenzeit: der Sündenfall. Meine Kollegin (trug sie an dem Tag nicht ein Shirt mit Schlangenprint?) hatte ein Schächtelchen mit Bonbons strategisch ungünstig zwischen den Schreibtischen platziert. Eines der bunten Bonbons fiel heraus – und direkt auf meine Zunge. Gut, in den Mund gesteckt habe ich es selbst. Aber ich versichere: ohne darüber nachzudenken. Meine Kollegin brach in hämisches Gelächter aus: „Das ist diese Sache mit dem Unterbewusstsein!“ Ich versuchte derweil, das Bonbon möglichst ohne zu genießen hinunterzuschlucken. Während ich mich noch über meinen „Rückfall“ ärgerte, schoss mir ein anderer Gedanke durch den Kopf: Zählen Bonbons streng genommen überhaupt zu Süßigkeiten? Wenn es im Hals kratzt, gehen sie auch als Medizin durch. Räusper-räusper. Und schon habe ich mir die Absolution erteilt.

Überhaupt ist alles eine Frage der richtigen Definition. Unter „Süßigkeiten“ läuft alles, was in bunte Folie verpackt ist. Hin und wieder ein Stück Kuchen gehörte weiterhin zu meinem Speiseplan. Noch etwas anderes habe ich für mich entdeckt, um das selbst auferlegte Süßigkeiten-Verbot zu umgehen: Erdbeer-Käsekuchen-Tee. Ohne Zucker, dafür mit pappsüßen Steviablättern. Suchtpotenzial: hoch.

Medizin im Glas

Weil jetzt Ostern naht, muss ich noch beichten: In ganz schwachen Momenten habe ich zu einem großen Glas mit Nuss-Nougat-Creme gegriffen. Als Nervennahrung. Wobei das eigentlich halb so schlimm ist. Schließlich weiß jeder, dass es sich dabei um einen Brotaufstrich handelt. Gut, das steht nicht auf dem Etikett. Von „Süßigkeit“ steht da aber auch nichts. Überhaupt sind Süßigkeiten – außer vielleicht im Tante-Emma-Laden – streng genommen nie in Gläser verpackt. Medizin hingegen schon. Sie ahnen es: Alles eine Frage der Definition!