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19. März 2019

Englischer Film über deutschen Held

Marcus H. Rosenmüller präsentierte im Reginakino sein Biopic „Trautmann“ über den legendären Torhüter.

Regisseur Marcus H. Rosenmüller (re.) und Produzent Robert Marciniak sind stolz auf ihren ersten englischsprachigen Film. Foto: Robert Torunsky.

Regensburg. Es ist gute Tradition, dass Marcus H. Rosenmüller seinen neuesten Film persönlich im Reginakino vorstellt. Und doch war diesmal Vieles neu: Für „Trautmann“ hatten „Rosi“ und Produzent Robert Marciniak nicht nur sehr lange gebraucht, das Biopic über den legendären deutschen Torhüter Bernd „Bert“ Trautmann, der im England der 1940er- und 50er-Jahre vom Kriegsgefangenen zum Idol wurde, war auch der erste auf Englisch gedrehte Film des Erfolgsduos. „Rosi hat bislang nur bayerische Filme gedreht, Hochdeutsch hat er übersprungen und lieber gleich ein englischsprachiges Drehbuch umgesetzt“, scherzte Marciniak, der zusammen mit Regina-Chefin Doris Lerchl-Goldermann in Regensburg studiert hatte, beim Filmgespräch.

Aus erster Hand

Die Gäste waren nicht nur von dem 120-minütigen Film begeistert, sondern erhielten als Nachschlag noch eine Stunde Informationen aus erster Hand. So verriet Rosi, dass an zwei Dritteln der 45 Drehtage in Bayern und nicht in Großbritannien gedreht worden sei. „Den Zuschauern bei einem Testscreening in London ist das aber nicht aufgefallen, deshalb bin ich schon stolz auf das Szenenbild, an dem ja auch meine Frau beteiligt war.“

Für einen der wichtigsten Schauplätze im Film – den Kramerladen der Familie Friar nebst Innenhof und Wohnhaus – hatten sich der Regisseur und sein Team fünf Tage vergeblich in Nordirland umgesehen, nur um dann von der Haustüre im Glockenbach-Viertel in München fündig zu werden. Im Film hatten die Friars den ehemaligen Soldaten und Kriegsgefangenen Bernd „Bert“ Trautmann aufgenommen. Jack Friar, Trainer des abstiegsgefährdeten Provinzclubs St. Helens Town AFC, verpflichtete den talentierten Torwart für sein Team und ebnete damit die spätere Profikarriere Trautmanns bei Manchester City.

Dort mauserte sich der Deutsche Schlussmann von einer Persona non grata, gegen dessen Aufstellung damals 20 000 Fans auf die Barrikaden gingen, zum absoluten Publikumsliebling. Legendenstatus erreichte Trautmann im Finale des FA-Cups 1964, als er nach einem schweren Zusammenprall trotz großer Schmerzen durchhielt und seinem Team so den Pokalgewinn sicherte. Drei Tage später ergaben Untersuchungen, dass sich „Traut the Kraut“ das Genick gebrochen hatte und der Unfall hätte

tödlich enden können.

Bewegendes Treffen

Die Erzählungen seines Freundes Robert Marciniak über diesen Teufelskerl hatten Rosi dazu inspiriert, einen Film über den Fußballhelden zu drehen. „Elf Jahre, die intensiv und manchmal auch schwierig waren, später sind wir glücklich und stolz auf das Ergebnis“, so Marciniak. „Wir hatten 2010 das große Glück, Bert Trautmann in seiner späteren Wahlheimat im spanischen Valencia eine Woche lang besuchen zu dürfen“, erinnert sich der Regisseur an die prägende Begegnung. Trautmann, der 2013 im Alter von fast 90 Jahren starb, sei es wichtig gewesen, nicht nur auf dieses eine Spiel reduziert zu werden.

Das von der Deutschen Film- und Medienbewertung mit „Prädikat besonders wertvoll“ ausgezeichnete Ergebnis hätte Bert Trautmann sicher gefallen: David Kross, der sich für die deutsche Fassung selbst synchronisierte, spielt den Torhüter sehr glaubhaft und im Cast sind mit dem glühenden „ManCity“-Fan John Henshaw etliche Hochkaräter.

Die Reaktionen des englischen Publikums erlebt Marcus H. Rosenmüller nächste Woche bei der Premiere in Trautmanns Wahlheimat. „Der Film wird auch in China, Japan und Australien zu sehen sein – das ist für uns eine neue Erfahrung. Trotzdem sind wir natürlich in diesem wunderschönen Kino am allerliebsten“, adelte Rosi sein Stammkino in Regensburg.