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Titelfoto: Stina Walterbach
11. Mai 2018

Entgiftung für den Kopf

Fasten? Frühjahrsdiät? Nein, danke! Allerdings spricht nichts gegen eine Verjüngungskur mit Tee und ayurvedischen Gewürzen, dachte sich Redakteurin Barbara Simon und startete den Selbstversuch.

Nicht aufgeben lautet die Devise beim Entgiftungsexperiment unserer Redakteurin Barbara Simon. Für die innere Ruhe wirkt eine kleine Meditation im Garten dabei wahre Wunder.Stina Walterbach

Regensburg. Ich hätte es wissen müssen: Meine „Mehr hilft mehr!“-Einstellung ist wieder mal nach hinten losgegangen. Selbst etwas so Hochgelobtes und Gesundes wie Ingwer entpuppt sich plötzlich als Gegenspieler. Die tägliche Ingwerration im Gemüsesaft optimiert nicht wie erhofft den Entgiftungseffekt, sondern führt bei mir nach einigen Tagen zu heftigen, morgendlichen Magen- und Bauchkrämpfen. Und tatsächlich ergibt die Internetrecherche: Auch Ingwer will wohl dosiert sein. Doch wieviel genau ist richtig? Und vor allem: Wieviel genau ist richtig für meinen Körper? Anleitung und Begleitung für meine inzwischen fast viermonatige Entgiftungskur ist der Ratgeber „Wie neugeboren durch modernes Ayurveda“ von Kulreet Chaudhary, erschienen im Riva-Verlag für 17,90 Euro. Die Autorin, eine US-amerikanische Neurologin und Ayurveda-Ärztin, gibt viele sehr nützliche und praxisnahe Tipps für die Umsetzung, vermittelt verständlich ein paar sehr interessante Basics zu den Abläufen im menschlichen Körper, erklärt die Wirkungsweisen der Heilkräuter und Gewürze, die meisten aus dem indischen Kulturkreis, und schwört ihre Leser auch vorsorglich auf mögliche Nebenwirkungen ein.

Immer öfter zeigt sich auch der Nachteil des Entgiftungsbuchprojekts: Ich kann Kulreet Chaudhary nicht in ihrer Praxis aufsuchen und im persönlichen Gespräch abklären, was es mit den verschiedenen Phänomenen auf sich hat, die sich bei mir Phase für Phase einstellen. Obwohl ich die vierte und letzte Phase ohnehin einige Wochen hinauszögere und mich wohlwissend an der unteren Skala der empfohlenen Dosierung orientiere, stellt sich bei mir keine Besserung von Kopfschmerzen und Schwindel ein, auch die Bauchschmerzen und die Hautirritationen nehmen wieder zu. Entgiftet mein Körper nur intensiver und länger? Läuft es noch im normalen Rahmen? Oder falle ich hier – wie so oft – aus dem Raster? Ist der Mittelweg, der sich – wie die Autorin schreibt, bei sehr vielen Patienten bewährt hat - wirklich auch für mich geeignet? Und bin ich noch auf dem Pfad zu mehr Gesundheit?

Aufgeben? Nicht mein Ding. E-Mail-Kontakt mit der Autorin? Umständlich, weil in Englisch und daher letztes Mittel der Wahl. Offensichtlich reicht manchmal der einfache medizinische Menschenverstand, denn der Tipp meines Hausarztes ist ebenso simpel wie effektiv: „Die Dosierung drosseln!“ Offensichtlich habe ich unterschätzt, welche Leistung die Organe während der Entgiftung bringen müssen, und habe meinem Körper zu wenig Ruhe gegönnt. Jetzt heißt es, die empfohlenen Pfade des Buches zu verlassen, die Mengen nach unten zu korrigieren und mich in Achtsamkeit für meinen Körper zu üben: Welche Dosis tut mir gut? Wieviel Gewürze vertragen ich und mein Magen? Sprich: Wieviel Ayurveda ist machbar in meinen durchaus stressigen und durchgetakteten Büroalltag?

Hier kommt mir das Programm der vierten Phase sehr entgegen: Denn jetzt geht es weniger um zusätzliche Gewürze, sondern um geistige Entgiftung und mehr Struktur im Tagesablauf, wovon ich mir etwas mehr Ruhe und Ordnung erhoffe. Das Thema Meditation ist für mich nicht neu, die 20-minütige Einheit ein überschaubarer Zeitraum, die tägliche Praxis dagegen schon eine organisatorische Herausforderung, an der ich bisher immer gescheitert bin. Ebenso wie das zeitige Zu-Bett-Gehen, feste Essenszeiten (vor allem am Wochenende schwer einzuhalten) und die Hauptmahlzeit in der Mittagszeit. Nach meinen jüngsten Erfahrungen versuche ich mich am „So oft wie möglich“-Prinzip und verbuche die 70- bis 80-prozentige Einhaltung des Programms als Erfolg.

Fazit: Wieviel Ayurveda macht in meinem Leben tatsächlich Sinn? Welche Behandlungen, Gewürze und Elemente möchte ich nach Ende der inzwischen über viermonatigen Entgiftungskur beibehalten? Fest steht, dass das Programm von Kulreet Chaudhary durchaus positive Effekte für meinen Alltag gebracht hat, die ich auch in Zukunft nicht missen möchte: Das abgekochte heiße Wasser, das ich seit Beginn der Kur immer in einer Thermoskanne griffbereit habe, den Tee mit der wärmenden Kreuzkümmel-Mischung, den frischen Gemüsesaft (wenn auch jetzt mit eher homöopathischen Dosen an Ingwer), die Trockenmassagen sowie das Plus an Ballaststoffen in Form von Flohsamenschalen. Auf alle Fälle habe ich vor, die Kur – wenn auch in abgemildeter und kürzerer Variante sowie eventuell mit einem Berater vor Ort – einmal im Jahr zu wiederholen. Beim nächsten Mal klappt es dann vielleicht auch mit dem erhofften Nebeneffekt einer Gewichtsabnahme!