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14. Juni 2019

Fantastisch real

Melanie Meier lässt in ihrem im Dezember erschienenen Roman „Ein Blick“ ganz reale Orte in Regensburg zum Schauplatz brutaler Gewaltverbrechen werden.

Melanie Meier lernt sich durch ihre Figuren auch immer wieder selbst kennen. Foto: Maria Stich

Regensburg. Eine Frauenleiche mit Folterwunden in Prüfening, eine Serienmörderin mit kannibalistischen Vorlieben, die aus dem Bezirkskrankenhaus ausbricht und ein Sonderermittler, der auf dem Campingplatz im Westen wohnt: Melanie Meier lässt in ihrem im Dezember erschienenen Roman „Ein Blick“ ganz reale Orte ihrer Heimatstadt zum Schauplatz brutaler – aber zum Glück fiktiver – Gewaltverbrechen werden. Dabei überschreitet sie nicht nur bei den Morden die Schwelle von der Realität zur Fiktion, sondern auch, was die Ermittlungsmethoden betrifft. So offenbaren sich bei der Hauptfigur, dem Ermittler Tizian Wolff, im Laufe der rund 300 Seiten übernatürliche Fähigkeiten, die ihm bei der Aufklärung des Falls helfen.

Wenn sie über ihre Figuren und ihre Bücher spricht, beginnen Melanie Meiers Augen zu leuchten. Denn auch, wenn sie ab und zu als Grafikerin arbeitet und als Ausgleich hier und da jobbt, ist sie mit Leib und Seele Schriftstellerin. Es ist ein für Autoren wohl typischer Werdegang: „Schon als kleines Kind habe ich mir Geschichten ausgedacht, in jeder freien Minute und in den Ferien habe ich geschrieben.“ Mit 13 hatte sie ihren ersten Roman fertig. „Den habe ich aber nur für mich geschrieben“, sagt Meier lächelnd.

Bis sie sich das erste Mal mit einer ihrer Geschichten an die breite Öffentlichkeit traute, sollten Jahre vergehen, in denen sie immer schrieb, das Genre immer Fantasy. Zunächst las sie ihren Freunden und Geschwistern ausgewählte Passagen vor. 2012 bat sie ihr literarisches Vorbild Juli Zeh aus einem Impuls heraus, ihren Roman zu lesen – und bekam unerwartet tatsächlich eine Antwort.

Von Zehs positivem Feedback ermutigt, veröffentlichte sie 2013 zum ersten Mal eines ihrer Bücher im Selbstverlag über Amazon, ebenfalls mit unerwartet großem Erfolg. In den letzten sechs Jahren brachte sie so rund zehn Bücher, darunter eine E-Book-Serie heraus. Ihre Romane bauen – abgesehen von einer Trilogie und einer Saga – nicht aufeinander auf.

Trotzdem stößt man darin immer wieder auf Parallelen, kleine Hinweise und vor allem auf wiederkehrende übernatürliche und philosophische Elemente. „Ich lerne sehr viel von meinen Figuren und wachse an ihnen. Manchmal haben sie lange vor mir wichtige Erkenntnisse“, erklärt Meier ihre ganz besondere Beziehung zum Schreiben.

Gerade deswegen braucht sie von Tizian Wolffs Welt jetzt erst einmal eine Pause – die menschlichen Abgründe seien ihr beim Schreiben nämlich sehr nahe gegangen.