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Titelfoto: Jochen Klenk
22. April 2018

Fußball als Parabel aufs Leben

Ein starkes Stück zur WM: „Der rote Löwe“ im Theater am Haidplatz.

Die Träume von Kidd, Jordan und Yates (v. li.) zerplatzen in „Der rote Löwe“.Jochen Klenk

Regensburg. In knapp zwei Monaten beginnt die WM. Dann werden wieder alle, also ausnahmslos alle, über Fußball reden. Wahre Kenner können das nur schwer ertragen, denn eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Fußball hat nichts mit dem oberflächlichen Plappern über Ergebnisse zu tun. Es steckt nämlich viel mehr in diesem Sport, manchmal kann Fußball sogar eine Parabel aufs Leben sein. In Patrick Marbers Drei-Mann-Stück „Der rote Löwe“, derzeit zu sehen im Theater am Haidplatz, kommt das sehr schön zum Ausdruck.

Anfangs wirken die drei Protagonisten sehr stereotyp. Kidd (Ferk Brockmeyer), der Trainer eines Vereins an der Schwelle zum Profitum, ist ein hyperehrgeiziges Großmaul, das mit allen Mitteln nach oben will. Seine desaströse finanzielle Lage und seine gerade kaputt gehende Familie blendet er dabei geflissentlich aus. Zeugwart Yates (Gerhard Hermann) war als Spieler der gefeierte Held des Klubs. Im fortgeschrittenen Alter halten ihn, sportlich wie privat gescheitert, nur noch die fußballromantischen Werte Kameradschaft, Fairness und Vereinstreue am Leben. Der Gegenentwurf zu diesem zwar irgendwie sympathischen, aber doch recht fertigen Duo scheint Jordan (Roman Mucha) zu sein. Der talentierte Kicker ist ehrgeizig, aber nicht moralisch verkommen, anständig, aber nicht naiv. Er vereint also offenbar die positiven Eigenschaften von Kidd und Yates in sich, deren Charaktermängel hat er auf den ersten Blick nicht.

So ist Jordan eine wahre Inspiration für den Trainer und den Zeugwart. Der eine will das Talent – und damit auch sich selbst – schnell in sportliche und finanzielle Höhen hieven, der andere will den jungen Wunderspieler lieber behutsam aufbauen. Jeder versucht in der Folge auf seine Art und ohne Einbeziehung des jeweils anderen, Jordan für sich zu gewinnen. Das Problem dabei: Auch Jordan ist nicht aufrichtig. Er hat ein kaputtes Knie, seine Schmerzen bekämpft er heimlich und illegal mit Anabolika-Spritzen. Er fliegt auf, als er während eines Probetrainings bei einem höherklassigen Verein eingehend untersucht wird. Und weil es für erwischte Doper und ihre vermeintlichen Mitwisser keine Gnade gibt, steht am Ende nicht nur für Jordan, sondern auch für Kidd und Yates das Aus. Alle drei haben verloren. Und alle drei sind selbst schuld daran, aber irgendwie auch zu bemitleiden.

Das gut unterhaltene Publikum geht nach – welch Zufall – ziemlich genau 90 Minuten mit der Erkenntnis aus dem Theater, dass sich im Fußball wie auch im restlichen Leben die meisten großen Träume nicht schnell und einfach verwirklichen lassen und dass mangelnde Aufrichtigkeit früher oder später zum Bumerang wird.

Eher beiläufig belächelt wurde der eingeflochtene lokalpolitische Bezug: Da erklärt der abgebrühte Kidd dem arglosen Yates, dass das alte Stadion mit der nach ihm benannten Tribüne bald abgerissen wird und „oben an der Autobahn“ ein neues errichtet wird. Der Vereinsmäzen hat nämlich lukrative Bauprojekte im Sinn und: „Er ist ein Freund des Bürgermeisters.“ Haha. Regensburgs Mega-Affäre beginnt also schon zur harmlosen Kunst zu werden.

Weitere Aufführungstermine von „Der rote Löwe“ sind der 19., 21., 27. und 30. April sowie der 2., 4., 5., 7. und 10. Mai, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Haidplatz.