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Jonathan Ederer
03. Dezember 2019

Groovy, melodisch und auf dem aufsteigenden Ast

Norman Czerny ist DJ in Regensburgs Elektroszene. Unter seinem Label „Gretchen will Tanzen“ hat er schon bei großen Musikfestivals aufgelegt.

Voll in seinem Element: DJ Norman Czerny (li). hinterm Mischpult in der Peter&Paul Wasch.BAR. Foto: Günter Staudinger

Regensburg. Wie steht es eigentlich um das Regensburger Partyvolk? Um das herauszufinden, haben wir uns DJ Norman Czerny geschnappt und mit ihm über „Zuckerbrot und Peitsche“, Regensburgs gediegene Elektroszene und die (Techno-)Hauptstadt Berlin gesprochen.

Hallo Norman, wie lange stehst du schon am Mischpult?

Ich habe schon 2015 mit einem anderen Projekt angefangen, aber das ist wieder auseinandergegangen. Seit diesem Jahr lege ich alleine auf.

Wie bist du dazu gekommen?

Das war ganz lustig. Ich habe damals schon die Musik sehr gefeiert und beim „Zuckerbrot und Peitsche“-Contest mitgemacht. Das heißt, mein erster Auftritt war dann gleich auf dem „Zuckerbrot und Peitsche“-Festival in Regensburg. So hat das dann alles angefangen – neue Leute kennengelernt, hier eine Connection, da eine Connection und dann legt man eigentlich auch schon voll auf.

Das „Zuckerbrot und Peitsche“-Festival ist ja das größte Elektrofestival Ostbayerns und deckt viele Genres ab. Wie würdest du deinen Musikstil bezeichnen und was macht ihn aus?

Tech House – eine Mischung aus Techno und House. Es ist einfach groovy. Der Groove bringt einen zum Tanzen und ist dazu noch sehr melodisch. Beim Tech House liegt das Hauptaugenmerk auf Percussion und ich bin echt ein Percussion-Fan, denn das macht dann den Groove aus. Die Musik ist dadurch nicht stumpf und immer gleich, sondern hat viele Variationen und ist angenehm anzuhören – auch privat.

Seit 2015 ist Norman Czerny als DJ in Regensburgs Elektroszene unterwegs. Foto: Jonathan Ederer

Legst du dir vor dem Auftritt ein Konzept zurecht oder machst du deine Musik ganz spontan?

Das ist alles live. Ich hol mir davor die Lieder, die ich gern spielen möchte und mache dann spontan, worauf ich Lust habe.

Hast du auch schon in anderen Städten aufgelegt?

Ja, ich habe vor drei Wochen in Berlin aufgelegt mit zwei Gigs an einem Abend. Das war echt krass.

Wäre Berlin dein Traum?

Spanien wär auch ok (lacht). Berlin ist natürlich die Techno-Stadt überhaupt und ja, wenn ich woandershin ziehen würde, dann auf jeden Fall an einen Ort, der mich musikalisch weiterbringt.

Bist du musikalisch aktuell mit Regensburg zufrieden?

Tech House und House ist in Regensburg und in Deutschland allgemein nicht so populär wie in anderen Ländern. In Deutschland ist einfach nur Techno angesagt und auch in Regensburg gehen die meisten Leute nur auf Techno weg – ich bewege mich also nicht unbedingt im Mainstream-Bereich.

Passt du dich manchmal an das Publikum an?

Zur späteren Stunde spiele ich dann schon mal Techno, aber es ist eigentlich nicht mein Sound. Ich werde ja dafür gebucht, dass ich meinen Sound spiele.

Würdest du sagen, dass deine Musik das angeknackste Image der Technoszene aufpoliert und den stereotypischen Vorwürfen wie Drogenkonsum entgegenwirken kann?

Meine Musik kann man auch ohne Drogen oder Alkohol anhören und Spaß dabei haben. Es ist viel Gesang und viel Melodie dabei. Es ist keine Musik für die späteren Stunden. In Berlin zum Beispiel habe ich von 8 Uhr morgens bis 14 Uhr am Nachmittag gespielt und bin gleich mit 130 BPM eingestiegen, was echt heftig ist und auch nicht so mein Ding. Berlin ist schon eine andere Liga, auch vom Lifestyle.

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About last night #clubschimmerlos #techhouse

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Bist du froh, dass da Regensburg etwas gediegener ist?

Ja, da bin ich tatsächlich froh, obwohl Regensburg schon fast zu gediegen ist. Mir fällt auf, dass die Leute nicht mehr so oft weggehen. Wir merken bei unseren eigenen Veranstaltungen in der WaschBar und in der Mälze, dass schon bei ein bisschen Nieselregen weniger Leute kommen, wobei es ja nicht einmal Open-Air-Veranstaltungen sind.

Wie ist dein Plan für die Zukunft?

Mein Ziel ist es, mich noch stärker auf meine Musik zu konzentrieren und ich denke, ich bin auf einem guten Weg. Zum Leben eines DJs gehört natürlich mehr dazu als nur die Musik und der coole Sound, weil mittlerweile jeder DJ ist und coolen Sound spielt. Man muss sich selbst gut vermarkten und wirklich eigene Musik produzieren, was ganz wichtig ist. Nächsten Monat bringe ich wieder drei neue Tracks raus.

Normans Czernys Musik könnt ihr auf Spotify oder soundcloud anhören und am 13. Dezember wird er wieder in der WaschBar auflegen.

Jonathan Ederer