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kult-Redaktion
09. August 2019

Große Bilder, keine Worte

Die Stummfilmwoche beschäftigt sich in diesem Jahr mit der jüdischen Geschichte.

Das Jewish Chamber Orchestra Munich gestaltet den Film „Das Alte Gesetz“ musikalisch. Er ist am Dienstag, 13. August um 20 Uhr in der Neupfarrkirche zu sehen. Foto: Ulf Büschleb

Regensburg. Von 13. bis 22. August weicht die Stummfilmwoche in ihrem 37. Jahr ausnahmsweise von ihrem traditionellen Konzept ab und gibt sich einen thematischen Schwerpunkt. Die Filmauswahl richtet sich am Jahresthema der Stadt Regensburg aus: „Stadt und Gesellschaft“, dessen historischer Anlass das Gedenken an die Vertreibung der Juden 1519 ist.

Aus den frühen 1920er-Jahren sind fünf hochkarätige Filmwerke erhalten, in denen sich führende europäische Filmemacher mit grundlegenden Fragen der Menschheit in Zeiten des Umbruchs auseinandersetzen, so auch dem Zusammenleben von Juden und Christen. Welche passenderen Orte gäbe es dafür als das Jüdische Gemeindezentrum und die Neupfarrkirche?

Die Eröffnung am 13. August bringt die Berlinale nach Regensburg: 2018 feierte „Das alte Gesetz“ dort Premiere, musikalisch gestaltet vom Jewish Chamber Orchestra Munich. In Regensburg in der Neupfarrkirche zu sehen. Die Vorstellung gibt einen authentischen Blick in ein Schtetl in Osteuropa um 1860.

Am 14. August treffen in „Nathan der Weise“ drei Weltreligionen aufeinander. Das Aljoscha Zimmermann Ensemble, Stammmusiker der Stummfilmwoche, begleiten das Publikum nach Jerusalem. Die letzte Vorstellung in der Neupfarrkirche ist am 15. August für „Die Gezeichneten“ reserviert. Der Film von 1922 zeichnet nach, wie schnell Vorurteile in einem Pogrom gipfeln können. Den Klassiker führt Nina Goslar von der Arte-Filmredaktion im ZDF ein. Rainer J. Hofmann hat Orgelmusik komponiert.

Die zweite Hälfte der Stummfilmwoche im Jüdischen Gemeindezentrum zeigt am 21. August, wie Utopia, „Die Stadt ohne Juden“, aussehen könnte. Der Roman und der Film spielen in den Zwanzigern, ihnen wird prophetische Weitsicht hinsichtlich der Geschehnisse im Dritten Reich zugeschrieben. Kurz nach der Premiere wurde der Autor des Buches von einem Nationalsozialisten erschossen. Vsevolod Pozdejev begleitet am Flügel diese Satire.

Der letzte Abend am 22. August gehört dem bekanntesten Film der Reihe: „Der Golem, und wie er in die Welt kam“. Der mystische Mann aus Lehm wird von Rabbi Loew im Prag des 16. Jahrhunderts zum Leben erweckt, um die jüdische Gemeinde zu beschützen.

Im Begleitprogramm gibt es einen Gottesdienst zum Thema „Film und Glaube“ am 18. August sowie eine Exkursion zur Ausstellung „Die Stadt ohne Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge“ am 25. August nach München. Die Ausstellung „VorBilder. Die Modernisierung des Frauenbildes in den Anfängen des Kinos“ von Cinescultura feiert bis 17. August die Frauen des frühen Films im DEZ.

Karten gibt’s in der Touristinfo, auf www.stummfilmwoche.de und an der Abendkasse.

kult-Redaktion