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Titelfoto: campre83 - AdobeStock
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29. März 2018

Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Sechs Wochen Verzicht liegen hinter uns. Das kult-Fastenexperiment ist vorbei. Ob wir bis zum Ende durchgehalten haben und ob wir jetzt für immer auf gewisse Dinge verzichten oder erstmal der Jojo-Effekt wartet, verraten wir euch in unserer Fastenbilanz.

Gott sei Dank, die Fastenzeit ist vorbei! Jetzt wird wieder geschlemmt und geshoppt was das Zeug hält.campre83 - AdobeStock

40 Tage ohne Süßigkeiten, ohne Plastik, ohne Lieferservice und Shopping – dafür mit vielen Entbehrungen und der Erkenntnis, ohne Cola Zero geht Stina gar nicht. Das Fastenexperiment der kult-Redaktion ist zu Ende. Ein letztes Mal ziehen wir Bilanz und verraten euch, worauf wir uns jetzt am meisten freuen.

Oxana: Plastikfrei

Sechs Wochen einkaufen ohne Plastik bedeuten längere Wege, mehr Zeitaufwand und weniger Spaß. Während ich anfangs noch verzweifelt nach Wattestäbchen ohne Plastik gesucht habe, musste ich am Ende einsehen, dass es ganz ohne Plastik in Regensburg leider nicht geht – zumindest wenn das Füllgut, die Mehrwegerei, geschlossen ist. Für den Einkauf haben mein Sohn und ich zum Beispiel Papiertüten für Obst und Gemüse mitgenommen, die Verkäufer haben sich zwar gewundert, aber manche hielten die Papiertüten bald für eine Neueinführung in ihrem Geschäft, von der sie nur noch nichts wussten. Am schwierigsten ist es, an Fleisch und Fisch ohne Plastikverpackung zu kommen: Die Verkäufer dürfen nichts in mitgebrachte Boxen über die Theke geben. Selbst an der Wursttheke sind die meisten Verpackungen mit einer Folie überzogen. Auch Kosmetika und Schokolade gibt es fast nur in Plastik, etwa 99,9 Prozent der Kekse und Süßigkeiten sind so verpackt. Die Sucherei nervt manchmal, spornt aber auch an, mehr plastikfreie Sachen zu finden. Nach drei Wochen habe ich Bio-Wattestäbchen gefunden! Alles in allem gibt es ohne Plastik deutlich weniger Auswahl, man kauft viel bewusster und nie spontan ein, was die höheren Kosten wieder ausgleicht. Statt mehrmals pro Woche habe ich einmal groß eingekauft. Und zwischendurch immer wieder gedacht: Wie ist es nur so weit gekommen, dass wir ohne Plastik nichts mehr verpacken können: Sind die Produzenten schuld oder wir Verbraucher?

Maria: Lieferdienstfasten

In der Fastenzeit habe ich dieses Jahr sowohl auf Lieferdienste als auch auf die To-go-Varianten von Imbissen verzichtet. Stattdessen wollte ich wieder mehr und frisch kochen. Denn: Es ist zwar unglaublich praktisch, bequem und lecker, wenn mir jemand mein Curry verzehrfertig bis an die Haustür trägt. Aber man produziert, wenn man oft bestellt, sehr viel Müll, es wird mit der Zeit echt teuer und ist nicht immer gesund. Gründe gibt es also genug – die Umsetzung fiel mir dann aber doch schwerer als gedacht. Zum einen waren da die Abende, an denen ich keine Zeit hatte einzukaufen und an denen nichts Brauchbares mehr im Kühlschrank war. Dann wurde ich mit einem improvisierten kalten Abendessen aus Nüssen und Müsli bestraft. Und bin hungrig eingeschlafen. Dazu kamen zwei Wochen, in denen ich für ein Seminar in München unterwegs war: Jeden Abend essen zu gehen, wäre zu teuer gewesen. Deswegen habe ich dort ein, zwei Mal mein Fasten gebrochen und ein sehr leckeres Kumpir gekauft (ja, das war es wert!). Insgesamt habe ich in den letzten vierzig Tagen trotzdem mehr – oft mit Freunden – gekocht und auch Neues ausprobiert. Sushi selbst zu machen ist zum Beispiel ziemlich easy und es hat mir sogar besser geschmeckt als das vom Lieferservice.

Stina: Keine Süßigkeiten und keine Cola Zero

Dass es so hart werden würde, hätte ich wirklich nicht gedacht. Dabei hatte ich mir doch eigentlich die leichteste und langweiligste Variante ausgesucht. Ich liebe Schokolade und leider habe ich dabei selten ein vernünftiges Maß. Darum war mein Gedanke: 40 Tage verzichten und danach nicht nur ein paar Kilos weniger haben, sondern auch mal wieder genießen können und nicht einfach immer alles sinnlos reinstopfen. Die Idee, auch Softdrinks miteinzubeziehen, hatte meine Kollegin Christina Ott, und das war wesentlich schwieriger als angenommen. Denn die Cola Zero ist quasi mein Kaffeeersatz. Während meine Kollegen locker ein bis zwei Tassen morgens brauchen, um in Fahrt zu kommen, trinke ich bis zu einem Liter Cola Zero am Tag, um mich wach zu halten. Ja, ich gebe zu, das ist nicht gerade wenig, ohne schaffe ich es aber abends oft nicht mehr auf die Events, die ich gerne besuchen möchte. Zweimal habe ich deswegen mein Fasten gebrochen. Denn einen Zwölfstundentag halte auch ich nicht ganz ohne Koffein durch. Die Schokolade dagegen habe ich fast gar nicht vermisst, dafür aber auch absolut nichts abgenommen. Mein Fazit: Ohne Cola Zero bin ich ab 16 Uhr todmüde und offensichtlich ist nicht die Schokolade das Problem in meiner Ernährung. Ostereiersuche ist also wieder drin.

Christina: Shoppingfrei

40 Tage ohne Shopping – ich konnte überhaupt nicht einschätzen, wie sehr mich das einschränken wird. Werde ich genau in diesem Zeitraum mein absolutes Lieblingsteil im Sale sehen? Bin ich spontan wo eingeladen, wofür ich ein spezielles Outfit brauche? Jetzt kann ich sagen: So schlimm war es wirklich nicht. Eigentlich hat es sich überhaupt nicht nach Verzicht angefühlt. Was auch daran liegen könnte, dass mein Kleiderschrank wirklich nicht leer ist und ich genügend Alternativen an Klamotten habe, die ich gerne anziehe. Ein bisschen auffällig fand ich, dass in der Zeit tatsächlich drei von meinen sonst echt treuen und robusten Paaren Schuhe kaputtgegangen sind. Tja, Versuchungen lauern überall, aber so schnell kriegt ihr mich nicht! Vermisst habe ich eher das Stöbern nach Sachen, während ich zum Beispiel ein bisschen Zeit überbrücken muss. Oder überhaupt mal irgendwo bei der Kälte in ein warmes Geschäft flüchten, wenn sich eine Verabredung verspätet. Ein-, zweimal war ich aus Neugier darauf, was der Frühling so bringt, dann doch mal in einem Klamottengeschäft. Und letztens auch mit einer Kollegin in einem Schuhgeschäft, weil sie Beratung wollte. Und prompt habe ich ein Paar Sneaker gesehen, das ich total gerne haben wollte. Aber die Woche halte ich auch noch aus! Was ich gelernt habe ist, dass ich mir in Zukunft besser überlege, was ich wirklich will und was nur unnötig Platz in meinem Kleiderschrank braucht. Ich habe sogar schon darüber nachgedacht, mir mal ein Limit von sagen wir mal zehn Teilen für das ganze Jahr zu setzen. Mal schauen, ob ich mich da rantraue!