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09. Oktober 2019

Ihre Majestät der Präsident

Das Theater Regensburg zeigt Elfriede Jelineks „Am Königsweg“.

Das Stück „Am Königsweg“ ist politisch und in seiner Darstellung unkonventionell. Foto: Jochen Quast.

Regensburg. Die meisten Theaterstücke versuchen, das Publikum möglichst gut abzuholen, das Gezeigte möglichst verständlich zu machen. Anders Elfriede Jelinek. Bereits 2017 konnte man bei der Inszenierung von „Die Winterreise“ in Regensburg erkennen, dass es der Nobelpreisträgerin nicht darum geht, gefällig zu sein. Jetzt zeigt das Theater Regensburg mit „Am Königsweg“ ein weiteres Stück Jelineks, in dem sie mit den aktuellen politischen Entwicklungen und indirekt auch mit Donald Trump abrechnet – die Autorin begann direkt am Abend seines Wahlsieges mit dem Schreiben. 2018 kürte die Fachzeitschrift „theater heute“ Jelineks wortgewandte Gesellschaftskritik zum „Stück des Jahres“.

In der Inszenierung von Stefan Otteni löst sich das ohnehin abstrakte Stück völlig aus jedem Genre und jeder Darstellungsform. Verena Maria Bauer, Inga Behring, Franziska Sörensen und Jonas Hackmann brillieren in ihren Rollen, die eigentlich keine Rollen, sondern nur Stimmen sind. Ein festes Bühnenbild ist quasi nicht existent, dafür entstehen vor den Augen des Publikums in diesem leeren Raum umso mehr Szenen: Mengen und Mengen an Büchern werden mit einer Schubkarre auf den Boden geschüttet, blaue Twittervögelchen fliegen durch die Luft, Ramsch wird mit ein bisschen Goldfarbe zur wertvollen Geldanlage und die Schauspieler brechen mehr als einmal mit Gewalt die dritte Wand zum Publikum.

Ihre Monologe, Dialoge, Sprech- und wortwörtlichen Gesänge schaukeln sich hoch, überschlagen sich, verstummen, brausen erneut auf. „Alles ist wahr, was gesagt wird. Das heißt, alles ist wahr und alles ist falsch“, sagt eine der Stimmen einmal. Das Volk hat gewählt, im nächsten Moment bereut es seine Wahl, im übernächsten strebt es wieder nach der Anerkennung des unsichtbaren, aber allgegenwärtigen Königs. Am Ende lässt es sich in unerträglicher Gleichmütigkeit von zwei Flüchtlingen einmauern und das Publikum allein zurück. Verwirrt, überfordert, ausgelaugt – also eigentlich genauso, wie wir uns beim Blick in die Nachrichten täglich fühlen.

Um das Stück voll und ganz genießen zu können, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, man liest sich vorab sehr gut ein, besorgt sich vielleicht sogar das Manuskript. Oder man akzeptiert, dass man unmöglich alles verstehen kann, lehnt sich zurück und genießt es, in diesen absurden, bitterbösen, bisweilen lustigen Strudel an Wortkaskaden und Liedern gezogen zu werden.

Alle Spieltermine und Tickets gibt es auf www.theater-regensburg.de.