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Titelfoto: Auremar – stock.adobe.com
28. Februar 2018

Illegales Glücksspiel

Vergiss Roulette, Poker oder Black Jack - Konrad Kaser hat Ärger mit der Justiz, weil er ein Watt-Turnier veranstaltet.

Beim privaten Karteln besteht keine Gefahr - als Turnierveranstalter müsst ihr aufpassen.Auremar – stock.adobe.com

Weit über zehn Jahre schon lädt Konrad Kaser jeweils einmal im Frühjahr und einmal im Herbst zu einem großen Watt-Turnier ins Lauber Sportheim ein. Das Turnier, das am Samstag ab 19.30 Uhr stattfindet, könnte allerdings das letzte sein – es hat dem Organisator nämlich eine Anzeige wegen Anwerbung und Durchführung eines illegalen Glücksspiels beschert, quasi als nachträgliches „Geschenk“ zu seinem 66. Geburtstag am vergangenen Mittwoch.

Als langjähriger Eisbären-Geschäftsführer und erfolgreicher Zeitarbeit-Unternehmer hat Kaser Zeit seines Arbeitslebens so manchen Strauß mit Behörden ausgefochten. Jetzt als Rentner ist es damit vorbei – dachte er eigentlich. Doch ausgerechnet seine große Leidenschaft, das Organisieren geselliger Zusammenkünfte, hat ihm jetzt den Status „Beschuldigter in einem Strafverfahren“ eingebrockt.

Nicht alle Karten auf dem Tisch

Der Grund: Watten gilt als illegales Glücksspiel, weil – wie auch beim Pokern und anders als beim Schafkopfen – nicht alle Karten ausgegeben werden. Nimmt jemand an einem Turnier wie dem in Laub Anstoß und erstattet Anzeige, setzt sich automatisch die Ermittlungsmaschinerie in Gang. So hatte Kaser in den letzten Tagen Kontakt mit der Polizeiinspektion Regenstauf, der Gemeinde Zeitlarn, dem Landratsamt, der Regierung der Oberpfalz und mit der Staatsanwaltschaft. „Und das alles nur, weil dich irgendein anonymer Stinkstiefel hinhängt“, ärgert er sich.

Juristisch angreifbar hat sich der passionierte Kartler dadurch gemacht, dass er mit Geldpreisen (200, 100 und 50 Euro für die drei besten Paare) sowie mit der Angabe „Einsatz neun Euro pro Person“ für das Turnier warb. So praktiziert er das zwar schon seit ewigen Zeiten, doch offenbar hat ihn bislang nur der Grundsatz „Wo kein Kläger, da kein Richter“ vor Ärger bewahrt. Inzwischen weiß er, dass er damit stets ein unerlaubtes öffentliches Glücksspiel veranstaltet und dafür geworben hat. Darauf stehen Geldbußen oder im krassesten Fall sogar Freiheitsstrafen.

Den Gang in den Knast konnte Kaser immerhin abwenden. Er hat das Turnier mittlerweile offiziell bei der Gemeinde Zeitlarn angemeldet und auch genehmigt bekommen. Das Startgeld musste er zudem zum Unkostenbeitrag umdeklarieren – und statt Geld gibt es nun eben nur Sachpreise. „Aber mit einer halben Sau oder auch einem Fernseher kann man heute doch niemand mehr locken, hat doch eh schon jeder zehn im Keller rumstehen“, grantelt Kaser.

Kulturgut in Gefahr?

Das Erfolgsmodell des Lauber Watt-Turniers, das jedes Mal um die 80 Kartler anlockt, sieht er jedenfalls in Gefahr: „Es ist doch furchtbar, was da in Bayern abläuft. Da setzt man sich für den Erhalt eines Kulturguts ein und sorgt dafür, dass viele Leute einen angenehmen Abend mit attraktiven Gewinnchancen haben. Und dann kommt sowas.“

Ab nächster Woche will der rüstige Rentner im Urlaub auf Teneriffa überlegen, wie es mit seinen Kartenspiel-Events weitergehen soll. „Vielleicht steige ich ja auf Schafkopfturniere um. Aber das können heute immer weniger spielen.“ Das wahrscheinlichere Szenario lautet: kein Turnier mehr in Laub und auch anderswo immer seltener. „Dann sitzen wir halt alle miteinander noch öfter auf der Couch und schauen uns Silbereisen und Fußball an.“