Intensives Kino für die Sinne

Der vielfach ausgezeichnete Spielfilm „Amer“ läuft parallel zu den Hauptstädten auch in Regensburg zum Deutschlandstart. Im Rahmen des HARD:LINE-Programms erwartet den Kinobesucher ein visueller Rausch!

Amer kommt mit dem Deutschlandstart auch nach Regensburg. Von Freitag, 17. bis Mittwoch 22. Februar ist der Streifen im Andreasstadel zu sehen.

Während in Berlin aktuell das größte nationale Filmfestival läuft, findet ein kleines Filmjuwel auch endlich Eingang ins reguläre Kinoprogramm. Bereits vor über zwei Jahren fertiggestellt, hat die französisch-belgische Produktion „Amer“ bereits unzählige internationale Auszeichnungen gewonnen und wird von renommierten Kritikern sogar als „fehlerlos“, „wahrhaftig“ und „Kultfilm“ bezeichnet.

Ana (entsprechend ihrer Lebensphasen gespielt von drei verschiedenen Schauspielerinnen) hat im Kindesalter ein verstörendes und zugleich auf ewig prägendes Erlebnis. In dem Haus ihrer Eltern findet sie in den Händen des verstorbenen Großvaters ein silberfarbenes Amulett. „Öffne es nicht!“, möchte man rufen – dass sie es dennoch tut, ist eine Regel der Kinoerzählung. Dass dies dann gewissermaßen das Tor zur Unterwelt (oder besser: Zwischenwelt) öffnet, ist die Konsequenz. Zuerst fühlt sie sich von Dämonen heimgesucht, doch erwartet den Zuschauer alles andere als billiger Horror. „Amer“ widmet sich vielmehr den „dunklen Seiten der menschlichen Träume“, so wie es auch im deutschen Zusatztitel steht.

Der Film ist definitiv kein Mainstream. Wer noch im aktuellen „Star Wars“-Fieber ist, könnte sich hier verloren fühlen. Dabei ist „Amer“ durch seine intensive Bildsprache – kaum ein Wort wird gewechselt – tatsächlich für manche visuell reizvoller als viele andere Filme. Wir sehen extreme Nahaufnahmen eines weiblichen Körpers, der sich, nur durch ein hauchzartes Kleid bedeckt, wie ein zerbrechlicher Zweig im Wind der mediterranen Küstenluft wiegt. Davor und danach die totale Umkehr: ein geräumiges Haus erstarrt in den Schatten unheilvoller Mächte. Der Giallo, ein Subgenre des italienischen Horrorkinos wird wiedergeboren.

Im Giallo ging es seit den 1970er Jahren immer auch um einen bis zum Schluss unbekannten Mörder, oftmals in schwarze Lederkleidung gehüllt und mit einem immer scharfen (Rasier-)Messer bewaffnet. Das besondere an „Amer“ ist, dass er über solche stilistischen Elemente weit hinausgeht. Der Film vermittelt seine Faszination vor allem durch die Gegensätze, die der Zuschauer nie erwartet und ihm eine im Kino leider immer seltener zu erlebende Spannung bereitet. Licht und Schatten, Gewalt und Zärtlichkeit – all das vermengt sich zu einem sprichwörtlichen Rausch der Sinne!

In den gerade mal sechs Tagen (Freitag, 17. bis Mittwoch, 22. Februar), die der Film vorerst im Andreasstadel als HARD:LINE-Special läuft, empfehlen wir ganz ausdrücklich einen Besuch – um der Faszination des Kinos willen, vielleicht oder gerade auch dann, wenn man glaubt, sie sei schon verschwunden.

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