Kaffekunst und Kunstkaffe

Bei „Espresso meets Engineering“ stellten Studenten der Hochschule Regensburg interessante Projekte vor.

Barista Michael Stefanek beim Kaffee zubereiten.

Der Veranstaltungsaal im Leeren Beutel war gut gefüllt, als Prof. Dr. Hermann Ketterl vom Lehrstuhl für Mess- und Regelungstechnik die Bühne betrat und einen ganz besonderen Gast ankündigte: Michael Stefanek, einer der Top-Barista aus Deutschland. Stefanek versteht sich selbst als (Kaffee-) Koch, der bestens über seine Produkte Bescheid wissen muss: Woher kommt Bohne, wie schmeckt sie, wie wurde sie geröstet?

Stefanek, der bei der Deutschen Barista-Meisterschaft 2011 den dritten Platz belegte, erklärte, was den Geschmack eines guten Espressos ausmacht. „Weil es ein Naturprodukt ist, variiert die einzelne Bohne immer im Geschmack, deshalb ist es immer eine Kaffeemischung, die wir zubereiten.“ Sie besteht aus den Sorten Robusta und Arabica, dazu kommt ein sogenannter Füller, der die Säure ausbalanciert. Von der Mischung zur gerösteten Bohne sei es ein „komplexer Schritt“, bei dem die Parameter Temperatur und Röstdauer die wichtigsten Faktoren sind, wobei chemische Reaktionen verschiedene Enzyme verändern, die den Geschmack beeinflussen.

Nach der kurzen, theoretischen Einführung in die weite Welt des Kaffees demonstrierte Stefanek seine Latte-Art-Künste. In Latte-Art, dem Zeichnen von Figuren in Milchschaum, belegte Stefanek bei der Deutschen Meisterschaft den zweiten Platz. Egal ob Schwein oder Schwan, Drache oder Herz, für den Top-Barista ist keine Figur zu schwer.

Der Schwerpunkt der Studenten der Hochschule Regensburg lag auf einem anderen Thema: Sie feilten an interessanten, innovativen Ideen rund um die Herstellung des perfekten Kaffees.

Die Gruppe um Student Thomas Guggeis hat ein System erstellt, in dem verschiedene Kaffeemaschinen via Internet einzeln ein- und ausschaltbar und auch überwachbar sind. Dazu benötigen sie eine sogenannte SPS (Speicherprogrammierbare Steuerung), die von einer Datenbank angesprochen werden kann und an sich angeschlossene Maschinen steuert. Über ein Webinterface ist die MySQL-Datenbank programmierbar und so auch für Techniklaien zu bedienen. Guggeis hat die SPS programmiert: „Ich bin schon relativ weit im Studium und sehr Software-affin, die Arbeit daran hat viel Spaß gemacht“.

Serienreife hat das System der Gruppe allerdings noch nicht: „Dazu hätten wir mehr Zeit für die Schnittstellen benötigt. Es funktioniert zwar, aber noch nicht reibungslos. Falls aber Interesse an unserem Projekt bestehen sollte, kann man das definitiv zu Ende bringen“, so Guggeis.

Andere Projektgruppen haben zum Beispiel eine halbautomatische Siebträgermaschine gebaut, die das Kaffeepulver automatisch dosiert und in den Siebträger presst. Auch das ist ein absolutes Novum in der Technik.

Prof. Ketterl ist mit den Projektgruppen sehr zufrieden und wünscht sich für die Zukunft vor allem eines: „Egal wo ich in Regensburg Kaffee trinken gehe, ich möchte einen leckeren Cappuccino haben“. Dazu möchte der Professor in Zukunft eine Barista-Schulung anbieten, Zielgruppe sind natürlich Stundeten, „weil die ja meistens in Cafés arbeiten“. Aber willkommen ist grundsätzlich jeder.

Zeitvertreib. | 11. Januar 2012

„Espresso meets Engineering“

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