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07. August 2018

Love me Tinder!

Jessica Goschala hat ihre Erfahrungen mit der Dating-Plattform in einem Buch verarbeitet. Am Donnerstag stellt sie es bei einer Lesung vor.

Jessica Goschala hat ein Buch über ihre Erfahrungen mit Tinder geschrieben. Foto: Lukas Pokorny

Regensburg. Es gibt viele Gründe, mit Tinder anzufangen: Einsamkeit, Lust, Langeweile oder auch Suche nach neuen Freunden. Für Jessica Goschala war es die Rückkehr nach Deutschland. 2014 kam sie nach einem Auslandssemester in Jordanien zurück nach Regensburg. „Ich hatte das Gefühl, diese App würde mir dabei helfen, schnell und unkompliziert jemand zu finden, der auf derselben Welle reitet wie ich“, schreibt die Autorin im Buch, „doch das dauerte ganze 50 Dates.“

Darüber hat die Regensburgerin ein Buch geschrieben, das es seit zwei Wochen bei Amazon und Epubli zu kaufen gibt. In „Tinder Liebe WTF: Wie Tinder meine Generation verändert“ erzählt die 29-Jährige die Geschichte einer Tinder-Userin, die auf der Suche nach der großen Liebe im Digitalen-Dating-Dschungel fast die Hoffnung in ihre Generation Y verliert. „Das Buch ist ein kleines Wunder, es war nie geplant. Ich hatte in zwei Jahren 50 Tinder-Dates und habe irgendwann angefangen, Tagebuch zu schreiben. Nicht über die Männer oder die Dates, sondern darüber, was diese App mit meiner Generation macht“, erklärt Goschala.

Sie ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin und hat in einer Digitalagentur gearbeitet, gerade macht sie eine Ausbildung zum Life Coach in Berlin. Die Dates selbst sind nur ein kleiner Teil des Buchs. Der Autorin geht es mehr um die andere Perspektive: Zu zeigen, was Tinder bei den Menschen anrichten kann.

Ihrer Meinung nach verändert Tinder das Denken der Jugend, weil dem Thema Dating eine ganz andere Bedeutung beigemessen werde. „Früher war es etwas Besonderes, jemand zu daten, den wir nur von Erzählungen kannten“, sagt Goschala. Heute wisse man durch die Selbstdarstellung in den sozialen Netzwerken ziemlich viel über die Person – bevor man sie überhaupt getroffen hat. Goschala kritisiert auch den Druck, der dadurch entsteht, immer neue Matches zu haben, keine Antworten zu bekommen und neue Kandidaten für Dates zu finden. „Verrückt, oder? Dass es eine App, die dir eigentlich helfen soll, ein passendes Gegenstück zu finden, schafft, dass du dich scheiße fühlst“, schreibt die Autorin im Buch. Sie glaubt auch, dass es den meisten Nutzern nicht um Sex-to-go oder eine ernsthafte Beziehung geht, sondern darum, das eigene Ego zu füttern.

Am Donnerstag, 9. August um 18.30 Uhr feiert Jessica Goschala im Café Malefiz die Release Party zu ihrem Buch: Nach einer kurzen Lesung kann man mit ihr auch über eigene Tinder-Erfahrungen diskutieren.