Mit Tradition zu neuem Schwung

Die Regensburger Warendult bietet wie jedes Jahr ein buntes Sammelsurium an alltäglichen und auch nicht so ganz alltäglichen Gegenständen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Seit Jahrzehnten können sich die Regensburger auf die Qualität auf der Warendult verlassen.

Jedes Jahr zur gleichen Zeit, nämlich im Frühjahr und am Ende des Sommers, beginnt Josef Zinnecker früh morgens seinen Stand auf der Regensburger Warendult aufzubauen. Zinnecker, der sich selbst lieber als „Socken-Sepp“ vorstellt, durchlebt dieses „Ritual“ wie er es nennt, schon sehr lange, denn er reist bereits seit gut 30 Jahren über die Jahrmärkte Süddeutschlands und verkauft seine Socken. Auch seine Nachbarn auf dem Dultgelände kennt er schon seit langem, denn Tradition ist ein großgeschriebenes Gut für alle Beteiligten, ob Händler oder Besucher.

Bei der Auswahl der Standbetreiber legt die Stadt Wert auf die Einzigartigkeit der Marktstände, die Vielfalt des Angebotes und die Warenqualität. Von hochwertigen Textilien über Haushaltswaren oder Blumen und Gewürzen kann jeder bei einem Bummel über die Warendult etwas finden. Besonderes Augenmerk wird dabei auch auf Waren gelegt, deren Herstellungskunst an Seltenheitswert gewinnt. Viele der Berufe, wie der des Besenbinders oder des Korbflechters, stehen vor dem Aussterben, deshalb ist es wichtig, dass es Plattformen wie die Regensburger Dult gibt, auf denen diese Raritäten an den Mann oder an die Frau gebracht werden können.

Während der Vergnügungsteil der Dult an einen jährlichen Wechsel der Attraktionen gebunden ist, um interessant zu bleiben und neue Reize zu schaffen, stützt sich das Konzept der Warendult eher auf das Gegenteilige. Gut 95 Prozent der Stände haben ihren Platz schon seit geraumer Zeit und so ist es nicht verwunderlich, dass sich zwischen den Betreibern Freundschaften entwickelt haben.

Wenn nachts die Lichter der Fahrgeschäfte erlöschen, verziehen sich der „Socken-Sepp“ und seine Frau in ihrem Wohnwagen, in dem sie jedes Jahr von April bis Dezember leben. Wer jetzt denkt, das sei hart; so ganz ohne richtiges Zuhause, sollte einen Blick in „Socken-Sepps“ Heim wagen. Von der voll ausgestatteten Küche, über die Waschmaschine bis hin zur Fußbodenheizung fehlt an nichts in seinem rollenden Heim. Und das macht sich auch an der Stimmung der Menschen bemerkbar. Mindestens zweimal die Woche treffen sich die Teilzeit-Nachbarn und gehen zusammen zum Fischessen und trinken die eine oder andere Maß Bier zusammen und wirken sehr glücklich mit ihrem Leben.

Nun wirkt dieses Bild der Warendult durchaus romantisiert dargestellt, doch gab es natürlich auch immer Höhen und Tiefen im Leben solcher Geschäftsleute. In der heutigen sehr schnelllebigen Zeit, in der man sich alles bequem und schnell per Knopfdruck ordern kann, noch dazu zu einem Preis, der unschlagbar scheint, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Organisatoren der Dult immer mal wieder den Kopf zerbrechen. Es geht um die Kontinuität ihres Marktes, die es gilt aufrecht zu erhalten, damit auch genug Kundschaft für die Händler angelockt werden kann.

Deshalb gibt es seit noch gar nicht so langer Zeit eine neue Werbegemeinschaft für die Dult. Sie hat bisher gute Arbeit geleistet. Mit Hilfe von Radio- und TV-Spots und weiterer einschlägiger Medienpräsenz kommt es inzwischen sogar zu einer jährlichen Steigerung der Besucherzahlen. Damit können die Standbetreiber nach jahrzehntelanger Besucher-Konstanz endlich auch freudig in die Zukunft der Regensburger Warendult blicken.

Mehr aus Zeitvertreib.

get social