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08. Februar 2019

Mörderischer Jugendwahn

Das Theater Regensburg beauftragte Gabriel Prokofiev mit einer Oper – und bekam ein herrliches, modernes Schauermärchen.

Elizabetta (Vera Semieniuk) lässt sich auf die mörderische Verjüngungskur, die ihr ihr Arzt und Stalker (Adam Kruzel) vorschlägt, ein. Foto: Jochen Quast

Regensburg. Blut, Sex, Hip-Hop-Tänzer, blinkende Kronleuchter, Elektroklänge, eindrucksvolle visuelle Effekte und ein moderner Komponist mit berühmtem Namen – „Elizabetta“ beweist: Oper kann aufregend, jung und cool sein. Gabriel Prokofiev hat im Auftrag des Theaters Regensburg seine erste Oper komponiert. Sein Thema: Schönheitswahn, historischer Horror und die Kluft zwischen unseren Luxusproblemen und dem Überlebenskampf in Afrika.

Anti-Aging-Horror

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Elizabetta (Vera Semieniuk), ein alternder Filmstar, der die Zeichen der Zeit aufhalten will. Doch Botox, Sport, und Dampfbäder scheinen nicht zu helfen. Als ein Arzt und bekennender Stalker (Adam Kruzel) ihr von einer uralten Methode erzählt, ist klar: Es wird Blut fließen. Und so verwandelt sich Elizabetta während ihre Tochter Anna (Sara-Maria Saalmannn) in Afrika gegen Seuchen und Armut kämpft, mehr und mehr in einen modernen Vampir und das Abbild ihrer Vorfahrin, der Blutgräfin Elisabeth Báthory, die der Legende nach unzählige junge Frauen ermordet haben soll, um in ihrem Blut zu baden.

Die Idee Prokofievs wurde in Zusammenarbeit mit dem Librettisten David Pountney zu einer teils düsteren, teils komisch-skurrilen Handlung, die wiederum durch Marcus Lobbes, verantwortlich für Regie und Bühne ein visuelles Spektakel für die Zuschauer wird. Mit dem Einsatz von Videosequenzen bekommt die Bühne ganz neue Ebenen und die Handlung schnell wechselnde Perspektiven.

Skurril und düster

Eine der besten Szenen spielt sich kurz vor der Pause ab: Elizabetta saugt mit einer Spritze die letzten Tropfen Blut aus dem bewusstlosen Flüchtlingsmädchen Upendo, während unheilvolle Musik und schwarz-weiße Videoinstallationen das blutige Bild in Szene setzen.

Musikalisch legt Gabriel Prokofiev – ein Enkel von Sergei Prokofiev – vielseitig los. Minimalistische Elektroklänge wechseln sich mit vollen, lauten Orchesterstücken im historischen Opernsinn und dann wieder afrikanischen Rhythmen ab. Harte Percussion trifft auf die tragenden Stimmen der herausragenden Solisten. Besonders Vera Semieniuk, die gefühlt im Dauereinsatz ist, gilt hier großer Applaus. Und auch der musikalische Leiter Chin-Chao Lin hatte mit seinem Orchester sicht- und hörbar Spaß an dem Projekt. In der zweiten Hälfte scheint die Experimentierfreudigkeit des Komponisten zwar etwas nachzulassen, trotzdem ist „Elizabetta“ von Anfang bis Ende ein kurzweiliges Stück und Erlebnis für Ohren und Augen.

Infos zu Aufführungsterminen und Tickets gibt es auf www.theater-regensburg.de.