„Nur oa Tor“

Die deutsche Nationalmannschaft ist kurz vor dem Finale der EM 2012 gescheitert.

Deutschland verliert gegen Italien. Da helfen auch die über dem Kopf zusammengeschlagenen Hände der deutschen Fans nichts.

Bei Spielanpfiff waren die Straßen der Regensburger Altstadt wie leer gefegt. Mit gemischten Gefühlen fieberten die Fans dem Halbfinale der diesjährigen Europameisterschaft entgegen. Kein Spiel bei einer Welt- oder Europameisterschaft konnte die deutsche Nationalmannschaft bisher gegen die Azzuri gewinnen. Die Fans hatten trotzdem auf einen Ausreißer in der Statistik gehofft.

Aber daraus wurde nichts. In der 20. Minute ging Italien durch Mario Balotelli in Führung. Ab diesem Zeitpunkt war es relativ still, die Gesichter wurden länger. Man hatte doch gehofft, es könnte anders kommen. Die DFB-Elf zog schließlich als einzige Mannschaft nach der Gruppenphase mit neun Punkten ins Viertelfinale ein. Und nun war das deutsche Team auf einmal im Rückstand. In ihrem fünften Spiel zum ersten Mal.

Die Fans fassten sich wieder und obwohl beim Public Viewing im Gloria die Luft stand, legten einige ihre Fächer aus der Hand und fingen vorsichtig an zu klatschen. Doch nicht lange, denn eine knappe Viertelstunde später traf Balotelli ein zweites Mal und die Gesichter wurden noch länger als sie eh schon waren. Nun ging es eher darum, dass die deutsche Mannschaft wenigstens noch bis zur Halbzeit ohne weiteren Gegentreffer durchhielt.

Während beim Domplatz schon die ersten italienischen Fans zu feiern anfingen, wurde in der Halbzeitpause die erste Spielhälfte von deutschen Fans in der Pause durchanalysiert. Man hoffte wohl auf ein Fußball-Wunder von Warschau.

Die Stimmung im Haus Heuport zur zweiten Spielhälfte war merklich gedrückt. Geklatscht wurde nicht, auch nicht gesungen, nur die Köpfe geschüttelt. Irgendwann ruft jemand: „Schießt"s doch oans. Nur oans. I mecht so gern a Tor sehn!“ Na gut: Özil verwandelte einen Elfmeter in der Nachspielzeit. Und mit Neuer versuchen in den letzten Sekunden elf Spieler noch einen zweiten Treffer zu landen. Ein kleiner dramatischer Sekundenkrimi und dann ist es offiziell: Die italienische Mannschaft steht im Finale der Europameisterschaft 2012. Das war das Aus für Jogis Jungs.

Und es war das Aus für die schwarz-rot-goldene Domplatz-Party, zumindest beinahe. Einige Fans der deutschen Nationalmannschaft blieben fair und feierten zusammen mit glücklichen Anhängern der italienischen Elf. Andere Träger von deutschen Trikots jedoch ließen ihrem Unmut freien Lauf, brüllten bedenkliche Parolen und wedelten mit ihrer Deutschlandfahne. Schade, dass so mancher selbsternannte Fan eine Niederlage nicht verkraften kann. Aber beim Fußball zählen nunmal die Tore, und wer die nicht schießt, der gewinnt auch kein Spiel.

Jean Paul Sartre sagte einmal: „Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich allerdings alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Für die deutsche Elf war es wohl zu kompliziert, aber das nächste Halbfinale kommt bestimmt.

Zeitvertreib.

EM 2012: Deutschland gegen Italien

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