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Sarah Sophie Ruppert
Titelfoto: Sarah Sophie Ruppert
30. Juni 2017

Schlammfarben war gestern

Johannes Gottl zieht mit seiner Angelmode nicht nur Hobbyfischer an Land. Der Look ist auch etwas für die Fashion Victims unter uns.

Der offensive Johannes „Joe“ Gottl: Definitiv nicht der typische Anglerkollege.Sarah Sophie Ruppert

Regensburg. Silurus glanis, der „Europäische Wels“, ist Namensgeber für den Onlineshop siluri.de des Schwabelweiser Originals Johannes „Joe“ Gottl. Joe verkauft Angelbekleidung. Wem jetzt hässliche, unförmige Latzhosen in dreckigbrauner Farbe in den Sinn kommen, der täuscht sich: Gottl hat einiges mehr auf Lager und macht die öde Altmännerkleidung zum hippen Alltagslook für alle. Wer aber jetzt denkt, es handle sich nur um ein paar schicke Klamotten zum Herzeigen, der liegt wieder völlig falsch. Die Kleidung ist durchaus für das Angelhobby zu gebrauchen.

Auf den Trichter kam er, als er 2009 für ein paar Freunde eine Angeltour ausrichtete. Joe, selbst leidenschaftlicher Waller-Fischer, sagt: „Angeln ist nichts für Langweiler.“ Um dem Angeltrip eine individuelle Note zu geben, designte er ein paar Shirts. Drauf zu sehen sind ein Totenkopf mit zwei Angelruten und der Schriftzug „fish or die“, was so viel bedeutet wie wie „angeln oder nichts“. Die Shirts kamen an. Der junge Wilde der Anglermode ist kein gewöhnlicher Typ. Man sieht ihn und merkt, da kommt noch mehr.

Sein Kopf arbeitet ständig: Design und Funktionalität seines Anglerdresses beherrschen seinen Geist. Dafür sitzt er gerne bis nachts an seinem PC, raucht eine nach der anderen und lässt seinen Mauszeiger über die Entwürfe schwirren. Denn erst wenn er zufrieden ist, kommt was Neues. Zum Beispiel ein Jumpsuit für lange, zapfige Angelnächte – Waller sind nachtaktiv. Die Knie und der hintere Teil, der mit einer Klappe ausgestattet ist, ist mit Softshell gepolstert und schützen so vor Nässe, wenn das Urtier aus dem Wasser gezogen wird.

Angeln kommt an. Junge Leute, die meinten, der Fisch komme aus der Kühltheke vom Supermarkt, begeben sich auf die raue See nach Norwegen und hieven verschiedenste Wasserbewohner an Land. Mit der coolen Funktionskleidung von Joe kein Problem. Heute kann er einiges an Output bieten. Vermutlich deswegen, weil er viel riskiert und einen starken Partner an seiner Seite hatte: Klaus Imberger, Drucker seines Vertrauens und guter Freund. Imberger setzte auf Gottl und sah anfangs erst mal kein Geld. Bei so viel Rückhalt blieb er Imberger treu. „Solange es Klaus gibt, drucke ich bei ihm.“

Manchmal hat Joe auch Bock, anderes zu designen. Kommt genau dann jemand mit einer guten Idee, sagt er nicht nein. „Wenn ich eine Herausforderung sehe, dann mache ich das auch.“ So schüttelt er mal fix einen neuen Überzug für ein Fischerboot aus dem Ärmel oder gestaltet ein närrisches Outfit für eine Piaggio Ape.

Für den chaotischen Gottl geht es auch bald wieder zum Fischen. Seine Leidenschaft gilt dem Waller. Mit einem Kumpel geht es zwei Wochen nach Italien. „Stress pur“, meint er. Viel Schlaf wird es nicht geben. Seine Passion beherrscht und fordert ihn. Privat wie beruflich. Mal sehen, ob er wieder mit neuen Ideen für uns zurückkommt.

Sarah Sophie Ruppert