Selbstgemachtes im Café

In der Vorlesung an der Uni, im Wartezimmer beim Arzt oder abends auf der Couch beim Fernsehen – die Stricknadel ist überall zu finden.

Die Zeiten, in denen Stricken nur was für Spießer war, sind vorbei.

Es ist noch gar nicht so lange her, da galt Stricken als ein klassischer Fall für die Oma. Auch bei Harry Potter ist der weihnachtliche Strickpulli von Mami für Ron Weasley der Inbegriff der Spießigkeit. Seit wenigen Jahren aber ist Stricken wieder voll im Trend. Voll dabei ist Sarah Wrobel.

Die 25-jährige Studentin der Sozialen Arbeit hat im Herbst 2011 das Strickcafé im W1 ins Leben gerufen. „Ich habe im W1 mein Praktikum angefangen und mir natürlich vorher schon so meine Gedanken gemacht, wie ich mich einbringen könnte. Weil ich von vielen gehört habe, sie würden gerne Stricken können, dachten wir uns dann, dass ein Strickcafé einen Versuch wert sein könnte“, erzählt die junge Studentin. Das Stricken hat Sarah von ihrer Mutter gelernt, heute gibt sie das Wissen weiter.

Im W1 sind auch Anfänger willkommen. Nadel, Wolle und Know-how ist genug vorhanden. Ein selbstgestrickter Schal sollte dann bald möglich sein. Aber es dauert: „Für einen Schal brauche ich so eineinhalb Tage rum“, meint die erfahrene Strickerin Sarah. Doch ganz harmlos ist die Sache nicht: „Ein Strickarm kommt schnell. Dann tun die Schultern ganz schön weh“, weiß Sarah. Und auch die Finger können nach einem langen Stricktag schmerzen.

Das Strick-Café, das immer donnerstags von 17 bis 22 Uhr stattfindet ist gut besucht. Überraschenderweise sind nicht nur Mädchen da, auch Jungs sind anzutreffen. „Die spielen dann meist Karten, müssen aber auch zur Anprobe herhalten oder die Wolle halten“, stellt die 25-Jährige klar. Auch sei Stricken keine Sache alternativer Jugendlicher oder Geistes- und Sozialwissenschaftlern: „Handgemachtes prinzipiell ist wieder im Kommen. Egal ob filzen, selbstgemachte Ohrringe, Taschen oder Selbstgestricktes. Es geht um Individualität und auch ein bisschen um den Erfolg, etwas selbst hergestellt zu haben“, weiß Sarah. Deswegen wird das Strick-Café auch umbenannt – weil eben nicht mehr nur gestrickt wird: es wird zum handmade-day. Alles was man mitbringen muss: Geduld. „Stricken ist super, man kann nebenbei zuhören, es geht leicht von der Hand und es ist nicht wirklich schwierig. Aber es dauert eben etwas, bis am Ende ein Socken fertig ist“ meint Sarah.

Zeitvertreib. | 17. Februar 2012

Stricken ist in.

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