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Titelfoto: Maria Stich
01. März 2018

Selbstschutz und Fitness

Beim Krav Maga holte sich unsere Redakteurin Christina wertvolle Tipps zum Thema Selbstverteidigung – und einen blauen Fleck.

Gegen Krav-Maga-Profi Sven Hoffmann hat kult-Redakteurin Christina Ott keine Chance.Maria Stich

„Und jetzt zweimal mit dem gestreckten Bein kräftig in die Minibar!“ Mit der Minibar meint Sven Hoffmann nicht den Kühlschrank eines Hotelzimmers. Er meint – liebe Männer, ihr müsst jetzt ganz, ganz stark sein – eure Weichteile. Autsch. Sogar als Frau kann ich mir vorstellen, dass sich das nicht besonders gut anfühlt. Soll es auch nicht, denn ich trainiere hier für eine Situation, in der mir jemand gegenübersteht, der mir etwas Böses antun will, eine Situation, in der mir kein anderer Ausweg bleibt, als die Selbstverteidigung. Ich teste heute: Krav Maga.

Im letzten Jahr hört und liest man immer häufiger diese zwei Wörter, die übersetzt etwa „Kontaktkampf“ heißen. Es handelt sich bei Krav Maga um ein Selbstverteidigungskonzept aus Israel, das heute aber auch bei uns bei Militär und Polizei gelehrt wird -- und eben auch zur privaten Selbstverteidigung praktiziert wird. Genaugenommen ist es nicht einmal ein Sport, aber das Training der verschiedenen Techniken führt unweigerlich auch zu einer besseren Fitness. Ich trainiere heute mit Sven Hoffmann, Trainer und Inhaber von Defense Instructors. Das Unternehmen hat seinen Sitz eigentlich im hessischen Bensheim, bietet aber an anderen Standorten Kurse an, darunter im Boxfit Regensburg. Auch ohne eine Mitgliedschaft kann man die Kurse mit einer extra Stempelkarte besuchen.

Wie man einen Messerstecher stoppt

Wir sind heute eine relativ kleine Gruppe von gerade mal sechs Leuten. Die Stunde beginnt mit einem Warm-up aus Laufen, Kniebeugen, Situps und Co. Danach lernen wir, wie man sich verhält, wenn man von einem Messerstecher angegriffen wird. Damit alles etwas authentischer wirkt, hat Sven sogar Messer dabei – stumpfe Übungsmesser natürlich. Das wichtigste vorweg: Wenn man noch weglaufen kann, dann lieber weglaufen. Wenn das nicht geht, kann man beim Krav Maga lernen, wie man eine Situation deeskalieren, sich im Notfall wirksam selbstverteidigen und einen bewaffneten Gegner sogar entwaffnen kann. „Mit der einen Hand stecht ihr dem Angreifer mit den Fingern in die Augen. Im besten Fall lässt er da schon aus Reflex das Messer fallen. Gleichzeitig stoppt ihr den bewaffneten Arm mit eurem anderen gestreckten Arm – nah am Handgelenk, damit er keine Bewegungsmöglichkeit mehr hat“, erklärt Sven. Wir trainieren in Zweierteams, die Augen unserer Partner verschonen wir, stattdessen bremsen wir ihn mit der flachen Hand gegen die Stirn.

Danach zeigt uns Sven ein paar Griffe und Tritte, mit der wir den Angreifer bewegungsunfähig machen und ihm starke Schmerzen zufügen können. Dazu gehören: Schlagen auf das Ohr und natürlich bei den Männern: das Treten in die Eier. Da ich nebenbei auch Thaiboxen betreibe, fällt es mir nicht schwer, auf meinen Gegner zuzugehen und mich mit vollem Körpereinsatz und viel Kraft zu wehren – theoretisch gut, praktisch aber schmerzhaft. „In den Fortgeschrittenen-Kursen tragen alle Schoner und Tiefschutz“, sagt Sven. In der Schnupperstunde aber nicht, deshalb fange ich mir als Souvenir gleich mal einen dicken, blauen Fleck an meinem Unterarm ein.

Orientierungslosigkeit und Stress beim Drill

Jede Trainingseinheit wird mit einem sogenannten „Drill“ abgeschlossen. Ich mache Burpees und drehe mich zehnmal um die eigene Achse, die Musik ist laut. So sollen Orientierungslosigkeit und Stress während eines echten Angriffs simuliert werden. Danach gehen die anderen Teilnehmer mit einem Schaumstoffkissen und den „Messern“ auf mich los. Das Adrenalin steigt. Ohne großes Nachdenken soll ich anwenden, was ich die Stunde lang gelernt habe. Ich trete und schlage, was das Zeug hält – allerdings eher unkoordiniert. Wie war das nochmal? Jetzt den Arm umschlingen und drehen? Oder doch erst ein Tritt in die Weichteile? Im Ernstfall hätte mich die Klinge längst verletzt. Schnell merke ich: Nur mit intensivem Training können Gehirn und Körper die Bewegungen so automatisieren, dass ich sie auch im Ernstfall sofort abrufen kann.

Fazit: Niemand wünscht sich, in eine Situation zu geraten, in der er selbst zum Opfer wird oder sich auch nur mit diesem Gedanken auseinander zu setzen. So geht es auch mir. Trotzdem kann man natürlich nicht ausschließen, dass so etwas mal passiert. Wer dann weiß, was er im Ernstfall tun muss, hat definitiv bessere Chancen, heil davon zu kommen. Beim Krav Maga geht es durchaus nicht zimperlich zu und man muss auch mal einen blauen Fleck einstecken können. Wer Kontaktsport mag, wird aber auf alle Fälle seinen Spaß dabei haben. Und noch dazu vielleicht ein besseres Gefühl, wenn er nachts alleine unterwegs ist.

Die Defense Instructors bieten derzeit jeden Montag um 19.45 Uhr und jeden Freitag um 19.30 Uhr Krav-Maga-Stunden im Boxfit an. Die Schnupperstunde ist gratis.