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10. Januar 2019

Tanz zwischen zwei Welten

„Die Herzogin von Chicago“ ist ein schillerndes Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Kulturen und Zeiten.

Sandor Boris (li.) kämpft auf verlorenem Posten. Gegen die funkelnde neue Welt mit großen Partys, schillernden Damen, Foxtrott, Cocktails und Co. kommt er nicht an. Oder will er sich ihr vielleicht gar nicht entziehen? Foto: Jochen Quast

Regensburg. Sandor Boris liebt die Musik. Die Klänge seiner Heimat Sylvarien bringen den Erbprinzen zum Tanzen: Wiener Walzer, Csárdás – was könnte es Schöneres geben? Wenn da nur nicht die Geldsorgen seines Landes wären ... Plötzlich schwappt sie rüber, die Welle aus Amerika und bringt den Dollar und ganz neue Töne mit: Foxtrott, Charleston und die schrille Milliardärstochter Mary Lloyd. Die will nicht nur das Schloss des Prinzen kaufen, sondern auch den Prinzen selbst. Doch nicht alles kann man mit Geld kaufen, selbst wenn man noch so sehr mit den Dollarscheinen winkt und Daddy große Reden schwingt.

Geliebter Gegensatz

Mit der Operette „Die Herzogin von Chicago“ zeigt das Musiktheater auf der Bühne am Bismarkplatz ein fulminantes Spektakel über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Tradition und Moderne, Walzer und Foxtrott, Heimat und Ferne, Amerika und Europa sowie Mann und Frau. Denn während man im fiktiven Sylvarien noch uniformiert und heimattreu die alten Lieder singt, wird in Amerika das Gefühl von Freiheit, Mode und exzessiven Partys zelebriert – ja, an Klischees wird in dieser Aufführung nicht gespart. Und trotz aller Differenzen und Spielchen entwickeln sich zwischen Sandor und Mary echte Gefühle.

Uraufgeführt wurde die Operette von Emmerich Kálmán 1928 in Wien. Kálmán stammt aus dem damaligen Wien-Ungarn, musste als jüdischer Komponist allerdings 1938 nach Paris und 1940 nach Amerika auswandern. Aron Stiehl, der in Regensburg auch schon das gefeierte Stück „Der Vetter aus Dingsda“ inszenierte, hat die Operette komplett neu interpretiert.

Damals und heute

Er stellt die Zerrissenheit San-dors zwischen Liebe zur Tradition und Neugier auf das Neue heraus und zeigt, wie schmerzhaft der scheinbare Verlust der Heimat ist. Zwar bleibt Stiehl thematisch in der damaligen Zeit – sonst müsste Mary wohl zu Elektromusik tanzen – , spickt das Stück aber doch mit dem ein oder anderen Promi unserer Zeit. Denn auch wenn mittlerweile Foxtrott und Charleston überholt sind, das Thema des Wandels und die Frage nach der Interpretation von Heimat ist ein überaus aktuelles Thema.

Herausragende Solisten, schillernde Kostüme, große Gesten, ein fantastischer Opernchor, schwungvolle Tänze, herrliche Klänge des Orchesters und mitreißende Melodien machen diese Operette wirklich zu einem Fest für die Sinne. Wer da nicht mit einem „Ein kleiner Slowfox mit Mary, bei Cocktail und Sherry ...“ auf den Lippen das Theater verlässt, war nicht dabei.

Weitere Infos, Aufführungstermine und Tickets gibt es auf www.theater-regensburg.de.