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23. August 2018

Trainieren wie Rocky

Boxen hat seinen Ruf vom schmuddeligen, brutalen Zweikampf längst abgelegt. Stattdessen nutzen immer mehr Leute das effektive Ganzkörpertraining, um sich fit zu halten.

In der Boxhalle hört alles auf das Kommando von Trainer Sascha Kuntsch.

„Fertigmachen… und Zeit!“ schallt es durch den Raum und augenblicklich hört man das monotone Klackern dutzender Seile auf dem Hallenboden. Hier hört alles auf Sascha Kuntschs Kommando. Er ist seit 2002 lizensierter Boxtrainer und trainiert im Boxfit sowohl die aktiven Kämpfer als auch die Fitnessboxer. „Das muss man klar unterscheiden“, sagt der 40-Jährige, der zusammen mit der Boxlegende Michael Kerscher Inhaber des Regensburger Studios ist. Denn von allem, die hier boxen, stehen viele niemals im Ring. Wollen sie auch nicht. Denn wie bei jeder Sportart gibt es auch hier viele, die sich einfach nur fit halten wollen. Und dafür ist Boxen ein idealer Sport. „Es ist ein ganzheitliches Training mit vielen Facetten. Sowohl Kraft, als auch Ausdauer und Koordination werden geschult“, sagt Sascha. Dabei werden die einzelnen Übungen in Intervallen von drei Minuten durchgeführt – so lange, wie auch eine Kampfrunde dauert.

„Mama, ich will boxen!“ Auch wenn heute im Sport die Geschlechtergleichberechtigung herrscht, mag so manche Mutter kurz schlucken, wenn ihre 15-jährige Tochter statt den Ballettschühchen lieber die Boxhandschuhe anziehen will. Denn irgendwo schlummern sie vielleicht noch, die Vorurteile gegen einen Sport, den viele mit Schwergewichtskämpfen, Veilchen und gebrochenen Nasen verbinden. Doch auch das hat sich stark geändert. „Früher wurde man in eine bestimmte Ecke gestellt“, weiß Sascha Kuntsch. Heute ist Boxen aber viel gesellschaftsfähiger. „Wir haben zum Beispiel auch Ärzte und Rechtsanwälte unter unseren Mitgliedern.“ Denn egal, was man ist oder woher man kommt, in der Box-Community ist das Familiengefühl besonders groß. Ein respektvoller und vorurteilsfreier Umgang gehört hier praktisch zur Ausbildung dazu. Der Trainingsaufbau für die regulären Fitnessboxer ist relativ gleich. Aufwärmen, meistens Seilspringen, eine Kraft- und Ausdauerübung, Boxschule (Technik) und Partnerübungen, zum Beispiel Sparring. Als Sparring bezeichnet man Übungskämpfe, bei denen man aber nicht mit voller Härte aufeinander losgeht. „Sparring kann man auch als Fitnessboxer machen, ist aber kein Muss“, erklärt Sascha. Beim Sparring ist immer ein Trainer dabei und, der aufpasst, dass sich keiner verletzt.

Geeignet ist das Boxtraining für jeden gesunden Menschen – egal wie alt, egal wie fit. Davon ist Sascha Kuntsch, der auch ausgebildeter Physiotherapeut ist, überzeugt. Vor allem beim Fitnessboxen sei das Verletzungsrisiko nicht höher als bei anderen Sportarten, im Gegenteil. „Schwere Verletzungen sind selten“, sagt er. Geschützt ist man durch die Bandagen, dicke Handschuhe und – beim Sparring – einen Mund- und Kopfschutz. Setzt man auf eine gute Ausrüstung und ein Gym mit erfahrenen Trainern, kann also fast nichts passieren. Außer natürlich, dass man nach ein paar Wochen bereits Fortschritte in Reaktion, Kondition, Kraft und besonders auch Selbstvertrauen bemerken wird.

Grundausstattung für Einsteiger

Boxhandschuhe: Boxhandschuhe werden nach Unzen kategorisiert. Je höher die Unzenzahl, desto schwerer ist der Handschuh und desto besser ist man selbst und der Gegner geschützt. Für Sparring werden mindestens 14 Unzen empfohlen. Das Material ist Kunststoff oder Leder. Weil Hände sehr unterschiedlich sind, rät der Profi zu einem Kauf mit Beratung. Gute Handschuhe bekommt man bereits für um die 50 Euro.

Bandagen: Sie werden eng um die Hände gewickelt, dienen der Stabilisierung von Gelenken und saugen den Schweiß auf. Außerdem sorgen sie für eine gute Passform im Handschuh. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen: unelastisch, halbelastisch und elastisch sowie in Größen zwischen 2,5 und 5 Metern. Für normales Training sind meist die kurzen ausreichend. Wer mehr Schutz will, wählt die längere Variante.

Seil: Ein Springseil gehört zur Grundausstattung. Seilspringen ist nämlich bei den meisten Boxschulen das obligatorische Aufwärmtraining. Meist springt man drei Runden zu je drei Minuten. Boxer haben eine spezielle Technik, bei der die tänzerische Beinarbeit trainiert wird.