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05. Oktober 2019

Unterhaltsamer Politthriller

Das Theater Regensburg bringt mit „Oslo – Mission für den Frieden“ ein wahres Meisterstück auf die Bühne.

Mona Juul (Katharina Solzbacher) und ihr Mann Terje Rød-Larsen (Gero Nievelstein) hoffen auf eine friedliche Einigung zwischen den verfeindeten Abgesandten aus Israel und Palästina. Foto: Jochen Quast

Regensburg. Am 13. September 1993 unterschreiben der Israelische Präsident, Jitzchak Rabin, und der Leiter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Jassir Arafat, im Garten des Weißen Hauses in Washington D. C. die „Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung“, allgemein auch unter „Oslo I“ bekannt. Ein historischer Moment, den es ohne ein norwegisches Ehepaar wohl so nicht gegeben hätte.

Ein besonderes Stück Geschichte

Im Verborgenen und ohne das Wissen der norwegischen und israelischen Regierung oder die Leitung der PLO miteinzubeziehen, fassen Mona Juul (Katharina Solzbacher) vom Norwegischen Außenministerium und ihr Mann Terje Rød-Larsen (Gero Nievelstein), ein Sozialwissenschaftler, den Plan, erstmals Israelis und Palästinenser an einen Tisch zu bringen. Ein Politthriller, wie er spannender nicht sein könnte, beginnt. Mit einem kleinen Unterschied, im Vergleich zu Serien wie House of Cards, wo es ähnlich fesselnd zugeht, ist diese Geschichte wirklich passiert.

Zwischen den Fronten: Terje Rød-Larsen (Gero Nievelstein) versucht zwischen Israel und der PLO zu vermitteln. Foto: Jochen Quast

Mit „Oslo – Mission für den Frieden“ ist J. T. Rogers ein Meisterwerk gelungen, das ein Stück Weltgeschichte in eine unterhaltsame Bühnenversion bringt. Ein Glück, dass sich Regensburg die Rechte für die erste Aufführung im deutschsprachigen Raum sichern konnte, aber auch eine echte Herausforderung für das Theater. Immerhin gilt es hier 21 Rollen zu besetzen. Und das bei nur 14 verfügbaren Schauspielern.

Ein vermeintliches Manko, das Klaus Kusenberg, der das Stück nach Regensburg geholt hat, in seiner Inszenierung durch das Einsetzen von absoluten Gegensätzen perfekt nutzt. So spielt Michael Haake den leicht fahrigen Wirtschaftswissenschaftler ebenso glaubhaft wie den strengen Israelischen Außenminister. Um die Charaktere voll und ganz in den Fokus zu stellen, verzichtet Klaus Kusenberg außerdem auf große Bühnenbilder. Alles ist schlicht gehalten, damit nichts vom eigentlichen Thema, den geheimen Friedensverhandlungen, ablenkt.

Schwere Kost brillant serviert

Alles etwas reduzierter als am Broadway, dafür brillant inszeniert, dank herausragender schauspielerischer Leistungen. In „Oslo – Mission für den Frieden“ wird viel geredet, es darf aber auch gelacht werden. Eine gute Mischung und ein spannendes Stück, das einer Serie auf Netflix und Co. in nichts nachsteht. Da vergehen selbst drei Stunden Geschichtsunterricht wie im Flug. Hochspannung ganz ohne viel Chichi, dafür mit einer Geschichte, die zeigt, dass Kommunikation damals wie heute alles ist. Wir können „Oslo – Mission für den Frieden“ nur wärmstens empfehlen. Sollte man mal gesehen haben, ist immerhin eine deutsche Premiere, die passender Weise auch noch direkt vor der Haustür gezeigt wird.

Alle Aufführungstermine und Tickets gibt’s auf www.theater-regensburg.de.