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17. August 2018

Urlaub hinter Klostermauern

Eine Auszeit im Kloster bietet stille Momente, Besinnung und Entspannung für die Seele – natürlich im Offlinemodus

Der perfekte Ort, um mal so richtig abzuschalten! Wir machen Urlaub im Kloster. Foto: Annette Schindler - stock.adobe.com

Regensburg. Aufstehen vor Sonnenaufgang, eine eng getaktete Tagesstruktur, stundenlanges Sitzen und Beten in der Stille, kein Smartphone oder Fernsehen, von sakraler Kunst abgesehen noch nicht einmal Sehenswürdigkeiten – das soll Urlaub sein? Tatsächlich suchen immer mehr Menschen für ein Wochenende oder ein paar freie Tage genau diese Ruhe und Abgeschiedenheit und entscheiden sich für eine Auszeit im Kloster. Und stellen fest: Manchmal ist weniger mehr. Der „Offline“-Modus in der Abgeschiedenheit der klösterlichen Mauern macht den Kopf frei und bietet die Chance, sich selbst zu begegnen und damit zurück zur eigenen Mitte zu finden. Spätestens seit Hape Kerkelings Pilgerbestseller ist die spirituelle Sinnsuche salonfähig geworden – und „Ich bin dann mal weg“ zum beliebten Urlaubsmantra. Mit „weg“ ist dabei nicht unbedingt der geografische Abstand zum Heimatort gemeint, vielmehr geht es um den bewussten Rückzug, das „Weg“ vom Lärm des Alltags und von der permanenten Reiz- und Informationsüberflutung, die unser modernes Leben prägen.

Über 250 Klöster in Deutschland haben sich inzwischen den ruhesuchenden, oft stressgeplagten Menschen geöffnet und bieten oft auch unterstützende Begleitung: In vielen Orden besteht die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum am klösterlichen Leben teilzunehmen, also „Kloster auf Zeit“. Vielerorts gibt es ein umfangreiches Seminarprogramm, das zur Auseinandersetzung mit spirituellen und religiösen Themen oder auch der eigenen Biografie einlädt. Gerade zu den kirchlichen Hochfesten wie Ostern und Weihnachten oder zu Silvester laden die klösterlichen Gemeinschaften ein, die Tage bewusst und aus einer vielleicht ungewohnten Perspektive zu erleben. Die klaren Strukturen und ritualisierten Abläufe – ob Architektur, Tagesablauf, Gebets- und Essenszeiten – folgen übrigens einer langen klösterlichen Tradition: Mit der Reduzierung auf das Wesentliche soll dem Geist möglichst wenig neues Futter für Überlegungen und Gedankenreisen gegeben und sich so auf die spirituellen Fragen des Lebens fokussiert werden. Ob man sich nun ins Gebet oder in die Meditation versenkt, über drängende Fragen des Lebens sinniert oder einfach nur der Stille oder dem Vogelgezwitscher lauscht, ist dem Klostergast selbst überlassen. Dass die bewusste Langeweile nicht nur entspannt, sondern auch den Geist und die Kreativität neu beflügelt, hat inzwischen sogar die Hirnforschung nachgewiesen. Und die Reise zu sich selbst kann mitunter ein echter Abenteuertrip sein.