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Titelfoto: Nadine Jungwirth
29. Oktober 2014

Verschenken statt entsorgen

Foodsharing ist ein Trend, der mittlerweile auch in Regensburg immer mehr Anhänger findet. Damit nicht alles, was im Handel und im heimischen Kühlschrank übrigbleibt in der Mülltonne landet, sind in Regensburg sogenannte Lebensmittelretter im Einsatz.

Getreu dem Motto „Nimm dir was” kann sich in der Wechselwelt in der Obermünsterstraße jeder nach Herzenslust bedienen.Nadine Jungwirth

Regensburg. Rund 836 000 Tonnen Lebensmittel landen Jahr für Jahr in bayerischen Mülltonnen. Eine Verschwendung, gegen die mittlerweile nicht mehr nur die Tafeln kämpfen. Auch bei Transition Regensburg setzen sich zahlreiche Mitglieder gegen die Wegwerfkultur ein. Eine von ihnen ist Julia Stierstorfer. Seit einem Dreivierteljahr ist die 25-jährige Sozialpädagogin als Lebensmittelretterin in Regensburg im Einsatz.

Und damit ist sie nicht allein. „Meine Schwester, die in München lebt, hat mich auf die Idee gebracht. Ich wollte das auch machen, habe in Regensburg nach ähnlichen Projekten gesucht und dann die Lebensmittelretter entdeckt”, erzählt Stiersdorfer. Seitdem ist sie mindestens einmal in der Woche im Dienst der Lebensmittelrettung unterwegs und holt Nahrungsmittel von regionalen Unternehmen ab, um sie dann in der Wechselwelt, dem Umsonstladen von Transition Regensburg, zu verschenken.

In den Körben der Lebensmittelretter landen vor allem Äpfel, Bananen, Zucchini und Salat - Essen, das nicht dem gängigen Schönheitsideal der Verbraucher entspricht oder einfach nicht mehr frisch genug aussieht. Schlecht sind die Sachen deshalb aber noch lange nicht. Und auch das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) ist nicht immer gleich das Verfallsdatum. So werden beispielsweise Milchprodukte sowie eingeschweißte Käse- und Wurstwaren im Handel nach Ablauf des MHD aussortiert und entsorgt, obwohl sie noch essbar sind.

Diese Erfahrung hat auch Isabell A. (Name von der Redaktion geändert) gemacht. Gemeinsam mit Bekannten holt die 51-Jährige Regensburgerin jede Woche Lebensmittel, die im Einzelhandel nicht mehr verkauft werden, ab und bringt sie ins Tierheim oder verschenkt sie an Freunde und Nachbarn. „Große Supermärkte sortieren teilweise täglich aus. Dabei weiß man nie, was man bekommt”, sagt sie. Ebenso wie Julia Stierstorfer will auch Isabell A. etwas gegen die Verschwendung von Nahrungsmittel tun. „Eigentlich hab ich das nur für mich und eine Freundin von mir gemacht, und jetzt kommen jede Woche mehr Leute, die sich etwas holen. Wenn eine Banane nicht schön genug ist oder ein Apfel eine faule Stelle hat, wird das sofort entsorgt. Ich finde es schlimm, wenn so viel weggeschmissen wird“, sagt die 51-Jährige.

Offiziell geben Lebensmittelmärkte ihre Ware nur an Vereine oder gemeinnützige Organisationen ab. Das bestätigt auch Alnatura-Pressesprecherin Stefanie Neumann. Der Biomarkt, ist einer von mehreren Supermärkten in Regensburg, die ihre nichtverkäuflichen Nahrungsmittel von den Lebensmittelrettern von Transition Regensburg abholen lassen.

Was die Frische und Genießbarkeit der geschenkten Waren angeht, setzten Stiersdorfer und ihre Mitstreiter auf ihr Gefühl. „Was wir noch essen würden, können wir auch guten Gewissens an andere abgeben”, sagt sie. Und auf dieses Qualitätssigel verlassen sich immer mehr Regensburger: „Wenn wir die Lebensmittel in die Wechselwelt bringen, sind die Sachen innerhalb von fünf Minuten weg”, erzählt die Sozialpädagogin.

Vor allem aber geht es Stierstorfer und den anderen darum, auch im eigenen Kühlschrank zu schauen, was man nicht mehr braucht, und es dann zu verschenken statt zu entsorgen. „Bei uns im Haus klappt das super. Es steht immer eine Kiste mit Marmelade, Äpfeln und Gemüse rum, und jeder kann sich nehmen, was er braucht”, sagt die 25-Jährige. Selbst aktiv werden lohnt sich also. Denn mitmachen kann wirklich jeder.