Voll auf Speed

Kinokritik: Neu-Superstar Ryan Gosling gibt Gas – im gerade anlaufenden Thriller-Drama „Drive“, einem Film, der seinesgleichen sucht.

"Drive" läuft ab 26. Januar in den Kinos.

„Drive“ ist in vielerlei Hinsicht ein Überraschungsfilm. Unkonventionell gedreht, über weite Strecken sehr ruhig – und dann, wie aus dem Nichts pumpt er dem Zuschauer durch den Sehnerv 100 Prozent Adrenalin ins Blut. Ryan Gosling, vielgelobter Charaktermime – zuletzt zu bewundern in George Clooneys „The Ides of March“ – spielt den namenlosen „Driver“, ein Mann der wenig spricht und wie mit eiserner Maske der brutalen Ungerechtigkeit der Welt ins Auge blickt. Tagsüber verdient er sein Geld als Stuntman für die Traumfabrik, nachts wird er zum selbstgewählten Kriminellen, indem er Einbrechern beim Transport hilft. Seine Berufung ist das Fahren, darin ist er ungeschlagener Meister.

Dann lernt der unterkühlte Einzelgänger die allein erziehende Irene (Carey Mulligan) kennen, deren Mann im Knast seine Strafe absitzt. Es sind nur wenige Szenen, die gewissermaßen die neue „Familie“ von Driver zeigen, harmonisches Glück spiegelt sich in stimulierenden Naturszenen – Wasser, Sonne und das Lachen des Kindes. Die restlichen 80 Minuten des Films sind dunkel, düster und stellenweise extrem brutal. Driver will der Familie von Irene helfen und plant gemeinsam mit ihrem verbrecherischen Mann einen Coup. Danach geht alles schief und der Kampf ums blanke Überleben beginnt.

 

„Drive“ wurde auf den letztjährigen Filmfestspielen in Cannes mit der goldenen Palme für die beste Regie (Nicolas Winding Refn) ausgezeichnet. In den USA und England schaffte es der Verleih schnell, einen Platz für diesen hochstilisierten Actionthriller zu finden, nun startet der Film endlich auch bei uns in den Kinos. Der Trailer und einige bisherige Meinungen könnten die meisten Kinogänger allerdings in die Irre führen. Der Film ist alles andere als massentauglich – und gerade deshalb auch so interessant. Refn verzichtet komplett auf hochtechnisierte, stereotype Verfolgungsjagden à la „Fast and Furious“ oder „James Bond“. Stattdessen rückt er den Großteil des Films die traurig-coole Mimik seines Hauptdarstellers ins Blickfeld, sein unterdrücktes Ringen mit Moral und Recht. Schließlich wird auch er zum Übeltäter, sodass sogar die überaus fiesen Bösewichte Angst bekommen – und wir auch.

Der Film ist eine gewalt(tät)ige Hommage an das Actionkino der 1980er Jahre. In dieser Zeit etablierten Regisseure wie Michael Mann („Der Einzelgänger“, „Miami Vice“) und Walter Hill („Driver“, „Nur 48 Stunden“) ultracooles, oft wortkarges Männerkino. Die meisten jener einsamen Protagonisten zeigten erst nachts ihr wahres Gesicht. So auch unser Driver. Seine silberfarbene Sportjacke trägt er wie eine zweite Haut, sein Auto ist seine Waffe und die neonbeleuchteten Straßen von L.A. sind sein Zuhause.

Mehr aus Zeitvertreib.

get social