Zurückhaltende Begeisterung

Mit einem 1:0-Sieg ist die deutsche Nationalmannschaft in die EM gestartet – die Begeisterung hat noch nicht das ganze Land ergriffen.

Mitfiebern ja, Fußballfieber nein. Regensburg muss sich in Sachen EM erst noch warmlaufen.

Die Fans tröpfeln in die Alte Mälzerei zum Public Viewing, kurz vor Anpfiff sind noch vereinzelt Plätze zu finden. Aber voll sind die drei Säle am Ende doch. Es gleicht eher einem gemütlichen Beisammensein, Spannung liegt nicht wirklich in der Luft. Kriegsbemalung ist bei vielen zu sehen, mit Fahnen und Trikots sind einige ausgerüstet.

Anpfiff. Nach einer Minute die erste Chance für Deutschland, ein kollektives „Aaahh“ geht durch den Saal. Nichts ist passiert. Alles ist ruhig, die Stimme des Kommentators ist gut zu hören. Im Stadion hält sich die Stimmung in Grenzen, in der Alten Mälzerei auch noch. Dann das böse Foul an Manuel Neuer, vereinzelt wütende Schreie aus dem Publikum. Als die Zeitlupe gezeigt wird fühlen die Fans die Schmerzen der deutschen Nummer Eins förmlich mit. Das Spiel ist taktisch hochwertig, was meist nichts anderes bedeutet als: es ist langweilig anzusehen (solange man kein Bundestrainer ist). Entsprechend hält sich die Begeisterung in Grenzen.

Kurz vor der Pause hat Pepe die Chance zu portugiesischen Führung, es fehlen nur Zentimeter. Ein kollektives „Ooohh“ macht die Runde. Pausenpfiff. Viel Gemurmel. Die Zuversicht hat einen deutlichen Dämpfer bekommen. „Gott sei Dank steht es noch 0:0“ ist zu hören.

Wiederanpfiff. Wieder hat Deutschland die erste Chance, wieder nichts. Mit der Zeit steigt die Nervosität – sowohl auf dem Platz als auch in der Alten Mälzerei. Die ersten Schwarzmaler sind zu vernehmen. Gomez trifft – Jubelstürme. 1:0. Aber die gute Stimmung hält nicht lange, die Portugiesen sind jetzt überlegen, haben drei, vier gute Chancen. Deutschland zittert sich zum Schlusspfiff – die Erleichterung ist groß. Jubel? Euphorie? Noch nicht viel zu spüren.

Am Domplatz hingegen feiern die Fans. Ein nicht enden zu wollender Autokorso zieht sich durch die Altstadt, jedes beflaggte Fahrzeug wird ausgiebig gefeiert, Geräusche hupender und trötender Gefährte schallen und echoen in den engen Gassen der Stadt. „Auf die Knie, auf die Knie“ – die Stimmung ist ausgelassen, als hätte Deutschland gerade das Halbfinale erreicht. Ja, die Fußballfans sind in Stimmung, das Fieber ist da. Nur die Begeisterung hat noch nicht alle erreicht. Aber sind wir ehrlich: weder bei der WM 2010 noch bei der EM 2008 liefen die Vorrunden anders. So richtig überzeugen konnte die Elf von Jogi Löw immer erst in der KO-Runde. „Turniermannschaft“ wird sie genannt, die deutsche Nationalmannschaft. „Turnierfans“ könnte man sie nennen, die deutschen Fans. Sie wird kommen, die Begeisterung. Immerhin geht’s am Mittwochabend gegen die Niederlande. Ein Sieg im Nachbarschaftsduell wird die Massen begeistern, aus Prinzip.

Zeitvertreib.

EM 2012: Deutschland gegen Portugal

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