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07. November 2019

Zwei Stunden Klartext aus dem Land des „Ou“

„Es geht dahi“ bei Eva Karl-Faltermeier. Ende Oktober feierte die 36-Jährige im Gasthof Zur Walba in Unterirading die Premiere ihres ersten Solo-Kabarettprogramms. Eine ungefilterte Gesellschaftskritik auf Oberpfälzisch.

Herrlich selbstironisch hält Eva Karl-Faltermeier in ihrer Kabarettpremiere von „Es Geht Dahi“ der Oberpfalz den Spiegel vor. Foto: Christof Schmeißer

Regensburg. Wir sind ja von Eva Karl-Faltermeier schon so einiges gewohnt. Via Instagram und auf diversen Poetry Slams und Pecha Kuchas hat sie uns schon an den kleinen und großen Tücken ihres Alltags teilhaben lassen, uns Gartentipps gegeben und sich über den herrschenden Perfektionswahn ausgelassen. Jetzt hat sie ihre Kräfte gebündelt und mithilfe von Freundin und Regisseurin Franziska Wanninger ihr erstes eigenes Solo-Kabarettprogramm auf die Beine gestellt.

Für die Premiere von „Es Geht Dahi“ geht’s aufs Land, wohin auch sonst. Zusammen mit ihrem Mann und den zwei Kindern kaufte sie vor ein paar Jahren selbst einen alten sanierungsbedürftigen Hof. Da liegt es nahe, auch ihrem neuesten Baby zwischen Feldern und Donau das Leben zu schenken.

Psychotherapie auf Oberpfälzisch

Auch an der Kastenzither macht die Kabarettistin eine gute Figur. Foto: Christof Schmeißer

Schon beim Reinkommen hat man diesen wohlig heimeligen Geruch von Kiefernholz, Bier und Braten in der Nase. Rund 170 Gäste hat Eva Karl-Faltermeier zur Premiere in den rund 150 Jahre alten, frisch sanierten Stadl vom Gasthof Zur Walba in Unterirading geladen. Familie, Freunde, Bekannte und sogar die Erzieherin aus dem Kindergarten ist gekommen. Gleich geht’s los und da wird selbst die bühnenerfahrene Kabarettistin zappelig. Ganz ohne Grund, wie sich kurz darauf herausstellt. Denn Karl-Faltermeier ist bestens vorbereitet. Mit der fiktiven Psychologin Frau Jannike an ihrer Seite führt die 36-Jährige mit Wortwitz, Charme und einer großen Portion Selbstironie durch ihr Leben und das ihrer Familie. Selbst ihr Mann habe sie nach eigener Aussage nur geheiratet, weil er früher immer dachte, sie meine das alles nur ironisch. Aber nicht nur ihr Göttergatte ist Teil des Programms, auch ihre Jugend in der Oberpfalz in den 1980er-Jahren, ihr Hausumbau und warum Abend-Shootings unmöglich sind, werden thematisiert. „Bei Abendrot san bei uns alle total latschert und fu vier Leid woana eigentlich immer zwoa, und des san ned immer die Kinder“, sinniert Karl-Faltermeier. „Und was fühlen sie jetzt?“, fragt Frau Jannike.

Nicht nur Gutes, denn in Karl-Faltermeiers Programm geht es auch um grenzwertige Alltagserlebnisse, wie Rassismus oder Diskriminierung. „Niemand kritisiert eine Frau stärker als eine andere Frau“, sagt die Kabarettistin und hat Recht. 100 Jahre Emanzipation und wir stehen uns immer noch am meisten selbst im Weg.

Zwischen Handwerkerwillkür und der Rushhour des Lebens

Wer jetzt aber an eine Geschichtsstunde oder gar an Belehrung denkt, irrt. Karl-Faltermeier steht nicht mit erhobenem Zeigefinger auf der Bühne, sondern als Frau zwischen 30 und 40, in der sogenannten Rushhour des Lebens und da bleibt einem manchmal nur der Humor, wenn sonst schon nichts funktioniert, wie es soll. „Der Fußboden ist jetzt Eiche geölt. Kiefer lackiert wollten wir, aber mei, de Handwerker muass gfalln!“ Verpasste Liebeschancen: „Wennst amal an Busen host, na glopfans fu alloa!“, sagt die Oma, „had ja koana wissen kinna, dass der nie kimmt“, sagt Karl-Faltermeier. Und warum eigentlich auf Hochzeiten gehen, wenn Beerdigungen doch viel besser zur derzeitigen Gemütsstimmung passen. Was bleibt ist das Allheilmittel ihrer Großmutter, die Frage: „Bist du bsuffa?“ Oder singe, wenn gar nichts mehr geht. Mit Kastenzither bewaffnet gibt Karl-Faltermeier auch musikalisch einiges zum Besten. Die Discoversion von „Bella Ciao“ ist zwar nicht dabei – Vorsicht Spoiler – dafür eine Parodie auf sich selbst zur Melodie von „Jenseits von Eden“. Mehr geht nicht.

Auf eine gelungene Premiere, Prost. Foto: Christof Schmeißer

Kurzum, „Es Geht Dahi“ bei Eva Karl-Faltermeier, und das auf eine äußerst lustige Art und Weise. Mit klugem Humor, der nicht nur die vermeintlich heile Welt von Insta-Mamis und Dorfkitas auf die Schippe nimmt, sondern auch Themen wie Tod, Klimawandel, Menschenrechte, Alltagsrassismus, Feminismus oder Depression thematisiert. Alles in allem eine rundum gelungene Premiere die wir wirklich jedem wärmstens empfehlen können. Alle Termine und noch mehr Infos gibt’s auf https://www.agentur-zweigold.de/eva-karl-faltermeier.