Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Andrea Deyerl
Titelfoto: Amancay Engelhardt
04. Oktober 2012

Ein Ossi dreht auf Bairisch

Der Kulturförderpreis geht dieses Jahr unter anderem an Erik Grun, den umtriebigen Filmemacher.

Der Filmemacher Erik Grun wird mit dem Kulturförderpreis 2012 ausgezeichnet.Amancay Engelhardt

Regensburg. . „Bayerischer Dickschädel“ heißt sein jüngster Film, der in diesen Tagen seine Premiere feiert. Der aus der ehemaligen DDR stammende Erik Grun drehte ihn in seiner Lieblingssprache: bairisch.

Auch „Ois anders“ ist auf bairisch. Der Film, der kurz vor der Premiere steht, ist der „erste Versuch einer richtigen Komödie“, wie der Filmemacher erklärt. Dennoch hat er eine Botschaft. „Wenn du ein ernstes Thema erzählen willst, musst du mit einer Komödie locken. Das ist zwar glashart, aber das ist so.“ Ein weiteres Projekt ist der Tanzfilm „Verloren in Dolores!“, der von den Tanztagen präsentiert und auch in deren Rahmen gezeigt wird. Erik Grun übernahm Regie und Drehbuch, Kamera führte Hubert Lankes, die Coproduktion übernahm die Alte Mälzerei. „In 60 Minuten wird da eine Geschichte erzählt. Nur mit Musik und durch die Kunst der Tänzer“, schwärmt Erik Grun, der „modernen Tanz liebt“.

Der Thüringer wird im November mit dem Kulturförderpreis geehrt. Der Stadtrat entschied, dass „seine kritisch-charmanten Komödien die Regensburger Kinoszene mit ausgezeichneter Unterhaltung bereichern“. Dotiert ist der Preis mit 1500 Euro, die Grun bereits verplant hat: „Ich möchte nächstes Jahr alle zwei Monate einen Film für 99 Euro machen.“ Probleme sieht er dabei keine. Seine bisherigen Filme bewegen sich bei einem Budget um die 1500 Euro, von dem die Kost für das Set bezahlt wird. „Gage hat noch nie einer gekriegt.“ Dass er trotzdem Film für Film seine Rollen besetzen kann, führt er auf zwei Gründe zurück: „Vielleicht träumen die alle vom Durchbruch.“ Geklappt hat das ja schon zweimal. Holger Wilhelm spielt inzwischen eine der Hauptrollen bei „Dahoam is dahoam“ und auch Julia Koschitz stand schon vor Gruns Kamera.

Der zweite Grund ist die Zeit. Grun dreht seine Filme in nur drei bis vier Tagen, die sich seine Wunschkandidaten gerne mal Zeit nehmen. „Vorbereitung ist alles.“ Es scheint, als würde Grun allerdings nicht auf den großen Durchbruch warten. Dafür versuche er es nicht radikal genug. „Mir macht es Spaß, über Dörfer zu fahren und in meinem imaginären Wanderkino Filme zu zeigen.“ Dabei ist ihm auch klar, dass die Zuschauer zwischen zwei und 300 schwanken können.

„Ois anders“ ist Erik Gruns 114. Film. Darauf ist er stolz. „Ich habe starke Ideen. Die Fantasie ist da“, sagt Grun, der zugibt, seine Begabung gefunden zu haben. Doch sofort kommt der bodenständige Krankenpfleger – Grun arbeitet halbtags am Uniklinikum – wieder durch: „Mir ist bewusst, dass die Quelle versiegen kann. Wieviele Filme noch kommen, weiß nur Gott.“ Außerdem ausgezeichnet wurde Prof. Dr. Josef Eckstein. Er ist neuer Träger der Albertus-Magnus-Medaille, mit der Persönlichkeiten, die sich als Wissenschaftler, Künstler oder Förderer der kulturellen Bestrebungen der Stadt besondere Verdienste erwarben, geehrt werden. Der Kulturpreis geht an den Musiker, Dozenten und Publizisten Gerwin „Geff“ Eisenhauser. Das Multitalent hat sich als Schlagzeuger, Perkussionist, Komponist, Dozent und Publizist den Ruf eines vielseitigen und herausragenden Kulturschaffenden erworben. Die beiden anderen Kulturförderpreise gingen neben Erik Grun an Schriftstellerin Angela Kreuz und den Verein Mischkultur e.V.

Andrea Deyerl