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Titelfoto: Stina Walterbach
22. November 2017

Der Rach der Oberpfalz

Nicolai Schweiger bietet Hilfe für Gastronomen, die nicht mehr weiter wissen.

Fachpersonalmangel und steigende Mietpreise – der Nittendorfer Gastrocoach will mit Schulungen alteingesessene Restaurants vor dem Aus bewahren.

Regensburg.Ähnlich wie in der bekannten Fernsehsendung „Rach, der Restauranttester“, in der Sternekoch Christian Rach Gastronomen, bei denen es nicht mehr so gut läuft, aus der Misere hilft, steht auch Nicolai Schweiger Restaurantbesitzern mit Rat und Tat zur Seite. Der größte Unterschied zwischen den beiden: Schweiger ist kein Koch, sondern gelernter Restaurantfachmann und studierender Betriebswirt für Ernährungs- und Versorgungsmanagement.

„Ich hab schon als Jugendlicher bei meinem Onkel im Restaurant mitgeholfen, erst als Tellerwäscher und später dann auch im Service“, so Schweiger. „Ich weiß, wie schwer es für Gastronomen in der Praxis ist, Fachpersonal zu finden.“ Mit seinem Start-up Gastrocoach Bayern will der 23-Jährige vor allem kleinen Restaurantbetreibern unter die Arme greifen – und das zum Teil sogar kostenlos. „Den Gastronomen, die mir am Herzen liegen, will ich einfach helfen“, sagt Schweiger.

Schulungsangebote gebe es zwar viele auf dem Markt, die meisten wären aber nicht von Gastronomen und damit nicht wirklich praxisorientiert, so der Coach.

Damit sich der Restaurantfachmann ein erstes Bild vom Betrieb machen kann, gibt es auch bei ihm – wie bei Rach – einen Undercover-Besuch. Dabei testet er vor allem die Abläufe im Service. Danach geht es für das gesamte Personal zur Schulung, bei der neben Teambuilding-Übungen und dem Einmaleins des Restaurants auch Beschwerdemanagement sowie Öffnungszeitenoptimierung und die richtige Sitzplatzauslastung wichtige Themen sind.

Bis die oftmals alteingesessenen Gastronomen aber um Hilfe bitten, ist es meist ein langer Weg: „Viele sind seit 20 bis 25 Jahren im Geschäft und wollen sich da auch nicht reinreden lassen“, sagt Schweiger. Trotzdem werde es gerade für die kleinen Restaurants in Regensburg immer schwieriger, gegen die große Konkurrenz und die Ketten zu bestehen. Die hätten nämlich schon lange die Zeichen der Zeit erkannt und ihre Abläufe angepasst. Gerade die Kosten seien neben dem Fachpersonal das größte Problem. „Viele rechnen immer noch mit Mischkalkulationen und wundern sich dann, wenn am Ende nichts übrig bleibt“, erklärt der Coach.

Derzeit arbeitet Schweiger übrigens im Hilton in Nürnberg und ist dort für das operative Geschäft zuständig. Davor war er lange bei Kreutzers in Regensburg beschäftigt, wo er auch heute noch manchmal aushilft. Man kenne sich in der Gastronomieszene und helfe sich gern, erzählt der 23-Jährige.

Damit sein Start-up läuft, berät und schult Schweiger unter anderem eine große Hotelkette in Österreich. Aber auch in der Oberpfalz haben sich schon einige Kollegen gemeldet, die seine Hilfe brauchen. Für das Rundum-Wohlfühlpaket stehen neben Schweiger noch zwei weitere Dozenten zur Verfügung, mit denen er jeden Bereich abdecken kann.

Mittlerweile ist er nicht mehr so oft wie früher im Restaurant seines Onkels in Wenzenbach zu Gast, aber wenn, dann immer mit ein paar neuen Ideen. Der Austausch sei wichtig, so der 23-Jährige.