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04. Dezember 2019

Hanf-Dealer im Obermünster

Mit Energieriegeln aus Hanfsamen trifft Hans Brainfood den Nerv der Zeit. Jetzt haben Matthias Coufal und Jakob Graf ein Büro im Herzen von Regensburg.

Matthias Coufal (li.) und Jakob Graf vor ihrem neuen Büro in der Obermünsterstraße Foto: Jonas Raab

Regensburg. Sommer 2018: Im beschaulichen Euernbach sorgt Bauer Josef Coufal mit einem zwei Hektar großen Feld für Aufsehen. Der Spaziergänger staunt, der Kriminalpolizist wundert sich: Wird hier tatsächlich Marihuana angebaut? „Ja, hier wächst Hanf“, stellen sowohl Laie als auch Fachmann damals fest.

Herbst 2019: In Regensburg floriert das Hanf-Geschäft. Sogar ein eigenes Büro haben sich die „Dealer“ mittlerweile angemietet. Mit illustrierten Hanfpflanzen im Schaufenster machen sie auch noch Werbung für ihre Ware. Gibt es einen Zusammenhang?

Ja, den gibt es. Betritt man das Büro, führt die Spur schnell zurück ins niederbayerische Euernbach, denn hinter dem Schaufenster in der Obermünsterstraße sitzt Matthias Coufal, Josefs Bruder. Gemeinsam mit seinen beiden Mitgründern Jakob Graf und Isabella Voit sowie fünf Angestellten verkauft er hier Hanf – völlig legal und ziemlich erfolgreich.

Hans Brainfood haben die Jungunternehmer ihr Projekt getauft. Unter dieser Firmierung verkaufen sie Energieriegel aus Hanfsamen – ausschließlich mit natürlichen Zutaten und weltweit einmalig, wie Jakob Graf sagt.

Hanf ist gesund

Die Hans-Idee entstand 2016 aus einer Marktlücke heraus. Weil nahezu alle Energieriegel allein auf die Steigerung der Fitness abzielen, Matthias Coufal aber auf der Suche nach einem Snack war, der die Gehirnleistung anregt, kam ihm das Superfood Hanf in den Sinn. Dessen Samen sind reich an Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Magnesium, B-Vitaminen und pflanzlichem Protein. Berauschend ist der Riegel natürlich nicht. Genauso wenig wie die Pflanzen, die in Euernbach wachsen. Dabei handelt es sich um Hanf der Sorte Finola. Sie enthält nur geringste Mengen des berauschenden Wirkstoffs THC und ist deshalb von der EU für den Anbau zugelassen. Nach ersten Backversuchen in der WG-Küche, der Gründung eines Start-ups, einer Crowdfunding-Kampagne und ersten regionalen Auszeichnungen folgte ein rasanter Aufstieg binnen weniger Monate. „In diesem Jahr hat sich brutal viel getan“, sagt Mitgründer Jakob Graf.

Im Januar gingen die Jungunternehmer mit ihren Riegeln in den Verkauf, im Februar wurden sie auf der Biofach, der Weltleitmesse für Biolebensmittel, mit dem Best New Product Award 2019 ausgezeichnet. „Dieser Preis hat uns einen richtigen Boost, vor allem im Biobereich gegeben“, erklärt Graf. Schon im April folgte der Good Food Award des Magazinverbunds „Men’s and Women’s Health“ und im August der Gründerpreis der Wirtschaftszeitung.

In über 250 Läden in Deutschland und Österreich gehen die Hans-Riegel mittlerweile über die Theke. Aus zwei Hektar Hanffeld sind 40 geworden, aus einem ambitionierten Projekt ein Vollzeitjob. Ihre alten Arbeitsstellen haben die drei Gründer längst gekündigt und sich seither im Home-Office um die Hans-Geschäfte gekümmert.

Hohe Ziele gesteckt

Mit dem Bezug einer eigenen Geschäftsstelle in der Obermünsterstraße kommt jetzt ein ereignisreiches Jahr zum Abschluss. Am Ziel sehen sich die Gründer aber noch lange nicht.

So wie es sich mit dem Tempo und dem Taschentuch verhält, so soll der Name Hans irgendwann einmal stellvertretend für Hanfprodukte stehen. „Wir wollen DIE Hanfmarke werden“, sagt Graf.