Logo Mittelbayerische.de
Portal auswählen »
Titelfoto: Greenpeace Magazin Edition / Photos by Enver Hirsch
04. Oktober 2020

Spontan vegan für zu Hause

Ein Dreivierteljahr, nachdem im Taracafé die Lichter ausgingen, meldet sich Estella Schweizer mit ihrem ersten eigenen Kochbuch zurück. Ehemalige Stammgäste dürfen sich auf liebgewonnene Gerichte und neue Ideen freuen.

Mit „Tu Was! spontan vegan“ erfüllt sich Estella Schweizer einen Traum und veröffentlicht ihr erstes eigenes Kochbuch. Foto:Greenpeace Magazin Edition / Photos by Enver Hirsch

Regensburg. Es war eines der wenigen veganen Cafés in Regensburg, das Taracafé am Brixner Hof 5. Knapp fünf Jahre lang war Estella Schweizer hier für Konzept, Speisekarte, Events und Mitarbeiterführung verantwortlich. Ein Traum- aber auch ein Knochenjob. Zum Jahresende 2019 hieß es dann „Das Taracafé sagt Goodbye“. „Ich bin gerade eher eine Aktivistin, die sich kreativ noch ausleben will“, sagte die 37-Jährige damals. Neun Monate später hat sich einiges getan. Ihr erstes Kochbuch „Tu Was! spontan vegan“ ist fertig, sie hat eine Kochsendung auf Instagram TV und arbeitet bei einem kleinen Freiburger Unternehmen im Marketing, Vertrieb sowie in der Produkt- und Rezeptentwicklung. Wir haben mit ihr über neue Projekte, ihre Lebenseinstellung und natürlich über ihr erstes Kochbuch gesprochen.

Noch vor ein paar Monaten warst du täglich im Taracafé, hast Kochkurse gegeben und schon damals für deinen Blog „Spontan vegan“ geschrieben. Was hat sich seitdem in deinem Leben getan?

Estella: Ursprünglich hatte ich geplant für 2020 eine Projektstelle bei Greenpeace in Hamburg anzunehmen und parallel als Rezeptentwicklerin in Freiburg zu arbeiten. Als im März deutschlandweit der Lockdown ausgerufen wurde, war ich gerade in mein WG-Zimmer in Freiburg gezogen. Gleichzeitig hat Greenpeace alle neuen Stellen auf Eis gelegt. Also habe ich die Möglichkeit genutzt und meine ganze Tatkraft in das Unternehmen in Freiburg investiert. Nebenher habe ich die „Greenkantine“ auf Instagram TV ins Leben gerufen – „Gemeinsam kochen im virtuellen Raum“. Zu Zeiten des Lockdowns eine der wenigen Möglichkeiten, mit anderen zusammen gemeinsam in der Küche zu stehen. Parallel dazu hat sich die Möglichkeit geboten mein Kochbuch „Tu Was! spontan vegan“ zu verlegen. Das sind die Dinge, die mich seither beschäftigen.

In deinem Kochbuch geht es um die vegane Küche, was verbindest du damit?

Estella: Ja, in meinem Buch geht es um die vegane Küche in allen Facetten. Das ist mein Leben – meine Berufung. Die Mission, die hinter pflanzlicher Ernährung steckt, wenn man diese ganzheitlich betrachtet, macht mein Leben aus. Der Schutz unserer Umwelt, Nachhaltigkeit, Ethik gegenüber Lebewesen, Ernährungsgerechtigkeit, der Klimawandel, die individuelle Gesundheit, Gesundheits-Prävention und Genesung, aber auch der weltweite Handel und faire Beziehungen.

Woher bekommst du die Inspiration zu deinen Rezepten und wie hast du die Auswahl für das Buch getroffen?

Estella: Zu meinen Rezepten inspiriert mich die Vielfalt der von der Natur bereit gestellten Lebensmittel. Ich liebe es, einfach meiner Intuition zu folgen. Klar blättere ich auch mal in Kochbüchern von Kollegen und schaue mir die Bilder an. Nach Rezept kochen haut aber eigentlich nie hin – ich verliere mittendrin immer den Faden und mach dann doch, was mir spontan zu den ausgewählten Zutaten einfällt. Die Auswahl der Rezepte im Kochbuch ist primär den vielen ehemaligen treuen Gästen aus dem Taracafé gewidmet. Viele der Gerichte haben sich meine Stammgäste gewünscht. Greenpeace hatte dann auch noch ein paar Wünsche und die Rezepte zur Verarbeitung von Nüssen widme ich meinem tollen Team von fairfood Freiburg.

Dürfen wir uns in Zukunft über mehr solcher Projekte von dir freuen?

Estella: Na klar! Die nächsten Projekte stehen schon in der Pipeline. Kommendes Frühjahr werde ich bei Sebastian Copien in der Vegan Masterclass eine Videoreihe zum glutenfreien Backen abdrehen und auch sonst schwirren einige Ideen in meinem Kopf herum, die ich verfolgen werde. Eines meiner Ziele für 2021 ist außerdem mit Gastronomen zusammen zu arbeiten, die sich Unterstützung wünschen, um ihr veganes Speiseangebot umfangreicher zu gestalten. Gerade in der Gastronomie fehlt den Köchen oft die Zeit, sich mit neuen Rezepturen und alternativen Möglichkeiten auseinander zu setzen. Genau da möchte ich mich einbringen und meine Expertise teilen.

Vielen Dank Estella für dieses nette Interview, möchtest du unseren Lesern zum Abschluss noch etwas mit auf den Weg geben?

Estella: Ja, zwei Dinge. Erstens in Bezug auf mein Buch: Es ist höchste Zeit, dass wir beginnen unsere Gewohnheiten zu überdenken. „Tu Was!“ Jeder kann sofort damit beginnen. Die Klimadebatte spitzt sich weiter zu und ich habe in den letzten Monaten viele Bücher gelesen, die sich mit der Evolution unserer Spezies beschäftigen. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir Menschen lernen in größeren Zusammenhängen zu denken und verstehen, wie wir uns verändern können, um uns nicht selbst auszulöschen.

Zweitens in Bezug auf meinen persönlichen Weg: Hätte mich das Leben nicht immer wieder dazu gebracht etwas loszulassen und etwas Neues zu beginnen, stünde ich heute nicht an dem Punkt, an dem ich stehe. Ich möchte allen Suchenden Mut zusprechen neue Wege zu wagen und sich auf unbekanntes Terrain zu wagen. Habt Vertrauen – es geht immer weiter. Erst wenn wir Türen schließen, können sich neue öffnen.