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11. September 2019

Wellness auf dem Teller

Die Seele baumeln lassen, entspannen und mit allen Sinnen genießen:

Zum Slow Food Konzept gehört, dass man die Menüs in einer stressfreien Atmosphäre langsam und bewusst genießt. Foto: Iryna - stock.adobe.com

Regensburg. Eine Auszeit vom Alltag bedeutet für viele Menschen auch, sich Zeit für gutes Essen zu nehmen: Dazu gehören Menüs, die aus hochwertigen Lebensmitteln hergestellt und von Spitzenköchen geschmackvoll zubereitet werden. Außerdem sollten die Inhaltsstoffe leicht, gesund und nährend sein und mit dem gewissen Etwas den Gaumen verwöhnen.

Zum vollen Genuss gehört auch, dass die Gerichte in einer stressfreien Atmosphäre serviert werden und ganz ohne schlechtes Gewissen verspeist werden können. Essen im Sinne von „Wellness von Innen“ also! Und genau diese Umsetzung des Slow Food-Gedankens gehört inzwischen zum Qualitätsmerkmal vieler Wellnesshotels.

Rückbesinnung ist das Merkmal

Die Idee des Slow Food geht dabei weit über die reine Achtsamkeit beim Essen hinaus: Sie besagt vielmehr, dass die Entschleunigung nicht nur am Tisch stattfindet, sondern bereits bei der Erzeugung der Lebensmittel beginnt, sich beim Einkauf der Zutaten sowie der Zubereitung der Gerichte fortsetzt und dann im bewussten Genuss gipfelt. Entstanden ist die Bewegung in den 1980er-Jahren in Rom – der italienische Publizist Carlo Petrini brachte sie als Protest gegen die globale Fast Food-Schwemme auf den Weg. Symbol und Logo der Slow Food-Idee wurde die Weinbergschnecke. Denn: „Qualität braucht Zeit“, lautet das Credo der immer größer werdenden Anhängerschar.

Die Zutaten wie Eier und Obst beziehen Köche für ihre Slow Food-Menüs direkt aus der Region. Foto: karepa - stock.adobe.com

Wellnesshotels greifen die Idee von Nachhaltigkeit, Ökologie und Qualität gerne auf – passt das Konzept der Entschleunigung und des sinnlichen Genusses doch perfekt zu deren Philosophie. Regionale sowie saisonale Zutaten und Gerichte werden in den Küchen der Spitzenköche wiederentdeckt und als Klassiker – neu interpretiert – auf die Speisekarten gesetzt: Für lange Zeit eher unpopuläres Gemüse wie Rote Beete, Steckrübe oder Grünkohl erlebt dadurch als Carpaccio oder leichtes Süppchen ein Comeback und wird zum Geschmackserlebnis. Fleisch und Fisch stammen in der Slow Food-Küche bevorzugt aus heimischer Aufzucht. Kräuter werden in den hauseigenen Gärten gepflückt, Käse- und Milchprodukte aus der Bio-Molkerei bezogen und Obst, Gemüse, Frühstücksbutter, Eier oder Milch liefern Bauern aus der Nachbarschaft. Für frisches Brot sorgt die Dorfbäckerei. Verantwortung und Genuss gehören also fest zusammen.

Die Qualität der Zutaten erschmecken

Bewusster Genuss im Sinne von Slow Food beinhaltet also mehr Dimensionen als nur das reine Geschmackserlebnis: Wer bewusst genießt, schmeckt die Qualität der Produkte, die Einzigartigkeit der regionalen Küche sowie die Originalität der Rezepte. Und wer weiß, vielleicht erinnert sich der ein oder andere dabei an altvertraute und geliebte Gerichte aus Omas Küche. Lustvolles Speisen kann also auch ein Gefühl von Geborgenheit oder Heimat vermitteln und die Seele berühren.

„Wie innen, so außen“, lautet eine Weisheit unter anderem in den östlichen Philosophien. Danach steht alles mit allem in Verbindung. So ist das sinnliche Menü am Ende eines entspannenden Tages auch eine Einladung, unsere Lebensmittel in ihrer Ganzheit zu (er)schmecken: Da geht es zum einen um das Säen in die Erde sowie um die Sonnenstrahlen und den Regen während des Reifeprozesses auf dem Feld, am Baum oder auf der Wiese. Zum anderen zählen aber auch die oft zeitintensive Arbeit der Erzeuger sowie die Sorgfalt beim Einkauf der Zutaten dazu. Als zusätzliche Faktoren spielen außerdem sowohl die Kunst der Verarbeitung durch den Koch als auch die Freundlichkeit des Kellners beim Servieren eine Rolle. Es geht also um Achtsamkeit und bewusstes Genießen – ein Konzept das im Urlaub besonders gut tut, aber auch für Erholungspausen in den Alltag integriert werden kann.