Das Urgestein des Ostentorkinos

Hans Geldhäuser sitzt seit über 30 Jahren an der Kasse im Ostentorkino; seit einigen Jahren ist er auch Teilhaber und Mitbetreiber des Regensburger Kult-Kinos. Unsere Autorin hat ihn getroffen und mit ihm über den Wandel der Kino-Kultur gesprochen.

Hans Geldhäuser an seinem täglichen Arbeitsplatz hinter der Kasse im Ostentorkino.

Was mittlerweile gern zum Motiv der typischen Instagram-Schnappschüsse geworden ist, gehört im Ostentorkino einfach aus Tradition noch dazu und lässt es so nostalgisch wie unprätentiös erscheinen: die Tafel, auf der seit Jahrzehnten die aktuellen Filme ganz analog mit einzelnen Buchstaben gesteckt angekündigt werden. Und noch etwas gehört bereits seit Jahrzehnten zum Ostentorkino wie die Tafel und sein handverlesenes Programm: Hans Geldhäuser. Er sitzt seit über 30 Jahren täglich an der Kasse in dem kleinen Kult-Kino und kümmert sich um das Abspielen der Filme und Werbeblöcke.

Eigentlich hat der mittlerweile 60-jährige Kino-Veteran Mathematik und Informatik an der Universität Regensburg studiert. Schon während seines Studiums hat er aber nebenbei immer im Ostentorkino gejobbt und dabei seine Liebe für die Filmbranche entdeckt. „Als ich dann mit meinem Studium fertig war, hat mich mein damaliger Chef gefragt, ob ich nicht weiter im Kino arbeiten will“, erinnert sich Geldhäuser. „Mir hat mein Job so viel Spaß gemacht und wir haben uns so gut verstanden, dass ich mich entschieden habe zu bleiben.“

2015 dann kam es zu einem Pächterwechsel, und kurzzeitig sah es so aus, als ob das Ostentorkino in die Annalen der Regensburger Kulturszene eingehen würde. Doch es kam anders: ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung, und auch dank einer Online-Petition mit über 15.000 Unterschriften entschloss sich Geldhäuser gemeinsam mit Medard Kammermeier, dem Betreiber der beiden Kinosäle im Andreasstadel, und dem Musiker Martin Haygis das Ostentorkino zu übernehmen. Seitdem versuchen sie mit einem Programm, das nach wie vor anspruchsvolle und individuelle Filmstreifen, aber auch Lesungen und Konzerte beinhaltet, dem Ostentorkino zu neuem Glanz und Zuschauern zu verhelfen.

Im Moment sind Geldhäuser und seine beiden Mitstreiter noch in der Findungsphase, verrät der Kino-Veteran: „Wir ziehen unser Konzept so jetzt seit zweieinhalb Jahren durch und hoffen darauf, dass es bald richtig angenommen wird.“ Dass das Kult-Kino nach wie vor ums Überleben kämpft, liegt nicht zuletzt an der Konkurrenz durch Cinemaxx, Netflix und Co. „Vor 30 Jahren gab es rund ums Kino einfach noch einen ganzen anderen Boom als jetzt“, sagt Geldhäuser. „Da waren wir noch eines der führenden Häuser in Regensburg, und jetzt müssen wir halt schauen, welche Filme nicht schon im Cinemaxx laufen und dann für uns übrigbleiben.“

Aber auch die Kino-Gewohnheiten des mehrheitlich studentisch geprägten Publikums hätten sich sehr verändert, beklagt er: „Die Studenten schauen jetzt lieber Serien als Filme. Da wird dann nur noch ins Kino gegangen, wenn das Ganze so richtig Event Charakter hat. Vor zwei Jahren haben mal Leute von der Uni einen Film, den wir gezeigt haben, in Facebook gepostet, und plötzlich standen 400 oder 500 Leute vor dem Kino.“

Früher hingegen sei regelmäßig eine lange Schlange an der Kasse gestanden und der Saal jeden Abend voll gewesen. Der falsche Film habe dann schon mal für richtig Wirbel sorgen können: „Wir haben viele Filme gespielt, die von anderen Kinos gemieden wurden, weil sie zum Beispiel als anrüchig galten“, sagt Geldhäuser. „Das kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, aber beispielsweise Die letzte Versuchung Christi von Martin Scorsese [aus dem Jahr 1988, Anm. d. Red.] hat damals für extremen Aufruhr gesorgt, da dachten wir wirklich, die zünden uns das Kino an, weil wir haufenweise Drohbriefe bekommen haben.“

Auch wenn es mittlerweile etwas ruhiger zugeht in dem Kino im Regensburger Osten, liebt Geldhäuser seinen Job noch immer. Er schätzt den Kontakt zu den jungen Leuten und die Freiheit, die die abendlichen Arbeitszeiten mit sich bringen. Sein Wunsch ist, dass die Regensburger in Zukunft das Kult-Kino mit integrierter Kneipe als Ort der Subkultur noch mehr zu schätzen lernen. „Wir haben uns hier über die Jahre gegen das ganze Neumoderne und die großen Konzerne gestemmt und sind dabei eine Art alternative Oase geblieben,“ sagt er. Bleibt zu hoffen, dass wir Regensburger ihm diesen Wunsch erfüllen.

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