Echo-Kontroverse hilft der Quote

Trotz heftiger Kritik an der Nominierung von Kollegah und Farid Bang: Die beiden Rapper erhielten am Donnerstagabend einen Echo für das beste Hip-Hop-Album. Im Internet reagieren viele Beobachter entsetzt.

Es hatte große Kritik an ihrer Nominierung gegeben, am Ende durften die Rapper Farid Bang (links) und Kollegah dennoch mit einem Echo nach Hause gehen.

Für ihre Nominierung hagelte es schon vorab heftige Kritik, sie traten trotzdem auf, und am Ende durften sie sich sogar zu den Gewinnern des Abends zählen: Die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang wurden beim Echo 2018 mit einem Preis für das beste HipHop-Album ausgezeichnet (daneben waren sie auch in der Kategorie „Album des Jahres“ nominiert) und durften am Ende auch ihren „Problem“-Song „0815“ live vortragen.

Zuvor hatte es bei der Veranstaltung, die VOX live im TV übertrug, einen kleinen Schlagabtausch zwischen Campino und dem Rapper-Duo gegeben. Der Sänger der Toten Hosen, die in der Kategorie „Rock National“ ausgezeichnet wurden, verlas auf der Bühne eine Stellungnahme zur Debatte um Kollegah und Farid Bang und erklärte mit Bezug auf den mutmaßlich antisemitisch angehauchten Titel „0815“, der die Zeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“ enthält: „Wir sollten keinen tieferen Sinn suchen, wo es keinen gibt.“ Kollegah und Farid Bang erklärten später, es sei „stillos“, sie an den Pranger zu stellen und gebühre „einem so großen Künstler wie Campino nicht“. Anschließend hielt Kollegah noch eine Zeichnung in die Höhe, auf der Campino mit Heiligenschein zu sehen war.

Im Netz äußerten im Anschluss an die Verleihung zahlreiche Menschen ihren Unmut über die Auszeichnung von Kollegah und Farid Bang. Bei Facebook kommentierte etwa ein User: „Zwei Klappspaten bekommen einen Echo, armes Deutschland.“ Ein anderer schrieb: „Früher gab es für solche Texte einen Durchmarsch auf den Index, heute einen Echo.“ In einem weiteren Post richtet sich die Kritik ebenfalls gegen die Veranstalter: „Liebes Team von #Echo2018 ... Ernsthaft? ... Diese 2 Schwachmaten noch auf der Bühne? Durch diese Niveaulosigkeit habt ihr Euch echt ein Eigentor geschossen ... Schade drum, nix mehr mit "niveauvolle Musikpreisverleihung".“

Für den Sender VOX zahlte sich der Dissens um die Auszeichnung der Rapper aus. Nach einer enttäuschend verlaufenen Premierenübertragung im vergangenen Jahr (1,28 Millionen TV-Zuschauer) verfolgten diesmal immerhin 1,79 Millionen Menschen das Live-Event im Fernsehen. 9 Prozent Marktanteil der Referenzgruppe der 14-59-jährigen Zuschauer verbuchte der Kölner Sender als „ausgezeichneten“ Erfolg.

Jenseits der Kontroverse um Kollegah und Farid Bang verlief die Echo-Verleihung indes ohne große Aufreger oder Überraschungen. Unter anderem gewann Ed Sheeran in den Kategorien „Album des Jahres“ („Divide“) und „Hit des Jahres“ („Perfect“), Mark Forster wurde in der Kategorie „Künstler Pop National“ ausgezeichnet, der Preis für „Künstlerin Pop National“ ging an Alice Merton („No Roots“), und Helene Fischer durfte wieder einen „Schlager“-Echo mit nach Hause nehmen.

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