Ein Volltreffer im Velodrom

„The Black Rider“ bietet genialischen Wahnsinn von William S. Burroughs und Tom Waits.

Dank der Zauberkugeln des teuflischen Stelzfuß (li.) wird der stümperhafte Wilhelm zum Meisterschützen – bis zum entscheidenden Schuss.

Dass es gefährlich wird, ist dem Publikum schon vor dem eigentlichen Beginn von „The Black Rider“ klar. Zu laut stampfender Diskomusik wird immer wieder „Danger“ beschworen, auf der Bühne des Velodroms steht das Wort in großen Lettern.

Klar, ein Pakt mit dem Teufel ist immer gefährlich. Und wenn der Deal daraus besteht, dass ein Jüngling mit zwei linken Händen und ohne jedes Talent im Umgang mit dem Gewehr plötzlich zum Meisterschützen wird, ist das böse Ende schon sehr bald absehbar. Schließlich wird irgendwann der Preis für die neue Fähigkeit fällig …

Aber daran denkt Wilhelm (Matthias Zera) am Anfang natürlich nicht. Er muss ein guter Schütze werden, um sein Käthchen (Verena Maria Bauer) heiraten zu können. Andernfalls ist diese an den von den Eltern favorisierten Jäger Robert verloren, den die Angebetete verächtlich als „Piece of Slime“ bezeichnet.

Also lässt sich Wilhelm mit Zauberkugeln vom teuflischen Stelzfuß (Sebastian M. Winkler) versorgen, mit denen er zunächst tatsächlich den gesamten Wald leer ballert. Das allerletzte Geschoss jedoch trifft in Käthchens Herz.

Mit dieser ebenso vorhersehbaren wie vordergründigen Tragik ist es freilich nicht getan. Nicht, wenn der Autor William S. Burroughs heißt. Diese Ikone der Beat Generation war zeitlebens ganz nah am Thema Drogen dran – er kannte ihre Verlockungen, den Rausch und das daraus resultierende Allmachtsgefühl, aber auch sämtliche Gefahren und das ganze Elend der Sucht. In „The Black Rider“ wird all dieser Wahnsinn durch die genialische Musik von Tom Waits transportiert.

„Life is a Killer“, lautet passend dazu eine weitere Botschaft im Bühnenbild. Tatsächlich ein Killer – im positiven Sinn – ist die in der Tiefe der Bühne platzierte Band, deren souveräne Darbietung von Waits’ Songs über vereinzelte Schwächen der Sänger hinwegsehen lässt und sicher auch dem Meister höchstpersönlich gefallen würde. Allein das schon macht „The Black Rider“ zu einem Volltreffer.

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