Schwer zu betrachten

Ein Raum voller Gesichter: Wer derzeit durch die städtische Galerie im Leeren Beutel schlendert, wird dabei gleich von 33 Augenpaaren beobachtet. Nackt, zumindest so der Eindruck, schauen die übergroßen Köpfe auf einen herab und suchen Blickkontakt.

33 Porträts bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten aus Sport, Politik, Wirtschaft und Kultur stehen zur Kontaktaufnahme bereit.

Das Projekt „koneX.“, das gerade in der städtische Galerie im Leeren Beutel zu sehen ist, zeigt 33 großformatige Porträts, deren Wirkung nicht nur fasziniert, sondern auch für beklemmende Gefühle sorgen kann.

„Wir haben Personen ausgewählt, die für unser Verständnis einen gewissen Ausdruck haben, sowohl im Gesicht als auch in der Stadtgesellschaft“, erklärt Künstler Alexander Rosol die Auswahl der Porträts. Gemeinsam mit dem Fotografen Christoph Gabler hat der gebürtige Regensburger die Ausstellung geplant und gestaltet. Nackt seien die Porträtierten beim Fotoshooting natürlich nicht gewesen, trotzdem sei das Fehlen von Kleidung auf den Bildern ein wichtiges Detail, um den Zweck des Projekts zu erfüllen. „Wir wollten, dass die Menschen die Porträts vorurteilsfrei und unvoreingenommen betrachten. Es geht darum, wie man Menschen begegnet; wie schätzt man sie ein und wie oft liegt man damit falsch“, sagt Rosol. Um den ersten Eindruck nicht zu verfälschen, gibt es auf den Bildern keine Kleidung, die zum Beispiel den Beruf oder Ähnliches verraten könnte.

Ein wichtiger Punkt in der Ausstellung – der direkte Blickkontakt. Foto: Stefan Effenhauser
 
Ein wichtiger Punkt in der Ausstellung – der direkte Blickkontakt. Foto: Stefan Effenhauser

Im Fokus der Ausstellung stehen 33 Regensburger, darunter prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport ebenso wie weniger bekannte Bürger, die gemeinsam einen Querschnitt durch die Stadtgesellschaft abbilden sollen. Jeder dieser „Charakterköpfe“ erzählt seine ganz eigene Geschichte und weckt verschiedene Emotionen beim Betrachter. So wie beispielsweise der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt, Joachim Wolbergs, der sogar einer der ersten war, der sich für das Projekt ablichten ließ. „Wir haben bereits 2015 mit den ersten Aufnahmen begonnen“, sagt Rosol, der jedem Porträt den künstlerischen Feinschliff gegeben hat. Original ist einzig die Augenpartie, der Rest wurde zum Teil stark oder zumindest leicht übermalt. „Wir wollten eine Annäherung zwischen Fotografie und Kunst schaffen“, erklärt der Künstler. Für den besonderen Blick der Porträtierten sorgt die offenblendige Aufnahmetechnik, die der Malerei sehr nahe kommt. So verschmelzen Malerei und Fotografie und der Betrachter kann durch den intensiven Blickkontakt in Korrespondenz zu Personen wie Klaus Eder oder Achim Schneemann alias Maniac von der Regensburger Hip-Hop-Formation Demograffics treten. Aber Vorsicht, steht man lange sehr nah vor den Porträts, kann sich auch schon mal ein beklemmendes Gefühl einstellen. Denn so ein intensiver Blickkontakt ist ja doch eher selten. Wer sich trotzdem traut, sollte die Ausstellung auf jeden Fall besuchen.

Die Ausstellung ist noch bis 4. Februar dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Zusätzlich gibt es am Sonntag, 14. Januar um 15 Uhr einen Vortrag von Dr. Werner Schrüfer zum Thema „Von Augenblicken und Blickkontakten. Persönliche Gedanken und existenzielle Anmerkungen zum Sehen und Gesehen-Werden.“ zu hören.

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