Turbulent, witzig, hochklassig

„Der Vetter aus Dingsda“: Flache Story, aber großartig gesungen und in Szene gesetzt.

Turbulent, witzig, hochklassig: „Der Vetter aus Dingsda“ mit Matthias Laferi, Ruth Müller, Michael Heuberger, Tamás Mester und Roman Klare (v. li.).

Nein, wegen der Story muss man nicht in „Der Vetter aus Dingsda“ ins Theater am Bismarckplatz gehen. Denn in dieser Hinsicht ist die Operette von Eduard Künneke nur eine schnell durchschaubare Verwechslungsklamotte. Doch es kommt ja immer drauf an, was man draus macht – und hier hat das Ensemble unter Anleitung von Aron Stiehl (Regie) und Ruth Zapf (Dramaturgie) jede Menge Zutaten für einen vergnüglichen Abend zu bieten.

Ein guter Kniff war beispielsweise, die Handlung von den 20er- in die 50er-Jahre zu verlegen. Die sind zwar auch schon lange vorbei, aber uns dennoch bedeutend näher. Die Enge und Spießigkeit etwa, unter der die Hauptfigur Julia de Weert (Anna Pisareva) leidet, wirkt nachvollziehbar, wenn sich ihr Onkel Josse (ein aufgeplusterter Michael Heuberger) in Heinz-Erhardt-Manier den Wams vollhaut oder in der Bild-Zeitung vom „Wunder von Bern“ liest.

Ebenfalls überzeugend sind die Gestaltung und maximale Ausnutzung des Bühnenraums. In den werden mitunter nämlich auch Zuschauerreihen, Balkone und Orchestergraben integriert. Und wie zeigt man am besten ein Zimmer mit Himmelbett, in dem sich ein armer Wandergesell ausruhen darf? Man stellt den Raum einfach senkrecht auf!

Ein ebenso einfacher wie wirkungsvoller Trick, der gut zum allgegenwärtigen Wortwitz und den leichtfüßigen – zur Entstehungszeit des Stücks revolutionären – Tanzeinlagen passt. Weil das gesamte Ensemble diese und vor allem die anspruchsvollen Gesangspassagen fulminant meistert, kommt das Publikum voll auf seine Kosten. Bei der Premiere gab’s dafür minutenlangen Applaus mit „Bravo“-Rufen für jeden einzelnen Akteur, inklusive des erfolgreich gecasteten Hundes Emmy.

Weitere Vorstellungen folgen am 11., 20. und 23. November, am 17., 27. und 31. Dezember sowie im neuen Jahr bis 5. Mai.

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