Wenn Armut zu Habgier wird

Die Kinderoper „Gold!“ erzählt das Märchen der Gebrüder Grimm aus einer neuen Perspektive.

Martina Fender verzauberte das Publikum mit ihrer Stimme und einer spannenden Geschichte – und zwar in vier Rollen. Antonino Secchia sorgte am Schlagwerk für die perfekte musikalische Untermalung der Kinderoper.

Was würde man sich von einem Fisch wünschen, der Träume in Erfüllung gehen lässt? Und wie weit würde man dabei gehen, wird es irgendwann genug sein? Um diese Fragen dreht sich die neue Kinderoper „Gold!“ des Jungen Theaters Regensburg.

Kinder ab vier Jahren und Erwachsene werden dabei an einen Strand versetzt und dürfen zwischendurch selbst das Meer darstellen: Mal rauscht es ganz sachte, mal tobt es gewaltig. Zu verdanken ist es keiner mächtigen Kulisse oder etwa einer Videoprojektion, sondern Martina Fender, die mit ihrer Stimme die Zuschauer in ihren Bann zieht, und Antonino Secchia am Schlagwerk. Denn die beiden sind die einzigen Akteure auf der Bühne.

Erzählt wird die alte Geschichte „Vom Fischer und seiner Frau“ der Gebrüder Grimm – aber die Perspektive ist neu: Nicht der Fischer steht im Mittelpunkt, sondern sein Sohn Jacob, der mit seinen Eltern in bitterer Armut in einem Erdloch am Strand wohnt. Er fängt einen Fisch, der ihm alle Wünsche erfüllen will, wenn er ihn freilässt. Jacobs einziger Wunsch sind Schuhe. Und Zack! – schon hat er warme Stiefel an. Na, wenn das so einfach ist?! Seine Eltern, die Martina Fender ebenfalls darstellt, wollen aber noch mehr: Erst soll ein Haus her, dann ein Schloss, dieses muss aber geputzt werden, also werden Bedienstete gewünscht, und weil dieses Leben so anstrengend ist, muss die Familie verreisen – und zwar alle drei getrennt voneinander.

Die neue Version der Geschichte stammt von Leonard Evers und Flora Verbrugge. Die Sopranistin Martina Fender schlüpft dabei mühelos gleich in vier Rollen: Sie ist die Erzählerin, der Junge Jacob sowie seine Eltern. Dabei greifen Maria-Elena Hackbarth, Inszenierung, und Gabriela Neubauer, Bühne und Kostüme, nicht zu tief in die Trickkiste: Das Meer wird durch blaue Ballons dargestellt. In der Rolle der Eltern fungieren ein roter Schal und eine gelbe Fischerjacke – der Rest bleibt der Vorstellungskraft des jungen Publikums überlassen.

Die wunderbare Stimme von Martina Fender wird beim Singen und Erzählen von Antonino Secchia am Schlagwerk begleitet. Der Professor für Schlagzeug und Percussion an der Sing- und Musikschule Regensburg umhüllt das Stück musikalisch mit verschiedenen Instrumenten, etwa einem Xylophon und Röhrenglocken. Fender und Secchia sind dabei ein perfektes Team. Mehr kann man sich nicht wünschen, selbst wenn man einen Wunschfisch fangen würde.

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