Recup erobert Regensburg

Ein Münchner Start-up sagt dem To-go-Becher-Müll den Kampf an und Regensburger Gastronomen ziehen mit.

Die Pioniere des nachhaltiger Kaffeegenuss zum Mitnehmen in Regensburg: Heiko Rehorik und Julian Heilmann (v. li.). Foto: Amelie Bach

Der Kaffee zum Mitnehmen ist für viele ein festes Ritual im Alltag, auf das man gerne zurückgreift, wenn für eine richtige Kaffeepause keine Zeit bleibt. Nicht selten ist er auch die einzige Möglichkeit, trotz Verspätung morgens auf dem Weg zu Arbeit oder Uni noch an die dringend notwendige Ration Koffein zu kommen. Doch spätestens, wenn man den To-go-Becher entsorgen muss und sich am Mülleimer um die Ecke einem ganzen Berg dieser Pappbecher gegenübersieht, den all die anderen Zu-spät-Kommer und Keine-Zeit-Haber dort hinterlassen haben, packt einen das schlechte Gewissen. Nachhaltig ist das nicht!

Auch den Regensburger Gastronomen ist der Pappbechermüll schon länger ein Dorn im Auge. Deshalb bieten einige Cafés bereits seit geraumer Zeit Rabatte für Kunden, die sich ihr Getränk zum Mitnehmen in eigene Gefäße abfüllen lassen. So zum Beispiel beim Regensburger „Coffee to go again“-System, das 2016 vielversprechend in Regensburg startete, mittlerweile aber wieder etwas eingeschlafen ist. Auch das Angebot an isolierten Thermobechern und bunten To-go-Tassen ist groß. Doch auch dieses System hat einen Haken: Man muss das Gefäß immer dabeihaben. Gerade für weniger organisierte Unterwegstrinker ist das ein Problem – für das es in Regensburg aber bald eine Lösung geben soll. Denn die Recups kommen und mit ihnen ein Pfandsystem für Mehrwegbecher.

Bisher gibt es die Recups aus umweltschonendem Polypropylen in zwei stylishen Farben und Größen. Melden sich genügend Regensburger Partner, könnte es die Tasse bald auch im eigenen Städtedesign geben. Foto: Julian Heilmann
 
Bisher gibt es die Recups aus umweltschonendem Polypropylen in zwei stylishen Farben und Größen. Melden sich genügend Regensburger Partner, könnte es die Tasse bald auch im eigenen Städtedesign geben. Foto: Julian Heilmann

Ausgedacht haben sich das Ganze die zwei Münchner Studenten Florian Pachaly und Fabian Eckert. Die ambitionierte Vision ihres 2016 gegründeten Start-ups „Recup“: eine flächendeckende Coffee-to-go-Revolution. Möglich werden soll dies durch ein dichtes Netz an Partnercafés, -bäckereien, -tankstellen und -supermärkten, die über eine monatliche Gebühr das Pfandsystem finanzieren. In Kooperation mit Recup verleihen sie die Mehrwegtassen aus recycelbarem Kunststoff. In München und Augsburg können sich Kaffeegenießer ihr Wunschgetränk bereits in den über die Stadt verteilten Partnerfilialen für einen Euro Pfand in einen Recup füllen lassen und später in der gleichen oder in einem Partnercafé zurückgeben. Das Pfand wird dann natürlich zurückerstattet und der Becher kann, nachdem er gereinigt wurde, wiederverwendet werden. Bis zu 500 Einsätze sollen die praktischen Tassen aus recycelbarem Kunststoff so bewältigen können.

Nach Regensburg bringen das Projekt jetzt Julian Heilmann und Daniel Müller. Die studierten Wirtschaftsingenieure erfuhren durch einen Bekannten von Recup und waren sofort begeistert. Schnell konnte Heilmann seinen Freund Heiko Rehorik von der Idee überzeugen. Der Inhaber des 190° suchte schon länger nach einer nachhaltigen Alternative zum Pappbecher. Und auch Estella Schweizer und Maria Kleber vom Tara Café mussten nicht lange überlegen, ob sie sich dem Projekt anschließen wollen.

Ab 1. Mai werden die ersten Recups im 190°, im Tara Café, im Café Malefiz und im Café Lila über die Theke gehen. 14 weitere Locations sind bereits angefragt und haben Interesse bekundet. „Eine super Idee“, findet auch Bürgermeister Jürgen Huber, der bereits seine Unterstützung angekündigt hat und das Thema auch beim nächsten Bürgerfest noch einmal thematisieren will. Damit das neue Pfandsystem ein echter Erfolg wird, werden jetzt noch weitere Mitstreiter in der Regensburger Gastronomie gesucht. Anna-Lena Siegert von Recup weiß, wenn viele mitmachen, könnte Regensburg mit seiner großen Cafédichte eine echte Beispielstadt werden. Als kleinen Anreiz würde das Unternehmen ab 30 Partnern eine eigene Regensburg-Edition der Tassen herausbringen.

Die Silhouetten des Doms und der Steinernen Brücke würden sich sicher gut auf den schicken Bechern machen und weniger Pappbechermüll würde nicht nur der Altstadt, sondern vor allem der Umwelt, gut stehen. Bleibt zu hoffen, dass das neue System jetzt endlich die richtigen Impulse setzt und nicht wie seine Vorgänger wieder in der Versenkung verschwindet.

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