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Katharina Harbach
07. August 2019

Alle(s) offen für mehr Kunst?

Ein pinker, künstlerisch gestalteter Straßenbelag zeigt vor der Wahlenstraße, dass auch während der Bauphase „alles offen“ ist. Wir haben uns mal umgehört, was ihr von Kunst im Stadtraum haltet.

"Alles offen": Damit soll die Wahlenstraße wieder attraktiver für Einkäufer gemacht werden. Foto: Stina Walterbach.

Regensburg. Großbaustelle Wahlenstraße: Riesige Löcher am Boden, Baugerüste und Absperrungen erschweren den Passanten derzeit den Weg zu den Geschäften. Und jetzt macht auch noch das Degginger, einer der kulturellen Anlaufpunkte der Stadt, Sommerpause. Damit alle anderen trotzdem noch in die Wahlenstraße finden, weist jetzt ein pinkfarbener Straßenbelag den Weg. Mit dem Aufdruck „Alles ist offen“ soll gezeigt werden, dass die Geschäfte hier auch während der Bauphase jederzeit erreichbar sind.

Für diesen farbenfrohen Hinweis hat die Stadt den Künstler Sigurd Roscher beauftragt. Schon im letzten Jahr durfte er in Kooperation mit der Stadt eine Holzwand am Bahnhof gestalten. Laut Dagmar Obermeier-Kundel, Pressesprecherin der Stadt Regensburg, ließ die Resonanz der Bürger darauf nicht lange auf sich warten: „Sofort, nachdem Herr Roscher losgelegt hatte, wurde er immer wieder von interessierten Bürgern auf die Aktion angesprochen. Dass mit der Bemalung des Bodens auf die Erreichbarkeit der Geschäfte in der Wahlenstraße auch während der Bauphase hingewiesen werden soll, kam gut an. Auch die Händler haben mittlerweile bestätigt, dass die Bemalung mehr Kunden in die Straße lockt.“

Man sieht, dass sich der Künstler Mühe gegeben hat. -Jana (27)

Das wollten wir natürlich genauer wissen und haben den Ort des Geschehens mal genauer unter die Lupe genommen und die vorbeilaufenden Leute gefragt, was sie von der Aktion halten. „Ein sehr schön gestalteter Hinweis, bei dem man sieht, dass sich Mühe gegeben wurde. Ich denke ein einfaches Schild würde da weniger auffallen“, sagt Jana (27). Auch einige der Händler sind zufrieden: „Das ist auf jeden Fall ein effektiver und auch schön gestalteter Hinweis“, meint Pia Boxleitner von der Galerie Bild & Rahmen. Um beurteilen zu können, ob dadurch wirklich mehr Leute in der Wahlenstraße einkaufen gehen würden, brauche es ihrer Meinung aber noch etwas Zeit.

Wir hätten es fast übersehen. - Angelika und Herlinde (beide 61)

Doch nicht alle Passanten sind von dem pinken Streifen überzeugt: „Wir hätten es fast übersehen und es ist auch für uns nicht sofort offensichtlich, was der Zweck von dem Streifen sein soll“, sagen Angelika und Herlinde (61). Problematisch ist natürlich auch, dass die Farben verblassen, wenn zu viele Leute drüber laufen, da Straßenkunst etwas sehr vergängliches ist. „Wir mögen den Gedanken, die Straßen bunter zu gestalten. Allerdings übersieht man hier den Hinweis doch sehr schnell, daher wäre es vielleicht besser gewesen, stattdessen eine Tafel in Augenhöhe hinzustellen“, meinen Emilia (21) und Lea (23).

Obwohl der Streifen mittlerweile etwas verblasst ist: Immer wieder bleiben Leute stehen und lesen sich interessiert den Hinweis durch. Foto. Katharina Harbach.

Für die Stadt hingegen gab es einen klaren Grund, warum man eben nicht eine Tafel aufgestellt, sondern den Hinweis auf diese Art gestaltet hat. „Es hat sich vom Bauablauf die Möglichkeit ergeben, künstlerisch auf die Wahlenstraße hinzuweisen, da der Asphaltstreifen notwendig war.“ erklärt Obermeier-Kundel. Nach Beendigung der Baumaßnahme solle dieser aber wieder den Pflastersteinen weichen und lasse sich so problemlos wieder entfernen. Weitere solcher Aktionen mit Kunst im Stadtraum, unabhängig von der Baustelle, seien derzeit nicht geplant.

Kunst soll sich ins Stadtbild einfügen.- Nina (29)

Dabei würden dies die meisten Regensburger, mit denen wir gesprochen haben, sehr begrüßen. „Ich wünsche mir auf alle Fälle mehr Kunst im Stadtraum“, meint Simon (21), „gerne auch etwas mehr in Richtung Dreidimensionalität und bei dem die Farben nicht so schnell verblassen wie bei dem Hinweis vor der Wahlenstraße.“ „Für mich ist der pinke Asphaltstreifen zwar nicht direkt Kunst“, sagt Nina (29), „aber trotzdem ein lustiger Hinweis“. Kunst solle sich ihrer Meinung nach gut ins Stadtbild einfügen, was etwa bei der Sitzgruppe in der Viereimergasse gut gelungen sei. „Als Hinweis finden wir die künstlerische Gestaltung auf dem Boden leider zu übersehbar, aber es wäre generell schön, wenn in Zukunft mehr Böden oder Hauswände kunstvoll und bunter gestaltet werden – vorausgesetzt der Altbau bleibt trotzdem erhalten“, sagen Emilia (21) und Lea (23).

Mit der künstlerischen Gestaltung des Hinweises hat die Stadt also einen Nerv bei vielen Regensburgern und auch Besuchern getroffen. Und auch wenn der Hinweis so nicht für alle direkt ersichtlich war: Gegen etwas mehr „Bunt“ in der Stadt hat hier wohl niemand etwas.

Katharina Harbach