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Andrea Borowski
28. Dezember 2019

Das große Gastrokarussell 2019

Ein Blick in die Regensburger Restaurant- und Bar-Landschaft erzählt uns viel darüber, was die Stadt dieses Jahr bewegt hat.

Die einen mussten schließen, die anderen haben neu eröffnet. 2019 war ein turbulentes Jahr für die Regensburger Gastroszene. Foto: Phubes - stock.adobe.com

Regensburg. Regensburg schaut auf ein turbulentes kulinarisches Jahr zurück. Neue Konzepte stießen 2019 auf großes Interesse. Gastronomen klagten über hohe Mieten und Personalmangel.

Tradition trifft Moderne

Die Museumswirtschaft im Erdgeschoss des neuen Museums setzt auf eine Mischung aus Tradition und Moderne. Hier mischt sich klassisches Wirtshausmobiliar mit Küchenmöbeln und Kaffeehausflair. So entsteht ein gemütliches Lokal, das versucht Geschichte und Gegenwart zu vereinen – genau wie das Haus der Bayerischen Geschichte.

Ein besonderes Konzept bringt das Food and Wood am Regensburger Dom mit. Hier gibt es mediterrane Küche aus regionalen Zutaten. Wem die Einrichtung im Lokal gefällt, braucht nicht lange nach Marken googeln und Etikettenaufkleber suchen. Denn: Im Food and Wood ist die Einrichtung käuflich. Betreiber Renata Schweizer und David Weinberger haben hier einen Multi-Concept-Store entworfen.

Drei Mal Asiatisch Essen in Regensburg

Sternekoch Anton Schmaus hat sich dieses Jahr einem neuen Projekt gewidmet. Am Watmarkt 5 gibt es seit November das Aska, eine Sushi-Bar der Extraklasse. Der Sushi-Meister Atsushi Sugimoto bereitet das Essen traditionell vor den Augen der Gäste zu.

Sushi-Meister Atsushi Sugimoto ist für das Aska von London nach Regensburg gezogen. Foto: Stina Walterbach

Bodenständiger und günstiger kann man stattdessen im Lin im Glück essen. Das All-you-can eat Restaurant in der Straubinger Straße eröffnete nach wenigen Startschwierigkeiten im Vorfeld im Februar. Der Name ist inspiriert von der Burger-Kette „Hans im Glück“. Statt Burger können sich die Besucher hier aber an chinesischen Klassikern bedienen.

Das Chamäleon ist ein Multitalent und passt sich seiner Umgebung an. Davon haben sich die Betreiber vom Chamäleon Sushi and Fusion, in der Galgenbergerstraße, inspirieren lassen. Das Team kombiniert regionale Gerichte mit asiatischen Rezepten. Neben den klassischen Sushi-Rollen gibt es hier auch „Backhendl“-, „Goaßerl“- und „Bayerische“-Rollen. Dazu darf es dann vielleicht ein Miso-Kartoffelpüree oder Spätzle-Curry und zum Nachtisch ein „China Schmarrn“ sein.

Mediterrane Neueröffnungen setzten auf Qualität

Im Dörnbergareal hat sich dieses Jahr einiges getan. Die ersten Läden haben geöffnet, abends sieht man in immer mehr Wohnungen Licht brennen. Auf dem Areal sollen neben dem Forum weitere Treffpunkte für die Bewohner entstehen. Das Meridiano machte Ende Juli den Anfang. Geboten wird hier anspruchsvolle Mittelmeerküche in einem stilvollen Ambiente.

Giorgio und Gianluca Vasciarelli gründeten bereits 1997 ihre „Pastifico“, ihre Pasta-Manufaktur Il Golosone. Die Brüder aus Apulien stellen ihre Bio-Pasta aus alten Getreidesorten her. Im Mai haben sie im ehemaligen Nunzio’s in der Unteren Regenstraße das Il Golosone eröffnet. Neben Pasta aus der eigenen Manufaktur bieten sie auch „handmade Pizza and more“ an – ganz wie bei der italienischen Mama.

In den Markthallen am Dachauplatz ist im Juni ein türkischer Imbiss eingezogen. Die Jungs von Düdüklü setzen auf Qualität: Sie verstehen Fleisch als ein Luxusprodukt und setzten es deshalb in Maßen ein. Den Dönerspieß bestücken sie jeden Tag aufs Neue mit hochwertigem Kalbfleisch. Sie bieten aber auch andere traditionelle türkische Mahlzeiten an und runden so das Angebot in den Markthallen ab.

Das Exil am Weißgerbergraben ist zurück. Fotos: Benedikt Baumgartner

Ein altgeliebtes Restaurant ist dieses Jahr wieder eröffnet worden. Seit Mai hat das Kult-Restaurant Exil am Weißgerbergraben wieder kurdische Gerichte im Angebot. Karin Griesbeck, Betreiberin der Neuen Filmbühne, nahm sich dem ehemaligen Restaurant ihres Kochs Ismael Cina an. Die Karte bietet für die Gästen vor allem vegetarische und vegane Gerichte.

Nachdem das Pizza e Pasta in der Bachgasse im Januar aus nicht bekannten Gründen geschlossen hatte, ist im April das Boleros eingezogen. Betreiber Claudio Alexe, er ist auch für das Hemingway’s gegenüber verantwortlich, bietet hier spanische Grillspezialitäten und Tapas an.

Zu teure Renovierungen in der Regensburger Innenstadt

Viele Restaurant- und Cafébetreiber ließen ihre Pachtverträge dieses Jahr auslaufen. Die dringend anstehenden Renovierungsarbeiten sind ihnen einfach zu teuer. Anfang des Jahres war es für das Goldene Fass soweit, mit Jahreswechsel schließen das Café unter den Linden und das Haus Heuport. Letzteres ist bis Juni 2020 nur noch für Veranstaltungen geöffnet. Trotzdem ist Hoffnung da. Das Café unter den Linden macht im kommenden Sommer wieder auf, das Goldene Fass hat nach einer Sanierung unter neuem Namen und mit einem veränderten Konzept wiedereröffnet. In der Studentenwirtschaft werden seit September Burger und klassische bayerische Gerichte für den kleineren Geldbeutel angeboten. Die Karte ist klein und bietet Studenten und Schülern unter der Woche verschiedene Aktionen.

Auch das Picasso wurde nach 30 Jahren geschlossen. Der Inhaber Sion Israel ist in den Ruhestand gegangen – auch hier wurde erst noch renoviert, bevor das Wuid&Schee mit einem neuen Konzept im November eröffnet hat. Die Betreiber setzen hier auf Regionalität und Mainstream.

Auslaufende Pachtverträge und teure Mieten

Karin und Muk Röhrl gaben dieses Jahr ihr Brandl Bräu auf. Laut Muk Röhrl waren Unstimmigkeiten mit dem Eigentümer der Grund dafür, wieso sie nach fünf Jahren den Pachtvertrag auslaufen ließen. Auch hier waren die Mieten und anstehende Renovierungsarbeiten einfach zu teuer. Seit August steht das traditionsreiche Lokal in der Ostengasse leer. Eigentümer Stefan Brandl hängt an seinem Brandl Bräu und hat das Lokal in den vergangenen Monaten aufpoliert. Bis die Brandls einen neuen Pächter gefunden haben, vermieten sie es für Gesellschaften.

Auch Tarantinos Betreiber Tom Bockes hat es 2019 gereicht. Die Pacht in der Wöhrdstraße ist einfach immer teurer geworden. Am 20. Juli hat er einen Schlussstrich gezogen. Eine neue Location hatte er zu dem Zeitpunkt aber schon im Blick: Ende September ist der Wirt mit einem leicht veränderten Konzept in das Kellergewölbe der ehemaligen Birretta Bar in der Ostengasse eingezogen.

Im Prüfeninger Schlossgarten ist der Vertrag zwischen der Brauerei Kneitinger und Thurn und Taxis ausgelaufen. Es war ein bewegendes Jahr für die Traditions-Location. Nachdem die Betreiber des Schlachthofs und des Schlossgartens im April Insolvenz angemeldet hatten übernahmen Ole Ott und Stefan Kappl den Biergarten im Mai für einen letzten Sommer. Weitermachen wollen sie aber nicht. Im September feierten sie einen Abschieds-Rave, seitdem ist der Schlossgarten zu. Wie es weitergeht ist derzeit noch unklar.

Bei 6434€ Miete pro Monat war für Haritun Sarik die Schmerzgrenze erreicht. Zum 26. Januar schloss der Feinkostladen am St. Kassiansplatz. Eine Wiedereröffnung im Laden gegenüber, den Sarik bisher als Kühlraum nutzte, wurde über das Jahr mehrfach verschoben. Jetzt ist eine Neueröffnung für Februar 2020 geplant.

Das Ende der Burgerläden?

Lange Zeit waren Burgerläden in Regensburg auf dem Vormarsch. Die skeptische Frage, ob die Stadt noch einen Burgerladen brauche, scheint nun mit nein beantwortet werden zu können. Dieses Jahr machten gleich drei Burgerläden – Buddies Burger Bar, Frankys Sportsbar und das Burger House – zu. Letzteres steht seit Februar leer. Zur Frage, was aus dem Burger House wird, äußern sich die Betreiber nicht. Für Buddies Burger Bar sieht es da besser aus. Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Juni musste der Burgerladen in den Räumlichkeiten am Peterswegparkhaus im August die Türen für immer schließen. Nach monatelanger Suche ist im Dezember das Dudes Diner eingezogen. Hier liegt der Fokus auf bayerisch-amerikanischer Fusionküche.

Frankys American Sportsbar hat seit November geschlossen. Bereits kurze Zeit später hat in der Location in den Schwippbögen das Zazu eröffnet. Der Look erinnert an Tausendundeine Nacht, die Bar wirbt mit leckeren Cocktails und Shishas.

Private Umstände und finanzielle Sorgen in der Branche

Im März sorgte die Meldung, dass das Café Felix, das Scholz und das Jalapeños insolvent sind für Aufregung in Regensburg. Nachdem es für das Felix erstmal weiter ging wie bisher, schloss das Scholz vorübergehend und eröffnete mit neuen Betreibern im September neu. Für das Jalapeños sah es leider nicht so gut aus. Die Kult-Location ist seit Mai 2019 geschlossen und steht seitdem leer.

Das zukunftsweisende Konzept des Genusshofs, hier gab es saisonale Produkte von Höfen der Region, hatte es 2019 schwer. Gerade erst im Mai eröffnet, musste das kleine Restaurant in den Bäckerschen Höfen leider nach wenigen Monaten wieder schließen: hier waren Personalmangel und private Umstände der Grund.

Ins Taracafé soll 2020 ein neues Projekt einziehen. Foto: Stina Walterbach

Im Juli kündigten die drei Betreiberinnen des Taracafés an, dass sie sich im kommenden Jahr anderen Projekten widmen wollen. Auf Facebook bedanken sich die Betreiberinnen für die „fabelhaften Jahre“ und nehmen Abschied von den Stammgästen. Regensburgs erstes veganes Café, gegenüber der Synagoge, ist ab dem 31. Dezember geschlossen. Lange wird das Café jedoch nicht leer stehen. Ab April 2020 können sich die Regensburger auf das Valea freuen. Hier soll es Bio-Café und pflanzliche Lebensmittel zu kaufen geben.

Es zeichnet sich also schon ab, dass wir vom kommenden Jahr wieder neue Geschmäcker, spannende Konzepte und viel Veränderung zu erwarten haben. In unserer kult-Rubrik „Geschmackssache“ stellen wir euch auch nächstes Jahr wieder vor, welche Locations sich besonders lohnen.

Andrea Borowski