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Titelfoto: Jonas Raab
03. September 2018

Die Kunst als Vorbote

Zwischen dem Bahnhof und der Altstadt soll’s gemütlicher werden. Zwei bemalte Holzwände läuten eine jahrelange Umbauphase ein.

Am Bahnhof wird jetzt Kunst gemacht! Gleich mehrere Holzwände wurden von Street-Art-Künstler Sigurd Roscher und Emanuel Jesse gestaltet.Jonas Raab

Regensburg. „Ja, des kannt wos wer’n“, erkennt eine Passantin im Vorbeilaufen an. Sie staunt nicht schlecht, als sie wenige Sekunden später ihre Worte auf dem Kunstwerk, dem ihr Satz galt, wiederfindet. Seit letztem Donnerstag gestaltet der Street-Art-Künstler Sigurd Roscher eine Holzwand nahe dem Peterskirchlein am Bahnhof und verarbeitet dabei auch Wortfetzen, die er um sich herum aufnimmt. Ein paar Meter weiter am südlichen Ende der Maximilianstraße schraubt Emanuel Jesse derweil die ersten Bilder an seine Holzwand.

Das Publikum der Albertstraße beäugt dabei jeden Schritt der beiden Künstler ganz genau. „Man ist dem Publikum sofort ausgeliefert und bekommt direktes Feedback – ob man es will oder nicht. Das macht den größten Reiz am Malen im öffentlichen Raum aus“, sagt Roscher. Die beiden Kunstwerke läuten die Neugestaltung des Areals zwischen dem Bahnhof und der Altstadt ein und sollen einen Vorgeschmack auf einen neuen, attraktiven Stadteingang, der in den nächsten Jahren entstehen soll, geben.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Straßen und Plätze durch die Kunst aufgewertet werden und damit eine ganz neue Qualität bekommen“, erklärt der Kulturreferent der Stadt, Klemens Unger, wenngleich er anfügt: „Wir haben die Wände nicht nur der urbanen Kunst wegen gestalten lassen, sondern auch, weil hier im September Sondagen laufen werden.“ Die Kunstwerke sollen dann als Sichtschutz dienen, wenn sich Archäologen auf die Suche nach dem südlichen Ende des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs machen.

Am Montag, 10. September beginnen die Bodenuntersuchungen im Park zwischen Bahnhof und Albertstraße. Sie sollen klären, wie weit sich der Friedhof erstreckt, um im Anschluss ein Baufeld für eine Tiefgarage im am Bahnhof abstecken zu können, ohne dabei die Totenruhe zu stören. Das geplante Großprojekt hat einen autofreien Bahnhofsvorplatz zum Ziel und auch der Rest des Stadteingangs soll für den Autoverkehr beschränkt werden. Dadurch entstünde mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Insgesamt soll im Areal zwischen Bahnhof, Alberstraße und Kepler-Areal durch die geplanten Projekte in den kommenden Jahren die Aufenthaltsqualität verbessert werden – die zwei bemalten Holzwände sind die ersten kleinen Vorboten.