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13. Mai 2020

Ein Meer aus leeren Stühlen

Freisitze, Steuern, Rettungsfonds – was Regensburgs existenzbedrohte Gastronomen jetzt von der Politik fordern.

Mit mehreren hundert Stühlen und einer Demonstration machten Regensburgs Gastronomen am Freitag, 8. Mai auf die prekäre Lage in ihrer Branche aufmerksam. Foto: Jonas Raab

Regensburg. Unzählige, ungleiche und vor allem unbesetzte Stühle mitten auf dem Haidplatz animierten vergangenen Freitag, 8. Mai manch Passanten zum Schnappschuss. Was wie eine extravagante Kunst-Installation wirkte, hatte einen ernsten Hintergrund: 50 Regensburger Gastronomen machten stellvertretend für rund 500 Betriebe des Gastgewerbes auf die prekäre Situation in ihrer Branche aufmerksam.

Karl von Jena, Betreiber der Anna-Cafés in den Arcaden und der Schnupftabakfabrik, eröffnete die Demonstration am Freitagnachmittag unumwunden: „Wir bangen um unsere Existenzen. Eine große Welle der Insolvenzen droht“, sagte er im Beisein der Regensburger Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Bundesweit seien aktuell 98 Prozent aller im Gastgewerbe Angestellten in Kurzarbeit. Geschlossene Restaurants, Bars und Hotels seien auch für Zulieferer, Einzelhandel, Tourismus, Kultur und nicht zuletzt für das einzigartige Flair Regensburgs eine Bedrohung. „Wir brauchen dringend weitere Unterstützung von der Politik“, sagte von Jena deshalb.

Oberbürgermeisterin „überwältigt“

Konkret fordert das Bündnis der Regensburger Gastronomen einen Rettungsfond, der nicht zurückbezahlt werden muss, die Verstetigung der auf sieben Prozent gesenkten Mehrwertsteuer auf Essen, leichteren Zugang zu Schnellkrediten für kleinere Betriebe, den Abbau bürokratischer Hürden, die Unterstützung von den Kommunen bei Freisitzgebühren und der Gewerbesteuer.

Stellvertretend für eine ganze Branche gingen Karl von Jena (vorne) und viele weitere Gastronomen auf die Barrikaden. Foto: Jonas Raab

Auch umsetzbare Regularien fürs Wiederhochfahren verlangen die Gastronomen. Der Vorfreude, bald wieder öffnen zu können, stehe große Sorge gegenüber, sagte Karl von Jena: „Vieles ist hier noch unklar, die Auflagen werden für unsere Branche entscheidend sein.“ Die meisten der Forderungen der Gastronomen sind Bundes- oder Landessache. Florian Mascarello, Inhaber des Dechbettener Hofs und Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e. V., nahm in seiner Ansprache auch die Kommune in die Pflicht – bei Gebühren, Bürokratie und Kompromissbereitschaft.

Kreative Ideen gefragt

Die Oberbürgermeisterin zeigte sich angesichts der Stühle und Redner am Haidplatz „überwältigt“. Sie könne alles, was gesagt wurde, so unterschreiben, verwies aber auf das Problem der Zuständigkeit. Beispielsweise habe die Rechtsaufsichtsbehörde eine schon aufgesetzte Stadtratsvorlage für einen Fond an die Regensburger Gastronomen doch noch überflüssig gemacht. Denn nur Bund und Länder dürften nicht rückzahlbare Wirtschaftsförderung betrieben, erklärte Maltz-Schwarzfischer.

Auch Freisitzgebühren oder die Gewerbesteuer dürfe man nicht komplett erlassen, die Gebühren wolle man jedoch senken und bei der Steuer flexible Modelle anwenden. Die Freisitzflächen in der Stadt zu vergrößern, lehnte die Oberbürgermeisterin allerdings ab. Das sei schon deshalb unfair, weil davon nur Einzelne profitieren würden. „Aber wenn es kreative Ideen gibt, bitte kommen Sie auf uns zu“, ermutigte sie.