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Titelfoto: Veronika Weigert
10. Oktober 2020

Gegen das Vergessen

In Regensburg gibt es über 200 Stolpersteine. Mit ihnen soll Opfern des Nationalsozialismus gedacht werden, die hier lebten und wirkten.

Der Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung einer Stolperschwelle. Foto:Veronika Weigert

Regensburg. Vielleicht habt ihr bei einem Spaziergang durch Regensburg schon mal die ein oder andere Messingplatte am Boden blitzen sehen. Wenn ihr die Platte genauer betrachtet, findet ihr dort den Namen, das Geburtsjahr und den Todestag eines Menschen, der hier lebte und an diesem Ort – vielleicht auch nur zeitweise – seinen Lebensmittelpunkt hatte.

Die sogenannten Stolpersteine sind Betonsteine mit einer Messingplatte und erinnern an die Schicksale der Menschen, die dem Nationalsozialismus unter anderem aufgrund ihrer Herkunft, ihrer politischen Position, ihrer Religion oder ihrer Sexualität zum Opfer fielen. Das hatte zur Folge, dass sie ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.

Nur von wenigen dieser Menschen ist das Grab oder der Ort bekannt, an dem ihre Asche liegt. Mithilfe der Stolpersteine sollen sich die Menschen an ihre Namen erinnern. In Regensburg gibt es auch drei Stolperschwellen. Sie sind an Orten, an denen die Zahl der Opfer den verfügbaren Platz oder aber die Vorstellungskraft überschreiten. In wenigen Zeilen wird auf den Schwellen dokumentiert, was an diesem Platz geschah. Verlegt werden die Betonsteine nicht nur in Regensburg, sondern auch in den anderen Städten von dem Künstler Gunter Demnig. Er hat in den vergangenen 25 Jahren mehr als 75 000 Stolpersteine in ganz Europa im Boden verankert.

Betreten erlaubt

Am Vorplatz der Kirche St. Vitus erinnert eine Stolperschwelle an die Verbrechen der Nationalsozialisten. Foto: Foto: Veronika Weigert

Es ist übrigens erlaubt, die Stolpersteine zu betreten. Denn wenn ihr über den Stein geht, wird dieser durch die Reibung blanker und der Text ist leichter zu lesen. Der Name Stolpersteine ist im übertragenen Sinn gemeint, so soll man nicht mit seinen Füßen über den Stein stolpern, sondern mit Herz und Verstand.

Stolperstein-Guide

Wenn ihr mehr über das Leben der Menschen hinter den Stolpersteinen wissen wollt, könnt ihr euch die App „Stolperstein Guide“ im Google Play Store und im App Store herunterladen. Darin erfahrt ihr mehr über die Biografien der Opfer und könnt auch Führungen machen, die einige Stolpersteine miteinander verbinden.

Von der Anwendung gibt es auch eine Web-Version.