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Jonathan Ederer
15. Dezember 2019

Geschichten aus der „Oma Plüsch“

Die „Oma Plüsch“ ist die älteste Studentenkneipe Regensburgs und trotz zahlreicher Umzüge noch immer sehr beliebt. Es gab immer wieder Neuerungen, doch was bleibt, sind die Geschichten und die Atmosphäre.

Student oder nicht – ein Bier in der Oma in da Antn geht immer. Foto: Claudia Reill

Regensburg. Überquert man die Eiserne Brücke von der Altstadt aus, heißt einen ein ovales Schild willkommen, das mit einem gutmütig wirkenden Profil einer älteren Dame und dem Schriftzug „Oma Plüsch“ zum gemütlichen Verweilen einlädt. „Mit dem großen Biergarten ist die Lage natürlich ideal für die Sommermonate“, sagt Thomas Rötzer, der seit 1994 Wirt der „alten Dame“ ist. Die Geschichte der Kneipe war abwechslungsreich: Vor vier Jahren war sie noch in der Pfarrergasse, wieder Jahre zuvor am Emmeramsplatz.

Studentischer Ursprung

Als die (Ur-)Oma 1971 ihre Pforten öffnete, war der jetzige Wirt bereits Gast dort und er erinnert sich an den etwas befremdlichen Jargon der Jura- und Wirtschaftsstudenten. Zu den Juristen gesellten sich Studenten anderer Fachrichtungen und so entstand ein einzigartiger Ort des regen Austauschs. Dass sich das bis heute so verhält, zeigt das Publikum: Stammgäste, Fußballfans aus Linz, ein mathematischer Studentenclub, Touristen – und sogar Dieter Nuhr war mal da.

Wer im Sommer einen Platz im Biergarten ergattern will, muss früh dran sein. Foto: Claudia Reill

An die Gäste aus Österreich erinnert sich Rötzer mit gemischten Gefühlen, denn ihre „schwarzgewandete“ Erscheinung machte ihn zuerst stutzig. Tatsächlich handelte es sich bei den angereisten Fans um „übliche Verdächtige“, denen der Einlass ins Stadion verwehrt geblieben war und die auf der Suche nach einer Alternative, das Fußballspiel anzusehen, bei der „Oma Plüsch“ gelandet waren. Nach anfänglichem Schreck war aber bald klar, dass es „im Grunde anständige Leute“ waren, so Rötzer. Fußballspiele werden hier übrigens noch im großen Stil übertragen, neben der Champions League natürlich jedes Jahn-Spiel, vor dessen Anpfiff die Tore auch schon mal früher geöffnet werden.

Die Vorzüge der „Ente“

Seit Rötzer „seine Oma“ im Wirtshaus der „Goldenen Ente“ pflegt, muss er auf seine an vier Seiten servierfähige Theke verzichten, die am Altstadtstandort für mehr Geselligkeit sorgte. Doch die urige Einrichtung macht diesen Verlust wett und wenn man sich umschaut, fallen einem schnell die vielen Bilder und Porträts an den Wänden auf. Einer der abgebildeten Herren sei sein Onkel, sagt Rötzer. „Der ist damals nach Amerika ausgewandert, aber seitdem fehlt von ihm jede Spur.“ Seine (nicht ganz erntsgemeinte) Theorie ist, dass er sein Ziel erreicht hat und ein Ölimperium gegründet hat…

Die gemütliche Atmosphäre zeichnet sich durch urige Einrichtung und geschichtsträchtigen Bildern aus. Foto: Claudia Reill

Und obwohl die große Finanzspritze aus Übersee wohl ausbleiben wird, lässt sich’s hier in der „Oma Plüsch“ leicht leben. Besonders beliebt sind nach wie vor die Feten am unsinnigen Donnerstag und am 23. Dezember – eine ausgelassene Stimmung ist garantiert. Am Karfreitag findet das alljährliche Schafkopfen mit hundert Oma-Talern Preisgeld für den ersten Platz statt. Student oder nicht – hier kann sich jeder wohlfühlen. Ob im Biergarten oder in der gemütlichen Stube, ein Bier in der „Oma Plüsch“ geht immer.

Jonathan Ederer